30. Open Flair: So hat damals alles angefangen

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Eschwege. Wenn die sonst so beschauliche Kleinstadt am Fuß der Leuchtberge, in der die Überalterung der Bevölkerung ein wichtiges Thema ist, in der Ruhe und Beschaulichkeit das Tagesgeschehen beherrschen, völlig außer Rand und Band gerät, wenn schon nachmittags Musik zu hören ist, wenn ganz viele junge Menschen in ausgelassener Stimmung durch die Straßen ziehen und am nördlichen Stadtrand eine Zeltstadt entsteht, mit der sich die Bevölkerungszahl verdoppelt, dann ist Open Flair. In diesem Jahr zum dreißigsten Mal.

„Das war das Wochenende, an dem 1985 schlagartig der Sommer zu Ende ging“, erinnert sich Festivalchef und Mitbegründer Alexander Feiertag an das erste Open Flair. Die gesamte Organisation war auf ein Open-Air-Festival rund um Burg Ludwigstein ausgelegt. 1200 vorwiegend junge Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis pilgerten am ersten Septemberwochenende zu der Jugendburg, um an drei Tagen Livemusik und Kleinkunst zu erleben.

Dauerregen und Nachttemperaturen nahe dem Gefrierpunkt zwangen die Veranstalter, das Programm in den viel zu kleinen Meißnersaal zu verlegen. „Es gab keinen Bühneneingang und wir mussten bei jedem Bandwechsel die Technik durch die Zuschauer schleppen“, erinnert sich Feiertag an die Geburtsstunde des Festivals, das in diesem Jahr zum 30. Mal stattfindet und längst zu den attraktivsten in Deutschland zählt. Trotz des damals geringen Etats von lediglich 30 000 Euro spielten 1985 so bekannte Künstler wie Flatsch, Schröders Roadshow und Louisiana Red.

150 Jugendliche aus dem ganzen Werra-Meißner-Kreis teilten sich die organisatorische Arbeit. Der Jugendclub aus Hessisch Lichtenau übernahm den Thekendienst, die Jugendlichen aus Aue waren als Ordner eingesetzt. Die Strukturen haben sich in den vergangenen 29 Jahren gründlich verändert. Aber obwohl Bühnenbau und Technik weitgehend von Profis erledigt werden, helfen noch immer einige hundert Open-Flair-Fans ehrenamtlich. Der Etat ist auf rund zwei Millionen Euro gewachsen. An jedem der jetzt fünf Festivaltage strömen bis zu zwanzigtausend Fans auf das Werdchen in Eschwege, wohin das Open Flair bereits in seinem zweiten Jahr umgezogen ist. Hinzugekommen sind die Seebühne am Werratalsee und das Nachtschicht-Gelände am Nordufer des Werratalsees. Die Kleinkunst ist vor einigen Jahren in den Schlosspark umgezogen. Programm gibt es auch im E-Werk. Wirtschaftlich ist die Veranstaltung längst ein Erfolg. Und davon profitieren auch und vor allem Handel, Dienstleistung und Gastronomie in der Kreisstadt. Das war nicht immer so. Im Jahr 2000 fehlten 60 000 Euro. Das Festival stand vor dem Aus. Die Stadt und der Kreis sprangen mit Zuschüssen ein und die Sparkasse mit einem Kredit.

30. Open Flair: Eine Zeitreise in Bildern

„Wir haben den Schalter umgelegt“, beschreibt Feiertag die Kommerzialisierung als „einen zunächst schmerzhaften, aber absolut richtigen Schritt“. Die Namen der Bands wurden bekannter, das Festival insgesamt populärer. Der wachsende Run auf die Tickets führte dazu, dass die ersten eintausend Tickets zu Sonderkonditionen bereits wenige Minuten nach Eröffnung des Vorverkaufs weg sind. Seit einigen Jahren ist das Festival schon Wochen vor Beginn restlos ausverkauft und längst noch nicht am Ende. „Wichtig ist, dass wir uns immer weiterentwickeln“, sagt Alexander Feiertag. Dabei müssten die Stärken genutzt werden. Und zu diesen Stärken gehört die Nähe zum Werratalsee - Grund genug, das Areal mit Seebühne und Nachtschichtbereich am Nordufer einzubeziehen.

Von Harald Sagawe

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