Worte für das Unsagbare

Eschweger Pfarrerin: Über Missbrauch in der Kirche sprechen

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Spricht sich gegen Verjährung aus: Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost fordert Kirche zu internem Dialog auf.

Eschwege. "Sexueller Missbrauch in der Kirche" - das sollte laut Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost nicht nur beim historischen Missbrauchsgipfel in Rom, sondern in allen Kirchen ein Thema sein.

Mit dem Sonntag Invokavit beginnt die Passionszeit. „Es ist eine Zeit der Buße“, sagt Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost. „Christen sind dazu aufgefordert, die Leiden der Menschen zu erkennen, ihre eigene Schuld zu erkennen und umzukehren.“ In ihrer Predigt in der Neustädter Kirche stellte die Pfarrerin deshalb das Thema „Sexueller Missbrauch in der Kirche“ in den Mittelpunkt.

Denn erstens müsse man das Leid benennen und Worte für das Unsagbare finden, sagt sie. Zweitens müsse das Thema Missbrauch von Kindern und Jugendlichen auch und gerade im Raum der Kirche zur Sprache kommen, denn die Kirche als Ganzes sei betroffen. Sowohl die Opfer als auch Täter gehörten ihr an. „Zwar gibt es in der katholischen Kirche Strukturen, die Missbrauch begünstigen, doch auch in der evangelischen Kirche gibt es Missbrauchsfälle, davon müssen wir auch sprechen“, sagt die Pfarrerin. „Schließlich sind wir gemeinsam Kirche.“

Deutliche Worte von Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost

In der Predigt findet sie deutliche Worte. Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sei Unrecht und es sei schockierend, dass Ordensleute, Priester und Pfarrer zu Tätern wurden. Schockierend sei auch, dass die Taten so lange vertuscht werden konnten. 

Sie spricht sich dafür aus, dass die Taten juristisch nicht nach zehn Jahren verjähren dürften und hält den Tätern vor Augen: „Sünde verjährt nicht! Es gibt keine Entschuldigung dafür. Die Taten hängen den Tätern an wie ein Mühlstein um den Hals.“ Die Täter müssen in sich blicken und bereit sein zum Einsehen, zur Reue und zur Umkehr, wenn sie Gottes Vergebung erhalten wollten.

Das Unrecht muss benannt werden

Den Opfern, die sich oftmals schämten und deshalb die Taten an ihnen verdrängten und das Geschehen in ihrem Inneren einkapselten, ruft Sieglinde Repp-Jost zu, sich nicht selbst die Schuld zu geben. Das Unrecht müsse benannt werden. Zudem brauche es öffentlichen Protest und das Aufzeigen von Grenzen, um Kinder und Jugendliche zu schützen. „Jeder von uns braucht offene Augen und Ohren und einen inneren Kompass“, sagt sie.

Im Kirchenkreis Eschwege gebe es in den Kindertagesstätten und der Jugendarbeit Leitlinien zum Schutz der Kinder. Zudem werde mit Hilfe der Fachstelle für Suchtprävention auch Präventionsarbeit für Jugendliche angeboten. Sieglinde Repp-Jost fordert: „Umkehren heißt für die Kirche auch, sich den Opfern zuzuwenden und Fälle von Missbrauch konsequent zu verfolgen, egal wie lange sie zurückliegen.“

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