Fahrradhändler im Kreis sehen aber kein erhöhtes Risiko

Elektro-Räder: Unfälle nehmen hessenweit zu

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Immer beliebter: Rund 3,5 Millionen elektrobetriebene Fahrräder gibt es mittlerweile in Deutschland. Jetzt schlagen Unfallforscher Alarm.

Werra-Meißner. Der Markt mit Elektrofahrrädern boomt. Nun aber schlagen Unfallforscher Alarm: Nicht nur der Marktanteil wächst, auch die Unfallzahlen mit Elektrorädern steigen rasant an.

Allein im vergangenen Jahr sind nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes hierzulande 720.000 E-Bikes, Pedelecs und S-Pedelecs verkauft worden – 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Bundesweit gibt es mittlerweile 3,5 Millionen Elektroräder. Jetzt schlagen Unfallforscher Alarm: Mit dem steigenden Marktanteil wachsen auch die Unfallzahlen.

Fahrradhändler aus dem Werra-Meißner-Kreis sehen allerdings kein grundsätzliches Problem. „Wenn die Zahl der verkauften Pedelecs steigt, kann es damit natürlich auch mehr Unfälle geben“, sagt Andreas Nützler, Inhaber des Fahrradhauses Mangold und seit 28 Jahren im Geschäft. Dennoch wisse er nur von drei schwereren Unfällen, seitdem er die Elektrofahrräder seit gut 20 Jahren verkauft. 

Auch sein Eschweger Kollege Oliver Münzing vom Zweiradhaus Ebert habe nicht mehr Unfälle registriert, wenngleich das Fahren mit den Pedelecs mehr Übung bedürfe als mit einem herkömmlichen Rad. „Aber jeder Käufer bekommt von uns eine Einweisung und eine Erklärung, wie man effizient fährt.“ Sowohl er als auch Nützler berichten, dass die Pedelecs mittlerweile von jeder Altersgruppe nachgefragt werden.

Von Januar bis November 2017 wurden laut bundesweiter Verkehrsstatistik 4987 Unfälle mit Personenschäden und 68 tödliche Pedelec-Unfälle registriert. Allein in Hessen hat sich die Zahl der Pedelec-Unfälle auf 250 Unfälle und damit um 30 erhöht. Ein Fahrer kam laut Verkehrsbericht der Polizei Hessen ums Leben. Für Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, ein Indiz dafür, dass Pedelecs tatsächlich gefährlicher als Fahrräder sind: „Die Unfallzahlen steigen überproportional und nicht angemessen am Verkauf.“ 

Pedelec, E-Bike oder S-Pedelec - Wo ist der Unterschied?

Pedelec, E-Bike oder S-Pedelec: Die Bezeichnungen werden hierzulande oftmals synonym verwendet. Technisch und auch rechtlich gesehen gibt es jedoch gewichtige Unterschiede. So ist ein Pedelec mit einem Motor, der maximal 250 Watt dauerhaft leistet, ausgestattet, und kommt maximal auf eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Eine Kennzeichen- oder Versicherungspflicht gibt es nicht – anders als bei den S-Pedelecs, deren Elektroantrieb bei über 25 km/h liegt und sie somit einem Moped gleichgestellt sind. Auch bei E-Bikes ist ein Kennzeichen Pflicht, ein eigener Pedaldruck ist im Gegensatz zu den Pedelec-Varianten aber nicht nötig; zugeschaltet wird der Elektroantrieb am Lenker.

Von Constanze Wüstefeld und Mona Linke

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