Auf Tour mit den Stadtreinigern in Eschwege: Müllwerker wünschen sich mehr Veständnis

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Arbeiten in Zweierteams: Die Müllwerker (von links) Stefan Kummer und Nils Brehmer-Hennemuth entleeren ab 7 Uhr morgens die ersten Altpapiercontainer in Eschwege und Umgebung.

Eschwege.  Auf Tour mit den Stadtreinigern: Die Müllwerker schildern die schönen und weniger schönen Erlebnisse ihres Berufsalltages.

Seit Januar entsorgt der Baubetriebshof Eschwege keinen Papiermüll mehr, der neben oder auf der Tonne gelagert wird. Die Stadtreiniger berichten von der Reaktion der Bürger auf die Umstellung bei der Abholung. Wir haben sie auf einer Tour begleitet:

Morgens um 7 Uhr, die Sonne ist noch längst nicht aufgegangen, aber die Müllwerker Nils Brehmer-Hennemuth (30) und Stefan Kummer (38) erledigen bereits ihre Arbeit und leeren die ersten Altpapiertonnen. Wir begleiteten die beiden Mitarbeiter vom Baubetriebshof Eschwege auf ihrer Tour und sprachen mit ihnen darüber, wie die neue Regelung der Altpapierentsorgung bei den Eschwegern ankommt, und über die schönen und weniger schönen Aspekte ihres Arbeitsalltages. Die Strecke führt durch den Leuchtberg-Bezirk und die Ortsteile Ober- und Niederdünzebach. Bis zum Feierabend, um etwa vier Uhr nachmittags, wird das Zweierteam bis zu 25 Tonnen Altpapier eingesammelt haben.

An Neuregelung gewöhnt

Seit Beginn des Jahres wird in Eschwege und Umgebung vom Baubetriebshof nicht mehr länger Altpapier entsorgt, das neben und auf der Tonne gelagert wird. In den sozialen Netzwerken sorgte das zunächst für Aufregung, mittlerweile scheinen sich die Eschweger aber langsam daran gewöhnt zu haben. 

Auch dank der kostenlosen Möglichkeit, eine weitere Altpapiertonne beantragen zu können. „In den ersten Wochen gab es wegen der Umstellung die eine oder andere Beschwerde, aber bis auf wenige Ausnahmen befolgen mittlerweile alle das neue Prinzip“, erklärt Stefan Kummer. An manchen Stellen der Strecke wird deutlich, von welchen Ausnahmen die Rede ist. Die menschliche Bequemlichkeit scheint hier das Hindernis zu sein: Anstatt etwas Zeit zu investieren und die größeren Papierkartons passgenau für die Tonne zu zerkleinern, werden diese weiter auf und neben den Behältern platziert.

Wenn der Kipper das Papier einzeln in den Müllwagen werfen muss, dann bedeute das für ihn die doppelte Arbeit. „Zusätzlich kostet das Zeit“, berichtet Brehmer-Hennemuth. Beschwerlicher wird es dann noch, sobald es regnet und sich das Altpapier mit Feuchtigkeit vollgesogen hat. Denn bei der Arbeit der Müllwerker ist nicht zu unterschätzen, dass die auf dem Tritt des Wagens mitfahrenden Arbeiter nicht nur die Mülltonnen bewegen und entladen, sondern währenddessen auch noch bis zu zehn Kilometer am Tag zu Fuß zurücklegen müssen.

Autofahrer und Passanten oft genervt

Als die beiden Müllwerker von ihrem Berufsalltag berichten, wird schnell deutlich, dass es regelmäßig zu eher unschönen Erfahrungen kommt. „Bei unseren Fahrten begegnen wir häufiger uneinsichtigen Passanten und Autofahrern, die sich darüber beschweren, wenn wir die Straße blockieren. Wir können uns mit unserem Fahrzeug aber auch nicht in Luft auflösen“, erzählt Kummer.

An die zehn Tonnen Altpapier fasst das Fahrzeug und wird pro Tour bis zu dreimal geleert. Diesmal von (von links) Stefan Kummer und Nils Brehmer-Hennemuth.

Von Geschichten wie aus Kassel, wo ein Stadtreiniger mit einem Messer bedroht wurde, nur weil das Fahrzeug für wenige Augenblicke die Fahrspur blockierte, wissen die beiden glücklicherweise nicht zu berichten. Mit Beschimpfungen, dummen Sprüchen und rücksichtslosen Autofahrern werden sie allerdings auch konfrontiert: „Die Menschen zeigen wenig Verständnis, wenn wir kurz den Weg blockieren, dabei entsorgen wir den von ihnen verursachten Müll“, schildert Brehmer-Hennemuth.

Gefährlich wird es besonders dann, wenn der Müllwagen sich im Weg von Liefer- oder Pflegediensten befindet. So berichten beide Männer von Fahrern, die sich auf engen Straßen mit ihren Kraftfahrzeugen aggressiv am Müllfahrzeug vorbeidrängelten und dabei fast den auf dem Bürgersteig stehenden Stadtreiniger angefahren hätten. Problematisch sind gerade in der engen Eschweger Innenstadt auch Falschparker, die sich keine Gedanken darüber machen, dass die Müllabfuhr dort hindurch muss. Bei all den negativen Erlebnissen wissen Kummer und Brehmer-Hennemuth aber auch von den schönen Seiten ihres Tages zu berichten. Gerade kleinen Kindern leuchten in aller Regelmäßigkeit die Augen, wenn das große orange Fahrzeug um die Ecke biegt. Sie kleben an den Fensterscheiben und winken oder laufen dem Fahrzeug sogar eine Weile hinterher.

Letztlich, da sind sich die beiden Männer einig, wäre es schön, wenn die Menschen mehr Einsicht und Verständnis für ihre Arbeit zeigen würden. Denn was viele nicht wissen: Die Männer in Orange stehen täglich selbst unter Zeitdruck, müssen sie ihre Tour doch vor Schließung der Deponie in Weidenhausen abgeschlossen haben.

www.baubetriebshof-eschwege.de

Von Maurice Morth

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