Erinnerung an die Deportation von 55 Eschweger Juden am 6. September 1942

Judendeportation: Schweigemarsch im Morgengrauen

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Rund 600 Menschen haben heute in aller Frühe am Schweigemarsch für die vor 70 Jahren aus Eschwege deportierten Juden teilgenommen.

Eschwege. Gemeinsam gingen die  Eschweger jenen Weg, die auch die 55 Opfer des dritten und letzten Deportationszuges einst im Morgengrauen zurücklegen mussten: Vom Schulberg ging es über die Friedrich-Wilhelm-Straße zum Bahnhof.

Hier stand damals ein Sonderzug der Reichsbahn bereit, der die Männer und Frauen in den Tod brachte. Heute morgen erwartete die Teilnehmer des Schweigemarsches am Bahnsteig ein in Bronze gegossener Koffer, der als Mahnmal an das Schicksal der NS-Opfer erinnern soll. Schüler der Eschweger weiterführenden Schulen hatten noch auf dem Schulberg einen bewegenden Bericht eines Judens aus Hanau vorgelesen, der die entwürdigenden und grausamen Umstände der Deportation seiner Familie in trostloser Nüchternheit schildert. Unter der bedrückenden Atmosphäre dieser Schilderung setzte sich der Marsch schließlich in Bewegung. Voran schritten 55 Schüler, die jeweils einen Gedenkstein mit den Namen der Opfer bei sich trugen.

Judendeportation: Schweigemarsch im Morgengrauen

Am Bahnhof wurden die Namen der Opfer laut verlesen und die Steine vor dem Koffer niederlegt. Nach einem Klarinettenstück sprach Eva Tichauer-Moritz von der Jüdischen Kultusgemeinde in Göttingen ein jüdisches Trauergebet, anschließend gingen die Menschen noch immer schweigend auseinander- viele von ihnen tief bewegt und mit Tränen.
Von Dieter Salzmann

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