Appell für Menschlichkeit

Nachruf: Eschwegerin Ursula Vaupel ist im Alter von 89 Jahren gestorben

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So wird sie vielen in Erinnerung bleiben: Ursula Vaupel. Vergangene Woche starb die Lehrerin, Politikerin und Autorin aus Eschwege im Alter von 89 Jahren. Bis zuletzt engagierte sie sich mit ihrem Appell an die Menschlichkeit. Unser Foto zeigt sie bei einem Zeitzeugengespräch im März in der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege

Eschwege. Als Historikerin, Autorin, Politikerin und nicht zuletzt auch als Lehrerin war Ursula Vaupel in unserer Region vielen Menschen ein Begriff. Vergangene Woche starb sie 89-Jährig.

Besonders mit ihrem Buch „Auch ich war ein Hitler-Mädchen“ drang Ursula Vaupel zu den Menschen durch. In diesem Jahr wäre die Eschwegerin 90 Jahre alt geworden. Vergangene Woche ist Ursula Vaupel gestorben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg – da war sie gerade knapp 17 Jahre alt – hat sich Ursula Vaupel, die damals noch Walldorf hieß, Schritt für Schritt aus der geistigen Gefangenschaft der NS-Ideologie befreit, wobei ihr Begegnungen auch mit Opfern des Nazi-Regimes geholfen haben. Verarbeitet hat sie ihre Erfahrungen in dem Buch „Auch ich war ein Hitler-Mädchen“, welches sie in zahlreichen Lesungen einem großen Publikum näherbrachte. Sie appellierte dabei stets an die Menschlichkeit: „Hasset niemanden. Denn Hass zerstört. Es ist an euch, die Menschenwürde zu bewahren“, sagte sie bei einem ihrer zahlreichen Vorträge.

Politisch bezeichnete sie sich selbst als „linke Grüne“. Und ihre Vita lässt keinen Zweifel am eigenen Wandel zu: 2014 wurde Ursula Vaupel für ihre 30-jährige Mitgliedschaft bei Bündnis 90/Die Grünen geehrt. Über ihre Zeit im Stadtparlament von Eschwege sagte sie in diesem Zusammenhang: „In der Eschweger Stadtverordnetenversammlung waren wir damals nur zwei grüne Abgeordnete mit viel Arbeit und wenig Erfolg.“ Denke man an diese Anfänge zurück und schaue, wie die Grünen im Werra-Meißner-Kreis mit dem Ersten Kreisbeigeordneten und einer stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Landtag heute aufgestellt sind, sei sie stolz darauf, bei den Grünen dabei zu sein.

Die Grünen im Werra-Meißner-Kreis trauern um eine außergewöhnliche Persönlichkeit und ein engagiertes Mitglied. „Unsere Gedanken sind jetzt bei ihrem Mann und ihrer gesamten Familie“, drücken der Kreisvorstand und die Landtagsabgeordnete Sigrid Erfurth ihr Beileid aus. „Wir sind stolz darauf, dass eine solch außergewöhnliche Persönlichkeit unsere Partei mitgeprägt hat“, sagt Felix Martin, Vorstandssprecher der Grünen Werra-Meißner.

Ehrenbrief des Landes

Neben ihrem Engagement bei den Grünen war Ursula Vaupel auch Mitglied im Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und in der Bildungsarbeit des DGB tätig. Sie setzte sich für Frauen in Not ein, engagierte sich in der örtlichen Hospizgruppe bei der Begleitung Sterbender und beteiligte sich an der Betreuung von Asylbewerbern. Im Jahr 2013 wurde Ursula Vaupel für ihren vielseitigen Einsatz für die Gesellschaft der Ehrenbrief des Landes Hessen verliehen. (red)

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