Gefahrenabwehrzentrum

Am bundesweiten Warntag fehlte die Sirene - das ist der Grund

Ein Mann steht an einem Tisch mit einer Reihe Computerbildschirme und hat ein Headset auf.
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Im Ernstfall wird auch die Informations- und Kommunikationszentrale als Unterstützung des Krisenstabs besetzt, in der zum Beispiel Anrufe über die 112 einlaufen, erklärt Thomas Eisenträger, stellvertretender Kreisbrandinspektor.

Die Sirene war nicht zu hören. Doch im Ernstfall gibt es Alternativen. Das passiert im Fall einer Katastrophe im Gefahrenabwehrzentrum.

Werra Meißner – Der erste bundesweite Warntag hat am Donnerstag stattgefunden. Normalerweise hätten im gesamten Werra-Meißner-Kreis die Sirenen ertönen müssen. Doch in diesem Jahr gab es nur eine Warnung über die Warn- und Informations-Apps „Katwarn“ und „Hessenwarn“.

Ein auf- und abschwellender Heulton, der eine Minute lang ertönt: So sollte sich die Sirene anhören. Doch im Werra-Meißner-Kreis, wie auch an vielen anderen Orten, ist das Sirenensignal noch nicht einsatzbereit.

Wir stellen von analog auf digital um.

Thomas Eisenträger, stellvertretender Kreisbrandinspektor Werra-Meißner-Kreis

Der Grund liegt in der Technik: „Wir stellen von analog auf digital um“, erklärt Thomas Eisenträger, Sachbearbeiter Zivilschutz, Katastrophenschutz und Digital beim Werra-Meißner-Kreis sowie stellvertretender Kreisbrandinspektor. Doch im Ernstfall müsse sich niemand Sorgen machen, schließlich gäbe es noch genug andere einsatzbereite Sirenen im Kreis, sagt Eisenträger.

Außerdem sei für jeden Krisenfall vorgesorgt. „Ob Hochwasser oder Atomunfall, es gibt vorbereitete Pläne mit Notfallmaßnahmen.“ In den Probealarm sind drei Ebenen eingebunden: Bund, Länder und Kommunen.

Das Bundesamt

Auf der Ebene des Bundes liegt die Zuständigkeit des Warntags beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Beschäftigt sind dort laut Presse- und Informationsamt der Bundesregierung 360 Personen. Das Amt liefere zum Beispiel Sanitäts- und Feuerwehrfahrzeuge.

Das Innenministerium

Auf Landesebene ist das Innenministerium für den Warntag, aber auch im Katastrophenfall, zuständig. In Wiesbaden werde dann ein Lagezentrum eingerichtet, aus dem Anweisungen kommen könnten, erklärt Eisenträger.

Die Kommunen

Auf Ebene der Kommunen sind die Katastrophenschutzbehörden verantwortlich. Im Werra-Meißner-Kreis sitzt die im Gefahrenabwehrzentrum in Eschwege. „Hier würde sich auch der Katastrophenstab einfinden“, sagt Eisenträger – aufgeteilt in Verwaltungsstab und taktisch operativem Stab.

Denis Lange (40) ist fester Mitarbeiter in der Leitstelle der Gefahrenabwehr in Eschwege. Wenn es zur Katastrophe kommt, dann kann auch er den Kollegen aus dem Katastrophenstab helfen.

„Aus diesen Räumen werden dann auch die Einsätze in den Städten und Gemeinden im Werra-Meißner-Kreis koordiniert.“ Das betreffe sowohl das eingesetzte Personal als auch das Material.

Der Verwaltungsstab setze sich aus dem Landrat und den Fachbereichsleitern des Kreises zusammen. Sie seien unter anderem für das Geld zuständig. Im operativ taktischen Stab befänden sich Ehrenamtliche – zum Beispiel von der Feuerwehr, die bereits vorbereitend vom Kreis berufen wurden. „Wir sprechen geeignete Personen direkt an und die wissen dann, dass sie benachrichtigt werden, wenn was passiert.“

Bei Hochwasser würde sich der operativ taktische Stab etwa um die Verteilung von Sandsäcken kümmern, erklärt Eisenträger. Sie überlegen dann, wie viel Sand und wie viele Lkws gebraucht werden und wohin sie den Sand liefern müssen. Sechs bis neun Personen sind im Ernstfall dafür zuständig. „Das sind die Stabsfunktionen“, sagt Eisenträger.

An dieser Stelle fallen aber nicht nur die Koordination von Material und Personal an, sondern auch die Weitergabe von Informationen an den Verwaltungsstab. So trage eine Person die Informationen zusammen und arbeite sie auf.

Vom Verwaltungsstab wiederum werde die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit aus geleitet. Hier werden dann die Bevölkerung und die Presse informiert.

Hier kommt der operativ taktische Stab des Katastrophenschutzes zusammen. Der besteht aus Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der verschiedenen Fachbereiche des Kreises.

Im operativ taktischen Stab befinden sich außerdem Fachbereichsleiter unter anderem aus den Bereichen Bergung, Betreuungsdienst, Sanitätsdienst und Brandschutz sowie Hilfspersonal. „Welche Fachbereichsleiter im Stab sitzen, hängt davon ab, was passiert ist“, erklärt Eisenträger.

Das beeinflusse auch, wie groß der Krisenstab insgesamt pro Schicht sei. Ab 15 bis 20 Personen ginge es los. „Es kann natürlich sein, dass es nicht erforderlich ist, dass der Stab 24 Stunden besetzt ist, dann arbeiten wir auch nur in einer Schicht.“

So was wächst an und entwickelt sich dann.

Thomas Eisenträger

Wichtig ist Eisenträger zudem, dass es in der Regel nicht von einem Moment zum anderen zur Katastrophe käme. „So was wächst an und entwickelt sich dann.“ Als Beispiel führt er den Fall von Hochwasser an. „Es kann sein, dass in Wanfried die Feuerwehr schon Sandsäcke stapelt, während es in Eschwege noch keine Probleme gibt.“

Hier kommt der operativ taktische Stab des Katastrophenschutzes zusammen. Der besteht aus Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der verschiedenen Fachbereiche des Kreises.

Gestern am bundesweiten Warntag blieb es zumindest ruhig. Lediglich Anrufer, die sich nach der Sirene erkundet hatten, gab es, so Eisenträger. In Zukunft soll der bundesweite Warntag an jedem zweiten Donnerstag im September stattfinden. 2021 ertönt dann vielleicht auch im Kreis die Sirene. (Von Hanna Maiterth)

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