Einzelhandel startet wieder:  Kunden kehren zaghaft zurück

Corona Coronakrise Lockerung nach dem Shutdown Eschweger Innenstadthändler öffnunen wieder ihre Geschäfte, Buchhandlung Heinemann Uwe Heinemann hinter Plexiglas
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Jetzt hinter Glas: Buchhändler Uwe Heinemann hat wieder geöffnet und gleich noch ein zweites Geschäft aufgemacht. 

Die ersten Einzelhandelsgeschäfte in Eschwege haben wieder geöffnet - unter strengen Vorsichtsmaßnahmen. Der große Ansturm blieb aus, außer bei den Fahrradhändlern. 

Eschwege. Verhalten, aber besser als erwartet sehen die Eschweger Innenstadthändler die Lockerung der Kontaktbeschränkung im Einzelhandel. Das hat eine stichprobenartige Überprüfung unserer Zeitung am Montag ergeben. Die Einkaufsstraße in der Kreisstadt war den gesamten Tag über schwach gefüllt.

Händler halten sich an Regeln

Noch nicht alle Geschäfte hatten am Montag geöffnet. Einige arbeiteten aufgrund von Kurzarbeit mit verkürzten Öffnungszeiten. Wenn geöffnet war, hingen überall strikte Regeln aus. Abstand halten, am liebsten mit Mundschutz, und Möglichkeiten zur Desinfektion waren vielerorten gegeben. Die Händler hielten sich an die vom Werra-Meißner-Kreis ausgegebenen Anweisungen. Jedes Geschäft hatte die Maximalzahl von Kunden draußen an der Tür angeschlagen. Für eine Person mussten mindestens 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen, der Abstand mindestens 1,5 Meter betragen. In größeren Läden wurden eigene Ideen zur Kontrolle umgesetzt. In der Buchhandlung Heinemann regulierten Einkaufskörbe die Maximalzahl an Kunden, bei Velo Mangold wurden Atemschutzmasken an die Kunden ausgegeben. „Alle Kunden, die heute kamen, waren allerdings sehr diszipliniert“, sagt Kerstin Weck, Verkäuferin beim Ausrüster.

Freude am Eis essen

Ingrid und Werner Rösich aus Röhrda nutzten nach den Erledigungen das sonnige Wetter für ein Eis. Auch die Eisdielen durften erstmals nach den Sanktionen wieder öffnen. „Das haben wir vermisst“, sagt das Rentnerpaar, das sich auf dem fast leeren Marktplatz strikt an die Abstandsregeln hielt. „Wir hätten aber mit mehr Leuten gerechnet“, sagt Ingrid Rösich. Ähnlich empfindet es Ute Laudenbach, die die Wiedereröffnung des Einzelhandels als gutes Signal empfindet, das öffentliche Leben wieder vorsichtig anzukurbeln.

Schlossgalerie noch geschlossen 

Noch nicht geöffnet hatte die Schlossgalerie. Ob das Shop-in-Shop-System unter die 800-Quadratmeter-Regel fällt, war gestern noch unklar. Heute Morgen entscheidet sich, ob die untere Etage öffnen wird. Die Initiative Stadtmarketing hat indes eine Online-Plattform mit Lieferservices ins Leben gerufen. eschwege-liefert-lokal.de

Fahrradhändler sind die Profiteure 

Die großen Profiteure der Wiedereröffnung sind die Fahrradhändler. Bei den drei Anbietern in Eschwege wie dem Zweiradhaus Ebert, der Bikestation oder Velo Mangold war gleich am ersten Tag richtig viel los. „Uns fällt ein Stein vom Herzen, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagt Heike Nützler von Velo Mangold in Eschwege. 

Weniger Kunden,  als eigentlich erlaubt 

Neben dem ist sie sich aber auch ihrer Verantwortung bewusst. „Wir Händler müssen jetzt sorgsam mit der Lockerung umgehen.“ Für ihr eigenes Geschäft hält sich Heike Nützler deswegen nicht an die vorgegebenen Regeln. „Bei einem Kunden pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche dürften wir 30 Menschen in unseren Laden lassen“, rechnet sie vor. Dabei könnten die Mindestabstände zwar eingehalten werden, das Risiko sei ihr aber zu hoch. Eigeninitiativ haben die Fahrradhändler beschlossen, lediglich sechs Personen einzulassen. 

Schutzmasken gegen Spende

Den Kunden werden Schutzmasken angeboten, die sie gegen eine Spende bekommen. Das Geld kommt dem Werner-Seeger-Haus der Werraland Lebenswelten in Reichensachsen zugute. 

Auch bei der Bikestation von Adam Biewald und im Zweiradhaus Ebert von Oliver Münzing läuft es gleich am ersten Tag richtig gut an. „Schade, dass der Tag nur 24 Stunden hat“, sagt Biewald. Münzing ist beim Hin- und Her zwischen Verkaufsraum und Werkstatt ständig darauf bedacht, dass sich nicht zu viele Menschen in seinem Laden aufhalten. 

Pandemie lieber bis zum Schluss aussitzen

Die Kunden, die am Montag zum Ausrüster am Obermarkt kamen, hätten alle sehr konsequent den Abstand eingehalten, hat Verkäuferin Kerstin Weck beobachtet. Dass gleich so viele Menschen in sein Geschäft gekommen sind, hat ihren Chef Gerd Döhle gefreut: „Damit hätte ich nicht gerechnet. Die Wiedereröffnung lief viel besser als erwartet.“ Döhle hätte sich gewünscht, dass die Pandemie konsequent bis zum Schluss ausgesessen worden wäre. Er weiß aber auch, dass viele seiner Händlerkollegen ein längeres Verkaufsverbot nicht durchgehalten hätten. 

Buchhändler Heinamann ist expandiert

Buchhändler Uwe Heinemann hat während der Krise sogar expandiert. Zum einen hat er – aus der Not heraus – einen Lieferservice für Bücher ins Leben gerufen, zum anderen ein neues Geschäft eröffnet. Heinemann plus verkauft neben der Deutschen Bank jetzt Schul- und Bastelbedarf, außerdem Kalender und Ranzen. Eigentlich sollte schon vor Wochen eröffnet werden. Corona machte einen Strich durch die Rechnung. „Jetzt hatten wir Zeit, in Ruhe vorzubereiten.“ Gestern wurde das neue Innenstadtgeschäft unter geänderten Voraussetzungen eröffne

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