Johannisfest 2020

Zu Besuch bei den Eschweger Musikzügen: „Wir möchten endlich wieder auftreten“

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Gehören zum Stadtbild: Der Fanfarenzug Eschwege auf dem Marktplatz.

Für die Eschweger Spielmannszüge ist das Johannisfest der Höhepunkt des Jahres. Doch der fällt in diesem Jahr aus. Selbst Übungsstunden waren zuletzt schwierig. Ein Überblick.

Der Maienzug und der große Festzug mit vielen Kindern und Musikgruppen ziehen durch dicht von Zuschauern gesäumte Straßen der Eschweger Innenstadt. Ständchenspielen, Menschen unterhalten, neue Choreografien vorführen. So war es zumindest in den vergangenen Jahren. Zum Johannisfest hat die Stadt den öffentlichen Raum nicht für Musikveranstaltungen freigegeben. Wir haben uns bei den Eschweger Musikzüge umgehört, wie sie und der jeweilige Musikzug die Corona-Zeit und das Jahr ohne Johannisfest erleben.

Marchingband Dietemann

„Kurzerhand haben wir vereinbart, dass wir den Betrieb und die Proben komplett einstellen“, berichtet Stefanie Nölke, Vereinsvorsitzende der Marchingband Dietemann, von den Entwicklungen im März. Von da an musste man abwarten, wie sich die Dinge entwickeln.

So richtig wieder eingestiegen sind die Musiker, als die Lockerungen kamen, man sich ab sofort mit Abstand wieder treffen durfte – mit Hygienekonzept. „Es gab viel zu lesen, da die Stadt uns immer wieder weitere Informationen zukommen ließ, es gab immer wieder neue Vorschriften. Außerdem bekamen wir regelmäßig E-Mails vom Hessischen Musikverband“, sagt Nölke.

Voll konzentriert: die Marchingband Dietemann während eines vergangenen Johannisfestes. Foto: Marchingband

Zum Johannisfest plant die Marchingband am Samstag in der Jahnturnhalle bzw. nebenan auf dem Gartengrundstück ein kleines Training abzuhalten und dazu für ihre Leute zu grillen. „Wenn dann der eine oder andere – mit Abstand – hier am Zaun stehen bleibt, freuen wir uns.“

Die Marchingband Dietemann hat sich auch dem Aufruf von Bürgermeister Alexander Heppe angeschlossen und ein Video in Arbeit, das sie in ihren sozialen Netzwerken posten wollen.

Die finanziellen Verpflichtungen der Marchingband sind gering, da sie kein eigenes Vereinsheim haben. Material und Instrumente lagern in der Vereinsgaststätte „Zum Werrastrand“. Zu Corona-Zeiten haben sie auf das Vereinseigentum des ETSV, die Jahnturnhalle, zurückgegriffen. Die Jahnturnhalle benutzen sie seit den letzten vier Wochen. „Natürlich fehlt uns das Geld der Auftritte“, sagt Nölke. Eine finanzielle Schieflage steht nicht bevor.

Nach dem Johannisfest-Wochenende werden sie schauen, wie sie im weiteren Verlauf des Jahres vorgehen. „Wir werden die Zeit effektiv nutzen, uns innerhalb des Vereins neu zu sortieren, aber daran lassen wir die Öffentlichkeit teilhaben“, sagt die Vorsitzende.

Vorsitzende: Stefanie Nölke

Vereinsgründung: 1907

Mitgliederzahl: ca.100

Aktive: 28

Vereinsheim: „Zum Werrastrand

www.mbdietemann.de/

Spielmannszug Werratal

Noch zu Beginn der Corona-Pandemie hatte der Spielmannszug eine neue Show eingeübt, sagt Vorsitzender Ralf Fischbach, Vorsitzender des Spielmannszugs Werratal 1956. Die letzte Probestunde vor der Pandemie war am 12. März und die erste nach Corona war am Freitag vor rund zwei Wochen. Weil sie in der Öffentlichkeit nicht spielen dürfen, werden sie zum Johannisfest am Seniorenheim spielen. Das ist dann auf einem Privatgrundstück. „Dort können wir das umsetzten, aber in der Öffentlichkeit dürfen wir das natürlich nicht“, sagt René Pollack.

Während der Pandemie-Einschränkungen waren die Mitglieder über WhatsApp-Gruppen im Austausch. Für den Sender auf Facebook haben sie zwei Filme aufgenommen. „Damit wir nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Fischbach. Online war Proben wegen der Echo-Geräusche nicht möglich.

Rocken jedes Festzelt: Der Spielmannszug Werratal bei einer ihrer Choreografien. 

Dem Verein sind sämtliche Einnahmen weggebrochen. „Selbst das Vereinsheim, welches wir immer noch abbezahlen, durfte nicht mehr genutzt werden“, sagt Pollack. Ebenso konnten sie durch Vermietungen des Vereinshauses keine Einnahmen erzielen. Das gesellige Zusammensein wurde ohnehin unterbunden.

Die Musiker proben jetzt freitags und wollen zusätzlich den Montag noch hinzunehmen. „Wir trainieren mehr für die nächste Saison, da es dieses Jahr voraussichtlich nichts mehr wird“, sagt Pollack.

Vorsitzende: Ralf Fischbach und René Pollack

Vereinsgründung:1956

Mitgliederzahl 232

Aktive: 66

Vereinsheim: Rotjackentreff

www.sz-werratal.de

Fanfarenzug Eschwege

Der Fanfarenzug Eschwege hat während der Pandemie das Vereinsleben durch eine WhatsApp-Gruppe aufrechterhalten. „Es fanden während der Zeit keine Proben statt. Auch hatten wir keine Proben über Skype etc. gemacht“, sagen Marcus Bulst und Denis Breßler.

Gehören zum Stadtbild: Der Fanfarenzug Eschwege auf dem Marktplatz.

Für das Johannisfest seien mehr Behördengänge angefallen – wegen der Auflagen, die man wegen der Corona-Regeln einhalten muss. Dafür musste viel telefoniert werden. Der Lockdown hatte bei Fanfarenzug bislang nur geringe finanzielle Auswirkungen, da die Gagen der Auftritte weggefallen seien. „Weitere Verpflichtungen haben wir nicht, weil wir kein Vereinsheim haben“, sagt Dennis Breßler. So ganz ohne Auftritte können sie zu Johannisfest – trotz der Auflagen – nicht sein. Sie werden an den Seniorenheimen mit ausreichendem Abstand auftreten. „Wir hatten anfangs einen anderen Plan, aber dieser war nach Prüfung durch die Stadt nicht machbar“, sagt Marcus Bulst.

Definitive Pläne für die nächste Zeit hat der Fanfarenzug noch nicht, „weil wir nicht wissen, was noch für Lockerungen kommen.“ Einen Wunsch verfolgen alle Mitglieder: „Wir möchten gerne wieder auftreten.“

Vorsitzende: Marcus Bulst, Denis Breßler

Vereinsgründung: 1956

Mitgliederzahl: 253

Aktive: 58

Vereinsheim: „Zum goldenen Engel“ www.ffz-eschwege.de

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