Energiewende braucht Innovation: Alternativen zur Südlink-Stromtrasse

Werra-Meißner - Die geplante Stromtrasse als Rückgrat der Energiewende: Das ist nicht zu Ende gedacht, bemängeln heimische Bürgerinitiativen. Moderne Technologien machten Südlink vielmehr überflüssig.

„Die Grundidee der Energiewende“, sagen namhafte Wissenschaftler, „wird durch die aktuellen Planungen zerstört.“ Einig zeigen sich etwa der emeritierte Professor für Wirtschaftswissenschaften Lorenz Jarass, Wirtschaftswissenschaftler Christian von Hirschhausen (Berlin) und die Beraterin der Bundesregierung, Professor Claudia Kemfert, in ihrer Einschätzung der insgesamt drei in Deutschland geplanten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) Ost-, West- und Südlink als „sinnlos“.

Diese These stützt die Position der Mitglieder der örtlichen Bürgerinitiative, die bemängeln, dass der durchdachte rote Faden in den bisherigen Planungen der Energiewende in Deutschland und auch in Europa völlig fehle. „Unser Anliegen“, bekräftigt Oliver Radel aus Herleshausen-Archfeld, „ist eine sinnvolle dezentrale Energiewende für die Bürger und Kinder unseres Landes.“ Die zehn Jahre alte Entscheidung, eine gigantische Trasse quer durch die Bundesrepublik zu bauen, könne inzwischen durch einen sinnvollen Mix neuer Energiekonzepte ersetzt werden.

Experten, so das Ansinnen der Bürgerinitiative, könnten die Bundesregierung beraten, wie sich auch große Konzerne an der Energiewende beteiligen könnten – „anstatt sie größtenteils durch die privaten Haushalte bezahlen zu lassen“. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, um Deutschland in eine saubere Zukunft zu führen.

Ein Gedankenspiel: Die zweistellige Milliardensumme, die der Südlink kosten soll, wird in eine dezentrale Energiewende gesteckt. Dann, so die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI), gibt es „sinnvolle Alternativen“ zu der Stromtrasse:

Power-to-Gas oder Power-to-Wasserstoff. Empfohlen werde diese Technologie sogar vom Welt-Energierat. Wasserstoff gilt als einer der Energieträger der Zukunft, da er im Gegensatz zu fossilen Stoffen bei Verbrennungen keine schädlichen Emissionen verursacht und aus erneuerbaren Energien gewonnen werden kann. „Warum verschenkt Deutschland in diesem Bereich eine mögliche Wertschöpfung an das Ausland – und läuft Innovationen mal wieder hinterher?“, fragen die Bürger mit Initiative.

Bio-Brennöfen und flexible Biogasanlagen mit Gaszwischenspeichern: Energie aus Biomasse, insbesondere Biogas und Biomethan, biete den Vorteil, unabhängig von Witterungseinflüssen flexibel „verstromt“ werden zu können. Gebraucht werde außerdem der von öffentlicher Hand geförderte und geplante Ausbau der Gridtechnologie, und die Sektorkopplung könnte ebenfalls als Alternative erörtert werden.

Stromspeicher seien laut BI unausweichlich, um die windstillen Nächte in Deutschland ohne Strom zu überbrücken. Eine Milliarde Euro zur Nachregelung der Kraftwerke könnten so eingespart werden. „Sogenannter Flatterstrom aus Solaranlagen und Windkraftanlagen ist ohne Speicher verständlicherweise nur schwer regelbar“, erklärt Sprecher Oliver Radel. Batteriespeicherwerke aber sind bereits seit dem Jahr 2005 in Japan im Einsatz. Batterietechnik nach dem Redox-Flow-Prinzip mit tubulärem Gehäuse (Vorteil: geringer Platzbedarf bei höherer Energiedichte) steht als Forschungsprojekt in den Startlöchern.

„Eine Verstärkung der offenherzigen Forschung bei neuer Energie wäre wünschenswert und sollte an einem Expertentisch diskutiert werden“, fordern die Mitglieder der Bürgerinitiative. Es sei die Erforschung solcher modernen Technologien, die beschleunigt werden sollte – und nicht der überdimensionierte Netzausbau.

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