„Es geht nur gemeinsam"

Interview: Mountainbiker über Konflikte mit Wanderern und Wünsche für den Sport

Ein Mountainbiker fährt mit seinem Fahrrad Treppenstufen hinab.
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Karl Montag in seinem Element: Der Mountainbiker aus Schwebda wünscht sich gemeinsam mit Steffen Schmidt aus Bad Sooden-Allendorf, dass im Werra-Meißner-Kreis mehr für den Radsport abseits der geteerten Wege getan wird.

Karl Montag und Steffen Schmidt sind mit ihren Mountainbikes regelmäßig im Kreis unterwegs. Wir sprachen mit ihnen über Konflikte mit Wanderern und Wünsche für den Sport.

Aufgrund negativer Reaktionen in den sozialen Netzwerken auf ein Interview mit Marco Lenarduzzi, dem Geschäftsführer des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land, über Konflikte zwischen Mountainbikern und Wanderern, traten sie an unsere Zeitung heran. Wir sprachen mit den Radfahr-Enthusiasten aus Schwebda und Bad Sooden-Allendorf über Konfliktsituationen, das Angebot für Mountainbiker im Landkreis und ihre Wünsche.

Haben Sie schon Konfliktsituationen mit Wanderern im Kreis erlebt?

Montag: So, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder hinaus. Wenn man bremst und sich grüßt, gibt es diese Konflikte nicht. Das größere Probleme sehe ich, wenn Stöcke und Bäume bewusst auf Wege gelegt werden. Oder wie jüngst am Eschweger Leuchtberg geschehen, wenn Seile gespannt werden, die die Mountainbiker bewusst zum Absteigen zwingen sollen beziehungsweise in Kauf genommen wird, dass sich die Fahrer durch die Stöcke verletzen.

Karl Montag

Schmidt: Mir fällt die Strecke zwischen der Silberklippe bei Meinhard-Neuerode und der Pfaffschwender Höhe ein: Die ist bei Mountainbikern genauso beliebt wie bei Wanderern und schmal. Dort sieht man bereits auf Distanz, ob der Entgegenkommende dem Radfahrer wohlgesinnt ist oder nicht. Generell kann ich diese Konfliktsituationen aber noch an einer Hand abzählen.

Im Kreis setzt man stark auf Wandern und Radfahren auf ebenen Strecken – beispielsweise entlang der Werra. Könnte mehr getan werden?

Montag: Wir haben mittlerweile 15 Millionen Mountainbiker in Deutschland – Tendenz steigend. Diese Zahl kann man nicht mehr wegdiskutieren. Auch diese Menschen haben eine Berechtigung, im Wald Fahrrad zu fahren. Genau jetzt müsste man den Startpunkt setzen und sich breiter aufstellen – eben auch mit Mountainbiking. Dazu zählen sogenannte legale Trails – Radwege im Wald – die auch den Tourismus weiter beleben könnten.

Machen das denn andere Regionen besser?

Montag: Willingen und Winterberg im Sauerland haben Bikeparks mit Liften. Auch im Harz gibt es sechs bis sieben solcher Anlagen. Schmidt: Durch die wärmeren Winter brechen diesen Regionen die Einnahmen weg und sie haben gemerkt, dass auch mit den Radsportlern und der bereits vorhandenen Infrastruktur Geld zu verdienen ist.

Steffen Schmidt

Was wäre denn für die Mountainbiker im Kreis wünschenswert?

Montag: Ein Konzept für unsere Region wären keine Bikeparks, sondern ein Trailcenter, das hier entstehen könnte. Das könnte man zum Beispiel mit dem Wegenetz der Premiumwanderwege verbinden. Mountainbiker und Wanderer geraten auf dem gleichen Weg den Berg hinauf und an schwierigen und gefährlichen Stellen getrennt voneinander wieder bergab.

Schmidt: Es werden auch immer die Radfahr-Strecken bei Großalmerode genannt. Dort findet seit Jahren der Bilstein-Bikemarathon statt und im Zuge dessen wurden die dort genutzten Wege als offizielle Wege ausgezeichnet. Für das bewusste Mountainbiking ist das aber zu wenig. Es fährt niemand aus Willingen, Kassel oder Götingen zu uns, weil hier die Wege so klasse sind. Eisenach ist ein gutes Beispiel, dort haben Mountainbiker eine wesentlich stärkere Lobby. Die Routen sind dort bewusst für beide, Wanderer und Biker, ausgeschrieben.

Haben Sie eine Idee, wie die Mountainbiker im Werra-Meißner-Kreis selbst etwas an der Situation ändern könnten?

Montag: Man müsste einen runden Tisch der Interessenten bilden. Mit Förstern, Jägern, Waldbesitzern, Politikern und Mountainbikern. Das Problem ist, wir Radsportler sind im Werra-Meißner-Kreis nicht wirklich organisiert. Das Aufstellen eines Vereines ist eine Menge Arbeit, die wir in Kauf nehmen würden, wenn auch Bereitschaft dazu signalisiert würde, mehr für das Mountainbiking zu tun.

Schmidt: Die vorhandenen Wege und Netze sollten bewusst nicht als reine Wanderwege gekennzeichnet werden, sondern für beide Parteien. Dass eben genauso Wanderer wie Biker diese nutzen dürfen – selbstverständlicher unter gegenseitiger Rücksichtnahme.

Also würden sich auch Ehrenamtliche finden, die spezielle Mountainbike-Wege anlegen würden?

Montag: Für einfache Mountainbike-Trails benötigt es eigentlich nur Werkzeug, das jeder zu Hause hat. Auch Ehrenamtler mit einem Interesse dürfte es genügend geben. Außerdem würde auch kein Fremdmaterial in den Wald eingebracht, kein einziger Baum müsste dafür gefällt werden. Solche Wege sollen sich bewusst durch den Wald schmiegen. Natürlich alles unter Absprache mit den Besitzern. Von offiziellen Trails profitiert auch die Sicherheit, weil Rettungspunkte vorhanden wären. Und solche Wege lassen sich auch so anlegen, dass Anfänger und Fortgeschrittene sie gleichermaßnen nutzen könnten. Wäre es nicht schön, wenn es hier ein breites Angebot für Mountainbiker aus der Region geben würde, sodass man nicht in andere Regionen fahren müsste?

Steffen Schmidt ist häufiger mit seinem Rad unterwegs.

Schmidt: Man müsste einen Raum bekommen, in dem man mit Absprache etwas für Biker anlegen darf. Wir haben durch den Geo-Naturpark schon eine tolle Infrastruktur. Aber es geht nur gemeinsam. Sowohl Wanderer als auch Biker wollen die Natur genießen und Spaß daran haben.

Zu den Personen

Steffen Schmidt (32) lebt mit seiner Verlobten in Bad Sooden-Allendorf. Der gelernte Elektrotechnikmeister und Betriebswirt fährt seit Kindesbeinen Fahrrad. Seit 2018 organisiert Schmidt zum Tag der Deutschen Einheit die Tour „Mountainbiker kennen keine Grenzen“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze im Werra-Meißner-Kreis. Eine seiner liebsten Strecken in der Region ist die zur Teufelskanzel oberhalb von Lindewerra bei Bad Sooden-Allendorf. Touren führen ihn aber auch regelmäßig ins Ausland, zuletzt war er in Marokko und Italien.

Karl Montag (32) ist Angestellter im öffentlichen Dienst. Er lebt mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern im Meinharder Ortsteil Schwebda. Dem Mountainbiking geht er seit sieben Jahre nach. Er ist am liebsten in den heimischen Wäldern des Kreises unterwegs. Sowohl Schmidt als auch Montag fahren rund zwei- bis dreimal in der Woche größere Touren.

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