Erika und Werner Mißler schließen den Archfelder Wursthof nach 22 Jahren

Treue Kunden: Die Eheleute Muschter reisten extra aus Berka/Werra (Thüringen) an, um Erika (links) und Werner Mißler (rechts) persönlich zu verabschieden. Foto: Melanie Faber

Nach 22 Jahren schließen Erika und Werner Mißler ihren Archfelder Wursthof. Das Alter und zunehmende Auflagen nennen sie als Grund dafür.

22 Jahre lang hat das Ehepaar Mißler dafür gelebt, seine Kunden glücklich zu machen. Beste Fleischqualität, echtes Handwerk – und vor allem eine riesengroße Menge Herz und Leidenschaft für den eigenen Betrieb machten ihren Archfelder Wursthof zur ersten Anlaufstelle für Genießer, für Herleshäuser und für Kunden aus der Thüringer Umgegend.

Nun, nach mehr als zwei Jahrzehnten, ist eine Ära zu Ende gegangen: Die Mißlers hören auf. Mit dem fortschreitenden Alter begründet Metzgermeister Werner Mißler den schmerzlichen Schritt – und mit steigenden EU-Auflagen. „Familiengeführten Betrieben wird mit immer strengeren Regularien das Leben schwer, ja die Arbeit schier unmöglich gemacht“, sagt der 65-Jährige.

In immer kürzeren Abständen neu gefordertes Gerät wie Betäubungszangen mit Chip, dazu undurchsichtige Kontrollsysteme – das passte nicht mehr zur Philosophie des Metzgermeisters Werner Mißler, bei dem der erlernte Beruf, sein Handwerk Zentrum seines Tuns ist.

Geschlachtet wurde für die berühmte Archfelder Ahle und die Kesselwurst, den Schinken und die Frischware wie etwa Bratwürstchen und Gehacktes ausschließlich selbst. „Nur so bekamen wir die beste Qualität, die wir unseren Kunden anbieten wollten“, sagt Erika Mißler. Die Schweine, in Hochzeiten bis zu 120 Tiere, zog die Familie selbst artgerecht bis zur vollen Schlachtreife auf.

Hand in Hand funktionierten über all die Jahre Familienleben und Betrieb – neben Werner und Erika waren die Kinder Melanie, Stefanie und Mario Mißler samt ihren Familien immer zur Stelle. „In bester Erinnerung bleiben mir unsere Hoffeste“, sagt Erika Mißler. Hier packte jeder mit an – Verwandte, Freunde, die Jugendlichen des Second Home Herleshausen – ,um die legendären Archfelder Feierlichkeiten mit Ausstellern und buntem Programm für die Gäste unvergesslich zu machen.

Tränen flossen nun reichlich in den Wochen seit Anfang Dezember: bei dem Ehepaar Mißler, aber ganz besonders auch bei den treuen Stammkunden. Die kamen sämtlich, um die Mißlers, in 22 Jahren zu Freunden geworden, zu verabschieden. „Wir sind restlos ausverkauft“, sagt Werner Mißler mit einem Lächeln – einige wenige Würste für das Weihnachtsfest mit der eigenen Familie aber hat er sich zurückbehalten.

Nach dem Fest gilt es nun, herunterzufahren – den Einschnitt zu verarbeiten und nach vorn zu blicken auf den neuen Lebensabschnitt. „Viel Zeit mit der Familie, unter anderem mit den vier Enkelkindern“ wollen sie verbringen, sagt Erika Mißler. Und Reisen unternehmen – eben all das, wofür in den vergangenen 22 Jahren wenig Zeit blieb.

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