Fliegen in Eschwege

Eschweger Luftsportverein geht seit 70 Jahren in die Luft

Den Traum vom Fliegen kann man sich auch in Eschwege erfüllen. Seit 70 Jahren starten die Piloten vom Stauffenbühl aus. Zahlreiche Piloten wurden hier ausgebildet.

Auch Flüge mit Propellermaschinen sind beim ELV mit dem vereinseigenen Flugzeug möglich.

Eschwege – Wie so viele Jubiläumsfeiern musste auch die 70-Jahr-Feier des Eschweger Luftsportvereins (ELV) coronabedingt abgesagt werden. Dies ist jedoch kein Grund, nicht stolz auf die geleistete Arbeit in all den Jahren zu sein. Die Mitglieder des ELV stecken damals wie heute ihr ganzes Herzblut in den Verein, um sich ihren Traum zu erfüllen: mit dem Segelflugzeug oder dem Motorsegler die Gebiete des Werra-Meißner-Kreises und darüber hinaus aus der Vogelperspektive zu erleben. Denn wie sang schon Reinhard Mey: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“

Die Anfänge

Die Eschweger Flieger gingen ihrem Hobby vor dem Zweiten Weltkrieg auf den Flugplätzen in Hessisch Lichtenau und Ziegenhain nach, in Eschwege entstand derweil 1935/36 der Fliegerhorst auf dem Hirtenrasen. Das private Fliegen und die Segelflugausbildung waren während des Zweiten Weltkriegs bis 1950 verboten. Gründungsmitglied Heinz Wagner erzählt: „Wir haben uns vor der Aufhebung des Verbots heimlich getroffen und auf den Startschuss gewartet.“ Schließlich gab es grünes Licht und der Eschweger Luftsportverein feiert seine offizielle Gründung am 22. Oktober 1950. Erster Vorsitzender wurde Heinrich Kühnemund. Die Gründungsmitglieder Heinz Wagner, Edmund Fröhlich und Hans Bräutigam nahmen sich der Aufgabe an, den Verein aufzubauen und einen Flugplatz in Eschwege zu errichten.

Der Flugplatz

Auf der Suche nach einer geeigneten Stelle wurde der ELV am Fuße der Blauen Kuppe fündig. Unter der Führung von „Platzkommandant“ Bräutigam wurde das Gelände entsprechend hergerichtet.

Im Laufe der Zeit wurde das Gelände in Eschwege außerdem um Flugzeughalle, Clubheim und Werkstatt erweitert. Der ELV hatte sich mit dem Flugplatz Stauffenbühl ein Zuhause geschaffen. „Eines der schönsten Fluggelände Hessens“, wie Heinz Wagner findet. Einige Flugzeuge besaß der Verein bereits, unter anderem ein Grunau Baby, das die Mitglieder 1953 in der Turnhalle der Friedrich-Wilhelm-Schule zusammentüftelten. Die ebenfalls eigens gebaute Seilwinde ermöglichte den Start auf dem Stauffenbühl.

Der Verein heute

Der heutige Vorsitzende Andreas Wagner trat in die Fußstapfen seines Vaters und fand ebenfalls in der Fliegerei ein Hobby. „Wir wurden von den Älteren in der Entwicklung mitgenommen. Die Freundschaften und die Gemeinsamkeit zeichnen den ELV aus.“ Vor allem auf die Jugendarbeit wird großer Wert gelegt. Die Jüngeren übernehmen viel Verantwortung und tragen den Verein weiter in die Zukunft. Darunter steht ein festes Fundament aus nun 70 Jahren Vereinsarbeit. „Wir Jüngere sind dafür da, das zu erhalten. Den Älteren und allen Mitgliedern gebührt dafür großer Dank“, sagt Andreas Wagner.

Jugendarbeit: Fluglehrer und -prüfer wie Karsten Hofmann kümmern sich um für den Nachwuchs.

Auch heute betreibt der ELV ehrgeizig die Segelflugausbildung. Drei ehrenamtliche Fluglehrer bringen ihren Schülern den Traum vom Fliegen näher und bilden somit die nächste Generation Flieger aus.

Schöne Momente

In diesen Jahren dürften wohl sehr viele schöne Erinnerungen zusammengekommen sein. Heinz und Andreas Wagner fällt da auf Anhieb einiges ein: Fliegerferien in den Alpen, der erste Alleinflug oder die Grenzöffnung 1990. Ab da durften sie den Nachbarverein Mühlhausen besuchen und Touren in den ostdeutschen Luftraum unternehmen.

Höhepunkte: Zahlreiche Flugplatzfeste veranstaltete der ELV Anfang der 2000er-Jahre.

Andreas Wagner erinnert sich besonders an die 50-Jahr-Feier, mit allerhand Attraktionen wie Segelkunstflug und Hubschrauberflüge. Heinz Wagner bleibt besonders sein erster Versuch zum 50-Kilometer-Flug im Gedächtnis, bei dem er in Sontra auf dem Acker eingesammelt werden musste.

Fliegen auf dem Stauffenbühl: Der Eschweger Flugpionier Heinz Wagner sagt über den Flugplatz südlich von Eschwege: „Eines der schönsten Fluggelände Hessens.“  

Doch schließlich meisterte der damalige Flugschüler auch diese Herausforderung. Später war er selbst 44 Jahre lang Fluglehrer. „Ich habe meine Schüler damals immer gewarnt: Die Fliegerei ist wie eine Droge. Wenn man einmal angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören“, so der Eschweger. Das können ihm bestimmt alle Flieger genau so bestätigen. Alle Mitglieder sind sehr stolz auf ihren Verein und wünschen sich auch für die Zukunft viele schöne und vor allem sichere Flüge. (Anna Schellhase)

Rubriklistenbild: © Eschweger Luftsportverein

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