Tipps für ausgewogene Ernährung

Eschweger Ernährungsmediziner Heiner Berkermann: Vegetarier leben meist gesünder

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Frisches Obst und Gemüse, am besten saisonal und regional gehören zu einer gesunden Ernährung dazu. Das gibt es beispielsweise auf dem Eschweger Wochenmarkt, wie hier von Kerstin und Harald Perc, Inhaber der Wanfrieder Gärtnerei Montag, präsentiert. 

Eschwege – Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder vegan. Dabei gibt es einige Risiken. Darüber sprachen wir mit dem Eschweger Ernährungsmediziner Dr. Heiner Berkermann.

VON CHRIS CORTIS

Worin besteht der Unterschied zwischen vegetarischer und veganer Ernährung?

Vereinfacht gesagt, ist die vegane eine strenge Form der vegetarischen Ernährung, die auf pflanzliche Lebensmittel setzt. Anders als Veganer, die auf sämtliche tierischen Produkte verzichten und selbst Gebrauchsgegenstände aus Tierkörperteilen wie Pelze, Felle, Leder oder Wolle ablehnen, gestatten sich Vegetarier beispielsweise Eier oder Milchprodukte.

Wie viele Menschen bevorzugen diese Ernährungsformen?

Nach dem Robert-Koch-Institut ernähren sich in Deutschland etwa vier Prozent der Bevölkerung vegetarisch. Laut dem jüngsten Ernährungsreport der Bundesregierung sind es sogar sechs Prozent. Zählt man die sogenannten Flexi-Vegetarier hinzu, die nur ganz selten Fleisch essen, beläuft sich die Quote auf rund zehn Prozent mit einem jeweils höheren Anteil an Frauen. Bei Veganern wird die Quote auf ein Prozent oder darunter geschätzt.

Was sind hauptsächlich die Gründe für eine Umstellung der Essgewohnheiten auf vegetarisch oder vegan?

Im Vordergrund stehen überwiegend ethische Gründe. Genannt werden das Lebensrecht der Tiere, die Ablehnung einer Massentierhaltung, aber auch der Fleischverzehr als religiöses Tabu. Der Verzicht auf Fleisch sei ein Beitrag zur Lösung der Welthungerprobleme und vermindere die Umweltbelastungen. Und natürlich spielen gesundheitliche Überlegungen eine Rolle, wie die Vorbeugung oder Heilung bestimmter Krankheiten, die Steigerung der körperlichen und geistigen Fitness oder eine angestrebte Gewichtsabnahme, die sich aber nicht automatisch einstellt, wenn man statt zu Fleisch zu Puddings, Schokoriegeln oder fetthaltigen Gemüseriegeln greift.

Welche Vorzüge hat eine fleischlose Ernährung?

Die Zufuhr ballaststoffreicher Getreideprodukte sowie von Obst und Gemüse senkt viele Krankheitsrisiken, etwa für Herz und Kreislauf, Diabetes mellitus oder Übergewicht. Wer fleischlos isst, pflegt häufig auch einen gesundheitsfördernden Lebensstil, indem er auf Nikotin verzichtet, Alkohol nur in geringen Mengen konsumiert und sich körperlich aktiver betätigt. Allgemein kann gesagt werden, dass der Vegetarier gesünder lebt als der Durchschnitt der Bevölkerung, weshalb auch die altersstandardisierte Sterberate vergleichsweise niedriger ist.

Dagegen erhöht ein hoher Anteil an rotem Fleisch und solchen Fleischerzeugnissen das Risiko für bestimmte Krebsarten, wobei an erster Stelle der Darmkrebs zu nennen ist.

Gibt es auch Risiken für die Gesundheit bei vegetarischer und veganer Ernährung?

Ja, vor allem in der Entwicklung bestimmter Nährstoffdefizite, wodurch vor allem Säuglinge gefährdet sind. Ein Mangel an Vitamin B 12, das vor allem in Fleisch vorkommt, an essenziellen Aminosäuren, an langkettigen Omega-3-Fettsäuren und an anderen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen kann das Wachstum verzögern, die geistige Entwicklung verlangsamen oder stark behindern oder zu sonstigen neurologischen Ausfällen führen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät deshalb bei Stillenden, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen von einer veganen Ernährung dringend ab. Anderenfalls könnte das Immunsystem gestört werden oder sich eine Blutarmut entwickeln und Veränderungen an den Knochen entstehen. Diese Aspekte sollten deshalb vorab immer mit einem Arzt besprochen werden, der auch Ratschläge gibt, welche Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung von Mangelerscheinungen angezeigt sind.

Wann gilt eine Ernährung als ausgewogen?

Sie sollte abwechslungsreich sein und auf saisonale und regionale Produkte zurückgreifen. Um den Bedarf an Nährstoffen mit Kohlehydraten, Eiweiß, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen zu decken, bedarf es der täglichen Aufnahme von Obst, Gemüse und stärkehaltiger Nahrung, wie Brot, Pasta, Körner, Kartoffeln oder Reis.

Zusätzlich sollte die Ernährung Ballaststoffe enthalten, des Weiteren Protein, wie Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse, Eier und Fleisch. Milch und Milchprodukte gehören ebenso dazu. Fett und Zucker sollten dagegen nur einen kleinen Teil der Nahrung ausmachen, möglichst unter 25 Gramm pro Tag. Die tägliche Trinkmenge sollte bei einem bis zwei Litern Wasser liegen.

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Zur Person

Dr. Heiner Berkermann, Ernährungsmediziner und Chefarzt der Gastroenterologie am Klinikum Werra-Meißner in Eschwege.

Dr. Heiner Berkermann (64) ist im westfälischen Ibbenbüren geboren. Heute lebt er mit seiner Frau in Grebendorf. Medizin studierte er in Bochum und ließ sich an den Städtischen Kliniken in Osnabrück zum Internisten ausbilden. Acht Jahre wirkte er als Oberarzt an der Universitätsklinik in Oldenburg, wo er auch Facharzt für Gastroenterologie und Diabetologie wurde. Seit Mai 1997 ist er am Standort Eschwege des heutigen Klinikums Werra-Meißner Chefarzt der Gastroenterologie mit Zusatzqualifikationen als Proktologe und Ernährungsmediziner. 

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