Sogar Akten waren noch da

Unterkunft für 300 Flüchtlinge: Feuerwehr und THW entrümpeln Pharmakonzern

Einsatzbesprechung: Einsatzleiter Thomas Eisenträger und Timo Jung vom THW koordinieren die Arbeiten.

Eschwege. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk haben beim ehemaligen Pharmakonzern Julphar in Eschwege entrümpelt und Platz für 300 Flüchtlinge geschaffen.  

„Hier sah es aus, als seien die Leute in die Mittagspause gegangen und nicht zurückgekommen“, sagt Einsatzleiter Thomas Eisenträger. Der Feuerwehrmann arbeitet mit Einsatzkräften aus Eschwege, Meinhard, Ringgau und Herleshausen in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk (THW) seit Mittwoch daran, im früheren Verwaltungstrakt des Pharmaunternehmens Julphar an der Max-Woelm-Straße in Eschwege Unterkünfte für 300 Flüchtlinge zu schaffen.

Die Büroräume waren zum Teil noch komplett eingerichtet: mit Schreibtischen, Stühlen, Schränken und Regalen inklusive zahlreicher Unterlagen. 30 Gitterboxen voller Aktenordner wurden ausgeräumt und zur Vernichtung gefahren. 60 Kubikmeter Sperrmüll haben die Männer und Frauen entsorgt. Büromöbel, die noch gut erhalten sind, werden in der Produktionshalle zwischengelagert. Bis zu 60 Feuerwehrleute arbeiten gleichzeitig und unter Hochdruck daran, die Fabrikbrache bewohnbar zu machen. Größtes Problem: die Heizung. Das Leitungssystem und teilweise auch die Heizkörper sind an zahlreichen Stellen leck. Ein Heizungsbauunternehmen dichtet die defekten Rohre ab. Auf dem Fabrikhof steht eine mobile Notfallgasheizung bereit, die nur noch angeschlossen werden muss. Das moderne Gerät leistet 500 Kilowatt und könnte theoretisch 50 Einfamilienhäuser beheizen.

In den Büros werden zunächst bis zu sechs Feldbetten aufgebaut. Sobald die bestellten Stockbetten eintreffen, werden die montiert. Bis zu acht Menschen sollen dann in jedem Raum eine vorübergehende Bleibe finden. Toiletten werden auf den Etagen hergerichtet. Außerdem bauen die Helfer auf dem Freigelände sanitäre Einrichtungen, vor allem Duschcontainer auf.

Zwei übereinander liegende Räume werden gerade zu Not-Treppenhäusern mit außen liegenden Treppen umgebaut. „Das ist aus Gründen des Brandschutzes erforderlich“, sagt Eisenträger. Auch in der zweiten Unterkunft auf dem Friedola-Gelände an der Helgoländer Straße schreiten voran. Dort sollen 700 Menschen Zuflucht finden.

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