140 Jahre alter Baum mit Weißfäule befallen

Feuerwehr bestätigt: Die umgestürzte Lutherlinde an der Marktkirche war faul

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Trauriger Anblick: Die Linde, die am 10. November 1883 anlässlich Luthers 400. Geburtstages an der Marktkirche in Eschwege gepflanzt wurde, ist nur noch Kleinholz. Sie ist vorigen Freitagabend umgestürzt.

Vermutlich die sogenannte Weißfäule ist für den Umsturz der Lutherlinde auf der rückwärtigen Seite der Eschweger Marktkirche verantwortlich.

Das bestätigte auf Anfrage der WR Eschweges Stadtbrandinspektor Lothar John. Der Baum war am vorigen Freitagabend gegen 18 Uhr bei beinahe windstillem Wetter umgekippt und hatte ein Auto völlig unter sich begraben und ein weiteres beschädigt (wir berichteten). Die Lutherlinde war am 10. November 1883 anlässlich des 400. Geburtstages Martin Luthers dort gepflanzt worden.

Wie John mitteilte, war gut erkenntlich, dass der etwa 140 Jahre alte Baum an der Wurzel abgefault war, der Stamm hingegen, den die Feuerwehr noch am Abend mit Kettensägen völlig zerlegte, sei einigermaßen intakt gewesen. „Die Fäulnis in der Wurzel ist zumindest aus unserer Sicht die Ursache für das Kippen des Baumes.“

Kreiskirchenamt kümmert sich um die Versicherungsangelegenheiten

Die Lutherlinde, die hinter der Kirche eher ein Schattendasein führte, befindet sich auf dem Grund und Boden der Kirche. Wie Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost am Freitagabend bereits der Polizei mitteilte, habe die Kirche den Baum vor geraumer Zeit auf Standsicherheit prüfen lassen. Wann die Prüfung genau stattgefunden haben und welcher Gutachter sie durchgeführt hat, ist bisher nicht bekannt. Das Kreiskirchenamt kümmert sich derzeit bereits um die Versicherungsangelegenheiten, unter anderem gegenüber den beiden Autobesitzern, bestätigte eine Mitarbeiterin des Amtes.

In der großräumigen Nische hinter der Marktkirche lagern derzeit noch die zersägten Reste des stattlichen Baumes, an den sich dennoch kaum jemand erinnert. „Es ist deutlich heller in unserer Wohnung geworden“, sagt Volker Jost, der im Gemeindehaus an der Marktkirche wohnt. Er geht davon aus, dass der Baum durch die Trockenheit in den vergangenen beiden Jahren geschwächt war. „Ich hab die Linde auch öfter gegossen, aber das ist bei so einem großen altem Baum auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Befall auch von außen erkennbar 

Der Baumgutachter Simon Weis aus Eschwege, der aber nicht das Gutachten für diese Linde gemacht hat, sagt, dass eine Befall mit Weißfäule auch von außen erkennbar sein kann. Es gebe eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Standfestigkeit eines Baumes zu prüfen, dazu gehöre auch ein Zugversuch, bei dem der Baum einer fingierten Windstärke zwölf standhalten muss. Eine andere, aber ebenfalls teure Variante ist die Schalltomographie.

Weißfäule – ein häufiger Baumpilz

Weißfäule wird durch Pilze erzeugt und betrifft vorwiegend Laubholz. Sie zersetzen sowohl das Lignin als auch die Cellulose in den Zellwänden des Holzes. Zu dieser Art des Holzabbaues sind nur Ständerpilze (Basidiomycetes) in der Lage. Die Pilze entziehen dem Holz das Lignin und verwenden es für ihren eigenen Stoffwechsel. Das Holz verliert dabei an Gewicht, Masse und Festigkeit und wird heller bis fast weißlich. Die Struktur des Holzes bleibt aber lange erhalten.

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