Stresemannstraße, Gebrüderstraße, Bahnhofstraße

In Eschwege wurden die letzten vier Stolpersteine verlegt

Erinnerung: Paul und Flora Klara Moses haben an der Bahnhofstraße 26 in Eschwege gelebt.

Eschwege. Sechs Jahre hat es gedauert, jetzt wurde die Aktion abgeschlossen. Zum letzten Mal verlegten Historiker in Eschwege kleine Stolpersteine, die als Mahnmale an verfolgte, deportierte und ermordete Juden erinnern.

Aktionskünstler Gunter Demnig, der das Projekt initiiert hat, war diesmal nicht persönlich dabei, als die Steine an drei Orten in der Kreisstadt verlegt wurden. York-Egbert König, Mitarbeiter des Stadtarchivs, erinnerte in kurzen Würdigungen an die Eschweger.

Bahnhofstraße 26 

Hier lebte der Kaufmann Paul Moses (1886 - 1941), Reisender bei der Firma Nathan Pappenheim, mit seiner Ehefrau Flora geborene Meyer (1897-1941). Beide hatten erst 1935 in Eschwege geheiratet und meldeten sich 1939 nach Köln ab, vermutlich hatten sie gehofft, in einer Großstadt sicherer zu sein. Paul Moses wurde im Oktober 1941 nach Lodz deportiert, Flora wenige Wochen später nach Riga, beide gelten als verschollen und wurden 1945 für tot erklärt.

Stresemannstraße 1 

Hier erinnert ein Stein an den Kunstkritiker und Publizisten Paul Westheim (1886 - 1963). Westheim lebte hier seit 1891 mit seinen Eltern und Geschwistern, bevor er 1901 eine kaufmännische Lehre begann. Als Herausgeber einer Kunstzeitschrift und zahlreicher Monographien hat er sich wie kaum ein anderer um Kunst und Künstler des 20. Jh. verdient gemacht, hat sie beschrieben, gefördert und ihre Werke gesammelt. Den nationalsozialistischen Machthabern war er durch seine Arbeit und Herkunft verhasst, sodass er bereits sehr früh ins Exil nach Paris gehen musste. Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich wurde er interniert, konnte jedoch nach Mexiko fliehen. Während eines Deutschlandbesuches starb er 1963 überraschend in Berlin.

Gebrüderstraße 1

Vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus seiner Eltern wird des Malers und Kunstgewerblers Alfred Lomnitz (1892 - 1953) gedacht. Nach Ausbildungsjahren in Kassel und Weimar ließ er sich in Berlin nieder, wo er zeitweise drei Ateliers unterhielt. 1933 emigrierte er mit Frau und Sohn nach England und war neben dort als Designer für bekannte Firmen tätig. Als deutscher Staatsbürger wurde er nach Ausbruch des Weltkrieges zeitweise interniert. Nach 1945 kehrte er dennoch nicht wieder nach Deutschland zurück und starb nach schwerer Erkrankung 1953 in London. (lad)

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