Beethovens einziges Streichquartett

Endlich wieder Beethoven: Quintett Accompagnato in Neustädter Kirche

Der gotische Bau der Neustädter Kirche in Eschwege ist ein idealer Konzertort.  
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Der gotische Bau der Neustädter Kirche in Eschwege ist ein idealer Konzertort. ARCHIV

Stell dir vor, es ist Beethoven-Jahr und alle Konzerte fallen aus. Nein! In der Neustädter Kirche in Eschwege war nun das Quintett Accompagnato aus Kassel zu Gast und spielte Beethovens einziges Streichquartett.

Eschwege – In der gotischen Kirche gab es viel Platz, um mit Maske Abstand zu halten, und so trauten sich wieder einige Musikliebhaber, den schönen Klängen live beizuwohnen, und wurden belohnt vom konzentrierten Spiel der Formation. Auf diese Weise konnte der 250. Geburtstag des Komponisten in Eschwege doch noch gefeiert werden.

Die Musiker begannen mit einem zarten Impromptu für Streichorchester, allerdings von Sibelius, dessen Töne langsam und dräuend anschwollen. Schließlich folgte das Streichquintett op. 29 von Ludwig van Beethoven, ein Stück, das er 1801 geschrieben und dem Wiener Kunstsammler und Musikmäzen Moritz Graf von Fries gewidmet hatte.

„Seinen Ursprung hat das Werk nicht in einer höheren, den Bau wie ein Gottesbefehl hervorrufenden Idee, sondern in der allgemeinen künstlerischen Lust am Schaffen“, soll ein zeitgenössischer Rezensent darüber geschrieben haben.

Heißt übersetzt so viel wie: Auch damals haben sich Musiker an ihrem Publikum orientiert, denn sie mussten ja von etwas leben. Den Streichquintetten sei Beethoven aber allgemein eher nicht zugetan gewesen, urteilten die Kenner im beiliegenden Programmheft, allerdings habe der frühe Beethoven mit diesem Werk die Romantiker sehr beeinflusst. Und so stellten sich beim Hören tatsächlich die entsprechenden Bilder im Kopf des Lauschenden ein.

Im Allegro drang die Melodie der Geige aus dem Hintergrund nach vorn, gleichsam einer Ringelnatter, die sich elegant und leise durch das Dickicht des tief schrummelnden Kontrabasses windet, um sich anschließend auf der Wiese im warmen Sonnenschein zu sonnen. Triolen wirbelten auf wie Laub im Wind und setzten hier und da kleine Ausrufezeichen.

Dann das Adagio, das zeigte, dass schon der Anflug von Herbst über dieser Wiese lag und sich die Sonne immer wieder gegen den Nebel durchsetzen musste. Bei fünf Musikern war jede einzelne Stimme, jeder einzelne Ton in der guten Akustik des großen Klangraumes deutlich zu hören, ihr Spiel wirkte dadurch fast intim.

Mit dem Scherzo kam schließlich viel und große Bewegung in die Komposition, die im Presto geradezu hektisch endete. Und ebendiese furiosen Höhepunkte zeichnen Beethovens Kompositionen aus.

Nun durften die fünf noch einmal geigen, was die Saiten hergaben. Dann trat die Violinistin ans Mikrofon und sagte: „Und zur Beruhigung gibt es jetzt noch ein Andante.“ Das rundum gelungene Klangerlebnis wurde mit viel Applaus vom Publikum belohnt, das anschließend entspannt und inspiriert den Heimweg antrat. (Von Kristin Weber)

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