„Und oben sind die Nackten“

Und oben sind die Nackten:  Der Eschweger Kunstverein zeigt eine  aufregende Ausstellung

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Vernissage: (von links) die Leiterin des Fachbereichs Kultur der Stadt Eschwege Judith Rode, der Künstler Claude Wall , die Vorsitzende des Eschweger Kunstvereins Angelika Knapp-Lohkemper, Patrick Walter von der VR-Bank Mitt e und Laudatorin Corinne Iffert. 

In der gemeinsamen Ausstellung des Kunstvereins Eschwege und der Kreisstadt sind die Werke Claude Walls zu sehen. Sie trägt den Titel: „Und oben sind die Nackten“.

Es ist ein aufregender Titel „Und oben sind die Nackten“. Aufregend ist der Titel wegen „oben“ – also wegen der „Nackten“. Die Ausstellung von Claude Wall lässt sich durch die Architektur des Hochzeitshauses auf dem Eschweger Schulberg gut gliedern – unten das eine und oben das andere: „Die Nackten“ eben.

Doch spätestens bei der Vernissage am Freitagabend konnte man feststellen, dass es keinen Grund zur Aufregung gibt. Nackt sind oben nur die Bilder, nicht aber die darauf dargestellten Personen – bis auf wenige Ausnahmen. Nackt sind die Bilder, weil sie keinen klar identifizierbaren Rahmen haben, im Gegensatz zu den Bildern unten.

Verschiedenste Rahmungen 

Die Bilder des Untergeschosses sind ausnahmslos mit unterschiedlichsten Rahmen versehen. Es sind die Rahmen, die zuerst da waren. Was in gewisser Weise ungewöhnlich ist. Denn meistens ist es umgekehrt, zuerst malt man ein Bild, das man dann nach Fertigstellung mit einem passenden Rahmen umgibt.

In einer Periode der Anfertigung zahlreicher Zeichnungen in den 1990er-Jahren sammelte Claude Wall jedoch ältere Rahmen, um seine Zeichnungen in diese einzufügen. Den Rahmen ihre angedachte Funktion auf ewig zu berauben, erschien Claude Wall nicht angebracht und so fasste er 2014 den Entschluss, den Fokus seines künstlerischen Schaffens u.a. auf die Füllung der Rahmen zu legen. Der Rahmen bestimmte also Motiv und Technik des für ihn gemalten Bildes, wobei der Künstler zahlreiche Inspirationen im großen Pool seiner über Jahrzehnte entstandenen Werke fand.

Das meint "die nackten oben"

„Doch was bedeuten die Nackten oben? Was ändert sich, wenn der Rahmen fehlt? Braucht die Kunst also keine Rahmen mehr? Sind rahmenlose Bilder autonome Objekte-frei von definierten Grenzen? Oder sind rahmenlose Bilder nicht paradoxerweise noch abhängiger von eben weitgreifenderen Rahmenbedingungen?“ Diese und andere Fragen stellte Corinne Iffert in ihrer Laudatio in den Raum.

Die Orte, an denen Claude Wall seine Werke präsentierte, zeigen deutlich die internationale Anerkennung seines künstlerischen Schaffens. Neben zahlreichen Städten in Deutschland stellte er in Österreich, Amerika, Frankreich, Dänemark, Italien, den Niederlanden und England aus. Und 2013 schon einmal in Eschwege, die Ausstellung damals trug den Titel „Espresso in den Alpen“ und wurde zu einem beträchtlichen Teil von der Werkgruppe der Übermalungen bestimmt.

Die Vernissage wurde von dem Trio Jazz Affairs bestehend aus Ulrich Bernhard am E-Piano, Ratze Rauch am Bass und Sängerin Simone Christ begleitet.

Öffnungszeiten

Diese Ausstellung ist eine gemeinsame des Kunstvereins Eschwege und der Kreisstadt Eschwge mit Unterstützung der VR-Bank Mitte. Sie ist noch bis zum 24. Januar zu den Öffnungszeiten des Hochzeitshauses zu sehen. Montag bis Donnerstag von 9 bis 13 Uhr, Montag von 14 bis 16 Uhr, Donnerstag von 14 bis 17.30 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr.

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