Der Eschweger Grygoriy Frenkel über die aktuelle Lage in Kiew

"In der Ukraine wollen alle Frieden"

+
Die Proteste in Kiew halten an: Täglich sind viele Ukrainer auf der Straße, einige Protestler schrecken auch von Gewaltanwendungen nicht zurück. 

Eschwege. "Die Situation ist alles andere als friedlich", meint der Ukrainer Grygoriy Frenkel zur aktuellen Lage in Kiew. Bis vor 14 Jahren hat er mit seiner Familie noch in der Ukraine gelebt. Er hat in dem Land noch viele Freunde.

"Keiner will sich in die Gelegenheiten der Ukraine einmischen, es machen aber alle", sagt Frenkel mit kräftiger Stimme. "Meiner Meinung nach kann der Präsident gestürzt werden, aber nicht auf solche Weise", meint Frenkel zu den aktuellen Protesten. Die Radikalen seien Banditen und die Opposition habe keinen Einfluss darauf: "Das Leben in Kiew ist gestört."

Für die einfachen Leute wäre es aus Frenkels Sicht besser, wenn die Ukraine nicht in die EU eintreten würde. "Die EU will die Ukraine doch nur, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen", meint der 69-Jährige. Die einfachen Leute hätten von einem EU-Beitritt rein gar nichts. "Kiew ist eine wunderbare Stadt", schwärmt Frenkel. Die Straße, in der protestiert wird, sei das Symbol der Stadt. "Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie schön sie ist. Sie muss wieder aufgebaut werden", sagt er.

Es sei lange her, als er das letzte Mal in der Ukraine gewesen ist, aber mit seinen Gedanken sei er noch oft dort. In der Ukraine habe er noch viele Freunde. "Mein bester Freund lebt in Charkow. Wir haben regelmäßig über Skype Kontakt", sagt Frenkel. Soweit gehe es ihm gut.

Grygoriy Frenkel

Von 1962 bis 1999 hat Frenkel in Charkow in der Ukraine gewohnt. Dort hat er als Übersetzer und Deutschlehrer gearbeitet. Studiert hat er Germanistik. Die Reise nach Deutschland war für ihn eine "Fahrt ins Ungewisse". Aber dass er nach Nordhessen gekommen ist, hat er nicht bereut. "Nie habe ich eine Stadt so geliebt, wie Eschwege", sagt der 69-Jährige.

In Eschwege hat er noch anderthalb Jahre als Dolmetscher für Neuankömmlinge gearbeitet. Jetzt engagiert er sich in Eschwege viel im Ehrenamt. Einmal in der Woche spielt er mit einem Mann im Altenheim Schach. Er ist Mitglied des Ausländerbeirates und unternimmt viel mit seinem Enkelkind.

Wie es in der Ukraine weitergehe, wisse er nicht. "Alle wollen Frieden", sagt er. Eine Reise in sein Heimatland möchte er im Moment nicht wagen. Die aktuelle Situation sei zu gefährlich. Und die Reise wäre viel zu teuer. "Aber ich will nicht klagen, mir geht es hier gut."

Von Franziska Kiele

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare