Italienische Pizzabäcker werden bei einer Niederlage Fans der deutschen Mannschaft

Eschweger Italiener: Italien siegt zu 55 Prozent

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Die Brüder Leonardo und Mimmo Rossano (außen) und Schwager Francesco von der Pizzeria Rossini halten die italienische Fahne hoch für einen Sieg

Eschwege. Italiener haben in Sachen Fußball eine noch größere Klappe als wir Deutschen. Die Bilanz der letzten Jahre gibt ihnen Recht, Deutschland hat gegen Italien meist alt ausgesehen.

Es waren denkwürdige Spiele wie die 3:4-Niederlage 1970 bei der WM in Mexiko. Da waren Leonardo (38) und sein Bruder Mimmo Rossano (41) genau wie Schwager Francesco Murano (37) noch gar nicht auf der Welt, aber das Spiel kennen sie, weil es als legendäre Begegnung immer wieder aus dem Archiv geholt wird. In der 90. Minute hat ausgerechnet Karl-Heinz Schnellinger, einer der ersten Italien-Legionäre in Diensten des AC Mailand, den Ausgleich zum 1:1 erzielt.

Leonardo ist in der Schweiz geboren, hat einen italienischen Pass und es ist für ihn „sehr schwierig, einen Tipp abzugeben, denn ich habe nicht so viel Ahnung von Fußball“, sagt er. Er hätte auch nichts gegen einen deutschen Sieg. Eins weiß er: „Um halb 9 machen wir die Pizzeria zu, da kommt keine Mensche mehr“, freut er sich mit dem typisch italienischen Einschlag beim schnellen Reden auf das Fernsehen bei „zwei verrückten Nachbarn“. Das sind Deutsche, deren Fußballherzen für Italien schlagen - wahrlich verrückt.

Bruder Mimmo ist seit 1987 in Deutschland, betreibt seit zehn Jahren die Pizzeria Rossini in Eschwege. „Italien gewinnt zu 55 Prozent und es gibt keine Verlängerung“, so sein gewagter Tipp, auf ein präzises Ergebnis will auch er sich nicht festlegen. „Einer muss raus und wenn Deutschland gegen Spanien spielt, bin ich für Deutschland“, sagt Mimmo auch im versöhnlichen Blick auf seine deutschen Gäste in seinem Restaurant am Bahnhof. Er schaut sich das Spiel heute Abend im Bowlera an.

Leonardos Schwager Francesco ist der einzige echte Italiener in dem Verwandtschaftstrio. Er ist Fan von Juventus Turin und der Nationalmannschaft sowieso. „Mein Blut ist italienisch, Italien gewinnt 2:1. Wenn nicht, dann bin ich Deutschland-Fan“, wechselt auch er je nach Lage ganz schnell die Seite.

Und weil er gerade zum Pizzaessen da war, hat auch Dr. Rubens Cardoso einen Tipp abgegeben. Er klingt zwar so, ist aber kein Italiener, sondern Deutscher mit portugiesischem Vater. Immerhin (Zeitpunkt gestern Mittag) potenzielle Endspielgegner, die Portugiesen. Cardoso tippt 1:1, „danach wird es eine reine Glückssache“.

Im E-Werk ist heute wieder Public Viewing angesagt.

Von Helmut Mayer

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