Ein Schrittmacher kann Rhythmusstörungen beseitigen

Elektrische Hilfe für das gestörte Herz

Herzschrittmacher. Foto: Mayer

Eschwege. Weil Herzbeschwerden im Allgemeinen und Rhythmusstörungen im Speziellen weit verbreitet sind, war die Cafeteria im Eschweger Krankenhaus bei der Abendvorlesung für jedermann am Dienstag restlos gefüllt.

Kardiologie-Chefarzt Dr. Peter Schott erläuterte zunächst das „elektrische System“ im Herzen, in dessen komplizierten Leitungswegen es Störungen geben kann. Normal sind ein Ruhepuls von 60 bis 100, unter Belastung 160 und die untere Grenze sind 40 Pulsschläge pro Minute.

Wenn das Herz zwar weiter regelmäßig, aber deutlich schneller schlägt, kann dies ein gutartiges Herzjagen sein. Dann spielt entweder der impulsgebende Sinusknoten verrückt oder eine angeborene zusätzliche Leitungsbahn ist die Ursache. Letztere kann man veröden, ansonsten hilft ein Glas kaltes Wasser oder eine Bauchpresse, „Medikamente sollten nur bei häufigem Auftreten genommen werden“, so Dr. Schott. Die kommen in Frage beim Stolperherz, wo ein Schlag außer der Reihe dazwischenfunkt.

Die häufigste Rhythmusstörung ist das Vorhofflimmern mit bis zu 350 Schlägen, die als solche wegen der Geschwindigkeit nicht mehr wahrgenommen werden und zum Schlaganfall führen können. Bluthochdruck oder koronare Herzerkrankungen können hier die Ursache sein. Blutverdünnung ist die erste Indikation. Selber zur Vermeidung beitragen kann man durch Gewichtsreduzierung, wenig Alkoholgenuss und viel Bewegung.

Marcumar sei als Blutverdünner trotz neuer Mittel weiterhin das Maß der Dinge, ASS bringe keinen Nutzen, riet Dr. Schott von diesem Mittel ab.

Neben der optimalen medikamentösen Einstellung kommt ein Herzschrittmacher in Frage bei einem Puls unter 40 mit dauerhaften Beschwerden wie Schwindel und Luftnot.

Dem Schrittmachereinsatz in jedem Fall und bei jüngeren Menschen kann Dr. Schott wenig abgewinnen. „Ein Schrittmacher kann auch schaden“, warnte er vor extensiven Einsätzen. Bei einer Batterie Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren habe bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren ein 40-jähriger Patient mindestens ein halbes Dutzend Operationen zu erwarten, die, wie auch immer, nicht ohne Risiko seien.

Schließlich sprach Dr. Schott noch das Herzkammerflimmern an, eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung. Die könne man als „elektrisches Gewitter“ beschreiben, das mit einem Defibrillator behandelt werden kann. Diese Geräte gibt es in vielen Orten an meist stark frequentierten Standorten, im Werra-Meißner-Kreis zum Beispiel in den Sporthallen, in Innenstädten und in Bahnhöfen.

Eine Miniaturversion kann man implantieren wie den Herzschrittmacher, bis zu drei Kabel führen zum Herzen und ins Herz. Der Defi erkennt und speichert alle Unregelmäßigkeiten, die der Arzt dann behandeln kann. Wenn nötig, gibt der Defi elektrische Impulse ab von der harmlosen, kaum spürbaren Stärke bis zum massiven Schock. Bei massiver Linksherzschwäche mit einer Pumpleistung von weniger als 35 Prozent kann die zusätzliche Belastung durch Rhythmusstörungen durch einen Defi verhindert werden, sogar die Pumpleistung kann sich verbessern.

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