Bürgermeister Alexander Heppe und Polizeihauptkommissar Markus Peters

Interview zur Sperrstunde beim Johannisfest Eschwege: „Der friedliche Charakter drohte zu kippen“ 

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Eschwege. Erstmals gilt in diesem Jahr beim Johannisfest eine Sperrstunde. Bürgermeister Alexander Heppe und Polizeihauptkommissar Markus Peters erklären im Interview, warum.

Herr Heppe, warum legt die Stadt beim Johannisfest eine Sperrstunde fest?

Alexander Heppe: Aus zwei Gründen: Erstens, weil die Polizei seit Jahren darum bittet, und zweitens, um das Fest in seinem Bestand zu sichern.

Ist das Johannisfest in Gefahr?

Bürgermeister Alexander Heppe

Heppe: Die Zahl der Beschwerden ist gestiegen. Wenn tatsächlich jemand ein Gericht anruft, können wir dann darauf hinweisen, dass wir die unterschiedlichen Interessen gegeneinander abgewogen haben. Das ist auch nicht nur ein fiktives Risiko. Wir wollen das Fest für die Zukunft sichern und uns nicht angreifbar machen.

Markus Peters: Die Beschwerden der Eschweger nehmen zu. Das sind Leute, die das Fest mitfeiern und wollen, dass es erhalten bleibt, aber auch, dass irgendwann Ruhe ist.

Herr Peters, warum bittet die Polizei um die Festsetzung einer Sperrstunde?

Peters: Der Wunsch resultiert aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Wie sahen die aus?

Peters: Der friedliche Charakter des Volksfestes drohte in der Nacht, zu fortgeschrittener Stunde und verstärkt zwischen 2 und 4 Uhr zu kippen. Die Zahl der Rohheits- und Diebstahlsdelikte nahm zu. Vielfach konnte nur durch das frühe Eingreifen der Polizei verhindert werden, dass Auseinandersetzungen eskalierten.

Was bedeutete das für die Polizei?

Polizeihauptkommissar Markus Peters

Peters: Kräfte, die nicht uneingeschränkt zur Verfügung stehen, werden gebunden. Die Beamten fahren von einer Rauferei zur nächsten Auseinandersetzung. Die Kollegen kommen gar nicht mehr aus der Stadt heraus. Das trifft für die Nacht zum Samstag zu, aber auch für die übrigen.

Was verändert sich für die Polizei durch die Festsetzung der Sperrstunde?

Peters: Wir haben jetzt die Möglichkeit, darauf hinzuweisen, dass der Ausschank zu beenden ist, wenn wir das aus der Situation heraus für erforderlich halten.

Werden Sie rigoros gegen Verstöße gegen die Sperrstunde vorgehen?

Peters: Unser Augenmerk gehört nicht in erster Linie der Sperrzeit. Wir wollen das friedliche und sichere Volksfest erhalten und die Sicherheit der Besucher gewährleisten. Die Sperrzeit wird unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit mit Augenmaß betrachtet, und es wird anlassbezogen auf ihre Einhaltung geachtet.

Zunächst war die Sperrzeit auf 2 Uhr festgelegt und sollte auch für das Festzelt gelten. Warum weicht die Stadt davon jetzt ab?

Heppe: Nach sehr sachlicher und kollegialer Diskussion in der Johannisfestkommission habe ich in Absprache mit den Sicherheitsbehörden entschieden, die geplante Sperrzeitenregelung für das Johannisfest auf 3 Uhr zu verlängern. Durch die sehr guten Erfahrungen aus dem Vorjahr sind wir uns sicher, dass unser aktueller Festwirt einen geregelten und die Interessen der Anwohner wahrenden Festzeltbetrieb gewährleisten wird.

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Zu den Personen:

  • Alexander Heppe ist 42 Jahre alt und seit neun Jahren Bürgermeister in Eschwege. Er ist in der Kreisstadt geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat 1995 hier sein Abitur abgelegt. Heppe ist auch Präsidiumsmitglied des Hessischen Städtetags, arbeitet mit im Kreistag sowie diversen Gremien kommunaler Einrichtungen oder Unternehmen und ist von klein auf begeisterter Johannisfestgänger. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.
  • Markus Peters ist 46 Jahre alt, wohnt in Nentershausen. Der Polizeihauptkommissar leitet bei der Polizeidirektion Werra-Meißner die Polizeistation Eschwege. Peters übernahm diese Position im Oktober 2018. Peters ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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