Klimaschutz im Alltag: Mit kleinen Dingen anfangen

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Sie macht mit: Die 17-jährige Abiturientin Jule Dobat aus Eschwege organisiert mit anderen Aktivisten die Fridays-for-Future-Demonstrationen in der Stadt. 

Eschweger Klima-Aktivistin Jule Dobat (17) engagiert sich bei der Bewegung Friday for Future und plädiert für täglichen Klimaschutz in kleinen Schritten. 

Eschwege – Weltweit gehen junge Menschen für den Klimaschutz auf die Straße, um ihre Zukunft zu retten. Die Bewegung Fridays for Future, von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg ins Leben gerufen, bewegt die Menschen in Ballungsräumen und Metropolen ebenso wie auf dem Land und das auf der ganzen Welt. Auch in Eschwege gab es seit dem Frühjahr vier Demonstrationen. Wir sprachen mit der Eschweger Fridays-for-Future-Aktivistin Jule Dobat über ihre Motivation und ihr Handeln in Sachen Klima.

Wie bist du ursprünglich zu dem Eschweger Fridays-for-Future-Organisationsteam gekommen?

Eigentlich hatten wir überlegt, an einer Friday-for-Future-Demonstration in einer anderen Stadt teilzunehmen und dafür unter Freunden eine Whats-App-Gruppe gegründet. Aber in der Gruppe, die aus zehn bis 15 Leuten bestand, kam dann schnell die Idee auf, dass wir in Eschwege selber eine Demo organisieren können.

Das habt ihr dann auch recht erfolgreich getan.

Ja. Eine Gruppe von Leuten, bei denen ich am Anfang gar nicht dabei war, hat sich einmal in der Woche getroffen. Da wurde recherchiert, was rechtlich geht, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, sie haben die Route geplant, Plakate gemalt und Reden geschrieben.

Wenn man bedenkt, dass in Eschwege mehrere Tausend Schüler zur Schule gehen, sind die Fridays-for Future-Demos nicht gerade gut besucht.

Das stimmt. Den meisten Zulauf mit rund 300 Teilnehmern gab es noch bei der ersten Demonstration, dann wurde es immer weniger. Wir sind schon ganz stolz, dass am 20. September wieder um die 200 Leute dabei waren, wobei es allerdings viele Erwachsene waren und nicht so viele Schüler.

Wie nimmst du die Einstellung deiner Generation zu dem Thema in deiner Schule wahr?

Aus meinem Jahrgang, also der 13. Klasse, sind nur sehr wenige zu der Demonstration gegangen, vielleicht fünf pder sechs Leute. Aus den jüngeren Jahrgängen ist der Zulauf größer. Ich glaube, viele halten Fridays for Future für unnötig oder denken, dass das Auf-die-Straße-Gehen eh nichts bringt. Oder ihnen ist das Thema einfach nicht wichtig genug.

Wie stehst du persönlich zu der Person Greta Thunberg?

Ich finde sie wirklich gut. Sie hat es als einzelne Person geschafft, so viel in der Welt in Bewegung zu setzen und eine Bewegung geschaffen, die so groß geworden ist.

Kritiker der Fridays-for-Future-Bewegung werfen den jungen Leuten vor, sie sollen sich doch an die eigene Nase fassen und meinen Smartphones, Plastikklamotten und Flugreisen.

Keiner ist perfekt und macht alles klimaneutral. Ich finde es wichtig, im Alltag mit kleinen Dingen anzufangen. Und da gibt es viele Möglichkeiten für Veränderung und dafür, sein Bewusstsein zu schärfen.

Welche sind das in deinem eigenen Alltag?

Wenn ich einkaufen gehe, nehme ich einen Beutel mit, damit ich weder auf Papier- noch Plastiktüte zurückgreifen muss. Außerdem habe ich immer eigenes Besteck dabei, um unterwegs kein Plastikbesteck nehmen zu müssen, genauso eine Trinkflasche. Auch Badezimmer sind ein guter Anfang in Sachen Klimaschutz. Zum Beispiel kann man feste Duschmittel und Shampoos verwenden. Außerdem erst mal alle Dinge aufbrauchen, die sich in Bädern so sammeln – und das ist nicht wenig. Ich hab mir zum Beispiel selber Abschminkpads genäht, die man einfach waschen kann.

Was rätst du den Leuten, die was für den Schutz des Klimas tun wollen?

Klein anzufangen. Man kann nicht alles sofort und gleich machen. Aber kleine Schritte helfen auch und sind ein Anfang.

Du bist jetzt 17 und hast vielleicht noch 70 Jahre zu leben. Machen dir die Veränderungen des Klimas Angst, wenn du an deine Zukunft denkst?

Nein, bisher nicht wirklich. Das liegt sicher daran, dass es nur schwer vorstellbar ist, und es bisher ja auch niemand genau sagen kann, ab wann die Erde für uns Menschen nicht mehr bewohnbar ist.

Wann gibt es die nächste Friday-for-Future-Demonstration in Eschwege?

Das wissen wir noch nicht genau. Bisher haben wir uns immer an den internationalen Daten orientiert. Aber ein Planungstreffen für eine Bürgerversammlung am 31. Oktober findet heute Abend, 30. September, um 19.30 Uhr im Juz in Eschwege statt. Dazu ist jeder herzlich eingeladen, der sich engagieren will. Die Bürgerversammlung der Stadt ist für den 31. Oktober um 17 Uhr im E-Werk geplant unter dem Titel: „Dich hat keiner gefragt! – Doch, wir fragen dich.“

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