Ergänzung der Bildungslandschaft

Verein Zukunftsschmiede will Freie Schule und Naturkindergarten in Eschwege gründen

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Der Kopf der Freien Schule und des Naturkindergartens: (von links) Oskar Schellenberg (2), Helge Barthels, Franziska Schellenberg, Noah Grochtmann (5), Amy Wiedermann-Claar, Anna Grochtmann und Wim Grochtmann (2).

Eschwege – In Eschwege sollen eine Freie Schule und ein Naturkindergarten gegründet werden. Initiator des Projektes ist der für diesen Zweck gegründete Verein „Zukunftsschmiede“.

Der will auch als Träger von Schule und Kita agieren und hat sich auf die Fahne geschrieben, die Bildungslandschaft in Eschwege und dem Werra-Meißner-Kreis zu ergänzen.

„Wir sehen ein großes Potenzial in der Region, wollen mitgestalten und die Gegend für Familien attraktiv machen, die Unternehmergeist haben“, sagt Franziska Schellenberg, Gründungsmitglied des Vereins.

In einem ersten Schritt soll ein Naturkindergarten als Vorstufe der Freien Schule entstehen. Dafür suche der Verein derzeit ein geeignetes naturnahes Grundstück. „Wir planen 15 Plätze und eine Betreuungszeit in den Vormittagsstunden für Kinder zwischen drei und sechs Jahren“, erklärt der Sozialpädagoge Helge Barthels.

Novum: Erster interkommunale Kindergarten

Weil der Verein das Angebot aber nicht auf die Stadt Eschwege beschränken will, soll hier ein Novum geschaffen werden – der erste interkommunale Kindergarten. „Wir wollen Gespräche mit den Gemeinden Meißner, Meinhard und Wehretal führen und sehen, dass wir einige Plätze aus deren Bedarf in die Planung einbeziehen können“, so Amy Wiedermann-Claar.

„Das wäre ein völlig neues Modell“, sagt Jörn Engler von der Stadt Eschwege, die den Verein zwar unterstützen will, aber selbst aktuell wegen des Kitaneubaus keinen Bedarf hat. Bei der Planung der Freien Schule steckt der Verein in der konzeptionellen Phase, orientiert sich aber zum Beispiel an der Freien Schule im niedersächsischen Heckenbeck, wo seit der Schulgründung ein starker Zuzug von Familien eingesetzt hat. 

Wer trägt freie Schulen? 

Laut einem aktuellen Bildungsbericht der Bundesregierung stehen in Deutschland den 30 600 Schulen in öffentlicher Hand 3565 Schulen gegenüber, die in freier Trägerschaft geführt werden. Zirka neun Prozent aller Schüler in Deutschland besuchen inzwischen eine Privatschule. Die größte Gruppe sind die konfessionellen Schulen mit der Kirche als Trägerin. Aber auch reformpädagogische Schulen wie Montessori oder Waldorf haben einen hohen Anteil. In aller Regel unterscheiden sich die Schulen vor allem in ihren pädagogischen Konzepten von den staatlichen. Schulträger können aber auch Elterninitiativen und Vereine sein. Die Kosten für den Besuch einer Freien Schule liegen zwischen 50 und 850 Euro pro Monat.   

Sozialkompetenz und Nachhaltigkeit

Das Projekt der Freien Schule, die der Verein Zukunftsschmiede gründen will, wird vor allem von einem kleinen vierköpfigen Kreis – der Geologin und Yogalehrerein Franziska Schellenberg, dem Sozialpädagogen Helge Barthels (beide aus Eltmannshausen), der Sozialpädagogin Amy Wiedermann-Claar (Langenhain) sowie der Geisteswissenschaftlerin Anna Grochtmann aus Jestädt konzipiert, entwickelt und vorangetrieben. Sie sind zwar alle Eltern, wollen sich in Sachen Schule und Naturkindergarten aber nicht als reine Elterninitiative verstanden wissen. 

Derzeit hospitieren sie an Freien Schulen in Heckenbeck (Niedersachsen), in Kassel und in Potsdam. Ein Treffen mit Eltern, die an einer Freien Schule in der Region für ihre Kinder interessiert sind, fand bereits im Januar dieses Jahres statt. 

Die Schwerpunkte 

„In den Grundzügen soll die Schule die Möglichkeit des ganzheitlichen Lernens bieten – das heißt, durch freies und selbstbestimmtes Lernen soll die natürliche Lernfähigkeit sowie die Freude am Lernen erhalten werden“, sagt Amy Wiedermann-Claar. Schwerpunkte sollen Sozialkompetenz, Nachhaltigkeit und Ökologie sein, sowie eigene Talente zu entfalten und dabei in einem geschützten Raum zu sein. Klassenstufen sollen aufgeweicht werden, Kinder sollen Mentorenrollen für andere übernehmen, Lehrer eher Moderatoren als Lehrkraft sein. „Wir werden keine demokratische Schule sein.“ Darauf legt die Gruppe Wert. Gemeint ist, dass es kein unbegrenztes Mitspracherecht bei Eltern und Schülern geben soll. „Sie sollen einbezogen werden“, sagt Amy Wiedermann-Claar. 

Damit will die Zukunftsschmiede vor allem den Fehler vermeiden, mit dem eine andere Gründungsinitiative einer Freien Schule in Witzenhausen vor einigen Jahren scheiterte. Zu viele Menschen mit zu vielen unterschiedlichen Ideen waren in den Prozess involviert. Aber innerhalb der Schule und des Schulalltages sollen die Kinder in bestimmtem Umfang frei über ihre Lerninhalte und deren Umfang wählen können. „Die Kinder haben die Wahl, aber sie müssen auch wählen“, sagt Helge Barthels. Man stelle ihnen nicht frei, eventuell auch nichts zu machen. 

Das Personal 

Einen Grundstock an Fachpersonal hat der Verein bereits zusammengestellt. „Wir haben ausreichend potenzielle Lehrkräfte, die in den Startlöchern stehen“, so Amy Wiedermann-Claar. Mit einem Schulstart rechnet der Verein, wenn es gut läuft, für 2020. 

Der Naturkindergarten 

Als Vorstufe geht es dem Verein jetzt darum, möglichst noch in diesem Jahr einen Naturkindergarten in Eschwege oder einem der Ortsteile zu eröffnen. Ein geeignetes Grundstück sucht der Verein derzeit. Die Bedingungen sind eine gute Erreichbarkeit, aber zu gleich ein naturnahes Grundstück. „Es reicht, dass wir dort einen Bauwagen oder ähnliches abstellen können, damit die Kinder einen Wetterschutz haben“, sagt Barthels. Der Naturkinder mit 15 Plätzen soll für Kinder zwischen drei und sechs Jahren sein, die Betreuung beschränkt sich zunächst auf den Vormittag. „Eine Krabbelgruppe bieten wir nicht an.“, sagt Barthels.

Der Verein 

Wer den Verein näher kennenlernen will, kann sich unter www.freie-schule-eschwege.de informieren oder aber auch zum Familien-Naturfestival, dass vom 11. bis 14. Juli in Eltmannshausen, Im Oberland 22, stattfindet und zu dem jeder herzlich eingeladen ist.

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