Tag der Jogginghose: Wann man sie tragen darf und wann man sie im Schrank lässt

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Ein typisches Bild: Für den Fernsehabend auf dem Sofa greifen viele auf die Jogginghose zurück. „Wenn man sie trägt, muss man auf den Kontext achten“, sagt Knigge-Expertin Birgit Schröder.

Eschwege. Karl Lagerfeld ist in seiner Haltung eindeutig. „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, sagte der Modezar einst. Selten stimmt seine Aussage. Denn mittlerweile ist die Sporthose im Alltag angekommen.  

Nicht nur in Sporthallen und Fitnessstudios, sondern auch im normalen Leben und natürlich auf dem Sofa zu Hause. Wir klären, wer sie tragen darf, wer besser die Finger davon lässt und wie man den Jogger aufwerten kann.

Beruflich

Jan Hofemeister fühlt sich privilegiert. Er ist Beamter und darf trotzdem eine Jogginghose tragen, nachdem er sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Hofemeister ist Oberstudienrat für Sport und Deutsch an Eschweger Gymnasien und will auf die elastische Hose nicht verzichten. „Sie ist im Sportunterricht funktional und professionell“, sagt er. Im normalen Unterricht achtet er auf angemessene Berufskleidung – allein aus hygienischen Gründen. „Ich verlange auch von meinen Schülern, dass sie sich nach dem Sportunterricht umziehen.“

Physiotherapeut Jan Giller hat sich im Arbeitsalltag bewusst gegen die Jogginghose entschieden. In seiner Praxis arbeiten er und seine Kollegen in normaler Alltagskleidung. „Ich hatte es satt, nachdem ich viele Jahre in Sportklamotten gearbeitet habe“, sagt Giller. Nach Feierabend habe er sich sofort „richtige“ Kleidung übergestreift. „Ich habe mich sogar danach gesehnt, mal wieder Anzug und Krawatte zu tragen.“

In seinem Fitnessstudio Bewegungsfreiheit am Eschweger Schwimmbad bleibt alles beim Alten. Die Trainer arbeiten hier in Lauf-Tights, um sich bewegen und die Übungen vorführen zu können. „Hier macht die Jogginghose Sinn“, sagt Giller.

Gesellschaftlich

Auch wenn die Jogginghose aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken ist, müsse man auf den Kontext achten, wenn man sie tragen möchte. „Man muss dem Gegenüber und der Situation, in der man sich befindet, Respekt zollen“, sagt Birgit Schröder. Sie ist Beraterin und gibt an der Volkshochschule Kurse zu Umgangsformen und die moderne Interpretation von Knigge.

„In der Arbeitswelt gibt es nur ganz wenige Berufe, wo sich eine Jogginghose schickt“, sagt die Expertin. Im Alltag müsse man auf das Umfeld achten. „Für einen Besuch beim Anwalt oder eine Beratung bei einer Bank würde ich nicht in der Jogginghose auftreten“, sagt Schröder. In den vergangenen Jahren habe sich die Hose aber zum Jeans-Ersatz gemausert und könne in der entsprechenden Kombination beispielsweise auch beim Einkaufen getragen werden.

Modisch

„Sie ist im Alltag kein No-Go mehr“, sagt der Eschweger Herrenausstatter Harald Blumenstiel. Auch namhafte Herrenmode-Hersteller hätten mittlerweile Modelle im Sortiment. „Kombiniert mit einem sportlichen Sakko, einem T-Shirt und einem hohen Schuh kann man sich durchaus sehen lassen“, empfiehlt Blumenstiel eine Kombination. Er warnt aber auch: „Die Jogginghose ist nichts für jede Altersklasse.“ Es sei eher Kleidung für jüngere, mutige Menschen. In seinem klassisch ausgelegten Modegeschäft habe er keine Kunden für Jogginghosen.

Eine Umfrage zum Tag der Jogginghose lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der Werra-Rundschau.

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