„Es heißt, wir gegen die anderen“

Eschwege: taz-Redakteur Sebastian Erb sprach über Recherche gegen rechtes Netzwerk „Hannibal“

Ein ehemaliger deutscher Elitesoldat soll im Fokus der Recherchen zum rechten Netzwerk „Hannibal“ innerhalb der Bundeswehr stehen. Das Bild zeigt Soldaten der Eliteeinheit Kommando bei einem Trainingseinsatz.
+
Ein ehemaliger deutscher Elitesoldat soll im Fokus der Recherchen zum rechten Netzwerk „Hannibal“ innerhalb der Bundeswehr stehen. Das Bild zeigt Soldaten der Eliteeinheit Kommando bei einem Trainingseinsatz.

Sie bereiten sich auf den Tag X vor, horten Lebensmittel ebenso wie Waffen. Ein Redakteur der „taz“ sprach in Eschwege über seine Recherchen gegen ein rechtes Netzwerk.

Eschwege - Sie bereiten sich auf den Tag X vor, horten Lebensmittel ebenso wie Waffen. Sie stellen Feindeslisten zusammen und vernetzen sich im Internet bei Facebook, Instagram und außerdem in Chat-Gruppen wie bei Telegram. Die Mitglieder sind hauptsächlich Männer, militärisch ausgebildet und arbeiten überwiegend in Behörden, bei Polizei und Bundeswehr.

Nicht selten kommen sie aus Spezialeinheiten. Über das, was sich wie ein dystopischer Roman anhört, aber in Deutschland Realität ist, referierte Sebastian Erb am Donnerstagabend in Eschwege.

Im Fokus steht ein deutscher Elitesoldat

Gefolgt war der „taz“-Redakteur einer Einladung von „Bunt statt braun“, dem Aktionsbündnis gegen Rechtsextremismus im Werra-Meißner-Kreis. Im kleinem Rahmen berichtete der Investigativjournalist unter dem Titel „Hannibal: Bundeswehr, rechtes Schattennetzwerk und Vorbereitung auf den Tag X“ über die Arbeit des taz-Rechercheteams im Fall Hannibal und stellte die Ergebnisse, die seit 2017 gesammelt werden konnten, vor.

Im Fokus der Recherchen stehe ein ehemaliger deutscher Elitesoldat. Der nenne sich selbst Hannibal. Laut Erb ist er Strippenzieher in einem Netzwerk von sogenannten Preppern. Also von Menschen, die sich auf eine Katastrophe vorbereiten, indem sie sich einen Vorrat anlegen und Schutzvorrichtungen vorbereiten.

Klare Gewaltbereitschaft innerhalb des Netzwerkes

Dabei ist das im Fall Hannibal keine Spinnerei und auch nicht harmlos, so Erb. Denn innerhalb des Netzwerks sei eine klare Gewaltbereitschaft zu erkennen. Sowohl gegen Migranten als auch gegen diejenigen, die nicht Teil des Netzwerkes sind. Das beträfe auch Polizei- und Bundeswehrkollegen. „Es heißt immer, wir gegen die anderen“, erklärt Erb. Erschreckend sei, dass die zuständigen deutschen Behörden kein klares Bild schaffen könnten, so der Journalist.

Der Journalist Sebastian Erb.

In der Vergangenheit seien Waffenfunde bei Razzien und Verbindungen zu Behörden, die auch durch die taz-Recherche aufgedeckt worden seien, immer wieder heruntergespielt worden, etwa vom ehemaligen Präsidenten des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), Christof Gramm. Der sprach im Bundestag einst davon, dass es zwar Vernetzungen gebe, aber kein Netzwerk. Die Videoaufnahme war Teil der Präsentation. Inzwischen wurde Gramm in den Ruhestand geschickt.

Auch Unternehmen waren betroffen

„Natürlich dürfen Geheimdienste auch nicht immer über den Ermittlungsstand reden“, ergänzt Erb. Doch das Problem sei auch viel größer. Denn Mitglieder des Hannibal-Netzwerkes kämen auch aus den Reihen der Ermittlungsbehörden. Niemand wolle der Nestbeschmutzer sein, so Erb.

Das mache auch die Arbeit des Recherche-Teams so wichtig. Doch nicht nur der Staatsapparat sei betroffen. Auch für Unternehmen wie Sixt und RWE habe es Folgen gehabt. So habe Sixt seine komplette Sicherheitsabteilung entlassen, berichtet Erb. (Hanna Maiterth)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare