Erpresst, entführt, ermordet: Verein Reporter ohne Grenzen zieht Jahresbilanz der Pressefreiheit

Keine Freiheit ohne Pressefreiheit: Das Team von Reporter ohne Grenzen mit Geschäftsführer Christian Mihr (Zweiter von rechts) protestiert vor der türkischen Botschaft in Berlin im November 2016. Foto: Rusch/nh

Werra-Meißner. Er setzt sich für die Pressefreiheit und gegen Zensur ein: Der aus Eschwege stammende Christian Mihr, Geschäftsführer des Vereins Reporter ohne Grenzen, engagiert sich seit mehreren Jahren für bedrohte Journalistenkollegen auf der ganzen Welt. In der Jahresbilanz dokumentiert der Verein seit 1995 die Zahlen der schwersten Übergriffe auf Medienbeschäftigte.

Hier einige Ergebnisse daraus:

2 verschwundene Reporter verzeichnet der Verein 2017. Seit dem 7. Januar wird der Blogger Samar Abbas in Pakistan vermisst. Auch von Reporter Utpal Das aus Bangladesch fehlt seit dem 10. Oktober jede Spur.

12 Reporter wurden im Jahr 2017 in Syrien ermordet. Damit gilt Syrien seit 2012 als gefährlichstes Land für Journalisten. Die Reporter sind dort vielen Gefahren, wie beispielsweise Raketenangriffen, Sprengfallen oder Selbstmordattentaten ausgesetzt.

54 Medien-Mitarbeiter gelten derzeit als entführt. Neben einer Frau sind es ausschließlich Männer. Sie werden von nicht staatlichen Akteuren bedroht und festgehalten, um eine Regierung, Gruppe oder Organisation zu bestimmten Handlungen zu zwingen. Entführungen können politische oder wirtschaftliche Motive haben und sind auf die fünf Länder Syrien, Jemen, Irak und Ukraine konzentriert.

65 Mitarbeiter von Medien, zehn Frauen und 55 Männer, wurden im Jahr 2017 in Zusammenhang mit ihrer journalistischen Tätigkeit getötet. Darunter befanden sich sieben Bürgerjournalisten, acht Medienmitarbeiter und 50 professionelle Journalisten. Im Vergleich zum vorherigen Jahr ist die Zahl der Getöteten um 18 Prozent gesunken und erreicht somit die Geringste seit 14 Jahren.

326 Menschen wurden 2017 wegen ihrer journalistischen Arbeit inhaftiert – 310 Männer und 16 Frauen. Die meisten von ihnen sind in China, Türkei, Syrien, Iran und Vietnam in Haft. In China werden Journalisten und Blogger verfolgt. Kritiker werden dort mittlerweile nicht mehr zur Todesstrafe verurteilt, sondern so lange gefangen gehalten, bis sich der Gesundheitsstand der Personen rapide verschlechtert und sie in Gefangenschaft sterben.

Zur Person

Christian Mihr (41) wurde in Kassel geboren und ist in Eschwege aufgewachsen. Nach seinem Abitur hat er zwei Jahre lang als freier Mitarbeiter für die Werra-Rundschau gearbeitet und dann Journalistik sowie Lateinamerikanistik in Eichstätt und Santiago de Chile studiert. Seit dem Jahr 2012 ist Mihr Geschäftsführer des Vereins Reporter ohne Grenzen in Berlin. Dieser ist Teil der 1985 gegründeten internationalen Organisation Reporters sans frontières mit Hauptsitz in Paris.

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