Erinnerung an Juden

Gymnasiasten gedenken verschleppter Lehrer und Mitschüler durch die Nazis

Eschwege. Der Gedenkstein am Eingang der Friedrich-Wilhelm-Schule erinnert an jüdische Schüler und Lehrer, die an dem Eschweger Gymnasium unterrichtet wurden beziehungsweise unterrichtet haben und während der Nazi-Diktatur in die Konzentrationslager verschleppt wurden.

Vorgestellt wurde das Denkmal am Freitag – dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 72 Jahren. Seit 1996 ist der 27. Januar bundesweiter Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.

Gedenkstein: Am Eingang der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege erinnert seit gestern ein Denkmal an die Verschleppung jüdischer Schüler und Lehrer. Die Gymnasiasten zünden Teelichter an und stellen die Kerzen auf den Stufen der Eingangstreppe ab. Fotos: Sagawe

Alle Lehrer und Schüler des Gymnasiums zündeten Teelichter an und stellten die Kerzen auf den Stufen der Eingangstreppe ab. Zuvor war das Thema im Unterricht vorbereitet worden. „Wir haben unseren Schülern über die Ereignisse in den Jahren nach der nationalsozialistischen Machtergreifung berichtet“, erklärt Schulleiter Dr. Hans-Joachim Vock. An der Friedrich-Wilhelm-Schule habe es seit ihrer Gründung im Jahre 1840 immer jüdische Schüler gegeben. In den ersten 50 Jahren der Schulgeschichte habe ihr Anteil bei über 16 Prozent gelegen und sei damit viermal so hoch gewesen wie der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung in Eschwege. Noch im Jahr 1933 lag er bei ungefähr zehn Prozent.

Dr. Vock berichtet, dass der Gedenkstein vom im vergangenen Jahr verstorbenen Kunstlehrer Volker Bachmann entworfen wurde. Der Steinblock besteht aus heimischem Basalt, wie er an der Blauen Kuppe und auf dem Meißner zu finden ist. Bachmann habe dies als Material gewählt, weil es wie die jüdischen Menschen Eschweges aus der Region stammt. Ein herausgetrennter Keil symbolisiert die Lücke, die entstanden ist durch die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Mitbürger.

Der Stein wurde nach Angaben Dr. Vocks ebenso wie alle handwerklichen Arbeiten daran von der Eschweger Firma Gerloff als Geschenk zum 175-jährigen Bestehen der Friedrich-Wilhelm-Schule im Jahr 2015 gestiftet.

Von Harald Sagawe

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