„Unsere Stadt muss attraktiv bleiben“

Interview: Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe ist seit zehn Jahren im Amt

Alexander Heppe bei seiner Vereidigung 2015.

Am gestrigen 1. Dezember war Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe genau zehn Jahre im Amt. Wir blicken auf seine bisherige Amtszeit zurück, ziehen eine Bilanz und werfen einen Blick auf Eschwege in zehn Jahren.

Herr Heppe, warum ist das Amt des Bürgermeisters der schönste Beruf der Welt?

Weil es guttut, sich für seine Heimat einzusetzen, und der Beruf unglaublich vielfältig ist. Jeden Tag komme ich mit Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen. Handwerk, Mittelstand, Vereine, Kirchen, Sport, Ehrenamtliche. Außerdem hat die Kreisstadt wegen ihrer Größe Entwicklungspotenzial. Ich bin nicht nur Bürgermeister für die Menschen in Eschwege, sondern sehe mich im Dienst für die Menschen der ganzen Region.

Und warum nervt der Job?

Alexander Heppe im ersten Amtsjahr am Schreibtisch.

Es macht große Freude, als Bürgermeister für die Menschen da sein zu dürfen. Insofern ist es für mich kein „Job“, denn ich möchte das in mich gesetzte Vertrauen erfüllen. Also: Die schönen Momente überwiegen. Es nervt höchstens dann einmal, wenn die Meckerer – die nordhessischen Knerbelköppe – besonders hartnäckig sind.

Ihren Gestaltungswillen leben Sie besonders im Stadtumbau aus. Warum ist das so wichtig für Sie?

Weil unsere, meine Heimatstadt weiter attraktiv bleiben soll. Gerade für junge Familien müssen wir modernen Wohnraum in historischer Kulisse schaffen, um ihnen zu zeigen, dass Eschwege einfach lebenswert ist. Die Programme „Bauen im Bestand“ und „Jung kauft Alt“ sind dafür konkrete Beispiele.

Haben Sie das in den vergangenen zehn Jahren geschafft?

Alexander Heppe nach dem Einzug in die Stichwahl mit Konkurrent Andreas Hölzel.

Die Zahlen sprechen dafür. Nach den Prognosen aus dem Jahr 2006 sollten wir heute mindestens 2000 Einwohner weniger haben. Es kam anders: Der demografische Wandel ist in Eschwege „vorerst ausgefallen“, weil wir die Stadt modernisiert haben. Viele mittelständische Firmen bauen um, erweitern, Gewerbegrundstücke werden knapp. Im Bahnhofsumfeld hat sich unglaublich viel getan. 87 Wohnungen wurden in der Umgebung modernisiert. Der Werraufer-Park ist ein weiteres 20-Millionen-Projekt. Außerdem siedelt sich hinter dem Bahnhof gerade ein Ärztezentrum an und wir bauen einen großen Kindergarten.

Die Fertigstellung der Kita mit sechs Gruppen verschiebt sich um ein halbes Jahr. Hat die Kreisstadt genug Betreuungsplätze?

Ja, aber der Bedarf wächst. Der spätere Fertigstellungszeitpunkt verschafft uns zusätzliche Fördermittel in siebenstelliger Höhe und entlastet den Haushalt. Wir haben den Anspruch, jedem Kind einen Platz anzubieten. Tagesmütter und -väter sind hier eine gute Alternative. Außerdem gilt: Ein Telefonanruf in der Stadtverwaltung genügt, damit wir helfen. Auch ich habe als Bürgermeister natürlich immer ein offenes Ohr.

Welche Projekte der vergangenen zehn Jahre haben am meisten Spaß gemacht?

Gleich im ersten Jahr haben wir mit der Projektentwicklungsgesellschaft die Schlossgalerie an den Start gebracht. Das war für die Weiterentwicklung der Innenstadt unheimlich wichtig. Außerdem macht es Spaß, das Quartier Brückenhausen zu entwickeln. Die Spiel- und Bewegungslandschaft mit Pumptrack war auch so ein Herzensprojekt. Eigentlich gibt mir jedes Projekt viel Freude, auch in den dörflich geprägten, doch umso lebendigeren Stadtteilen. Und mit der bald startenden energetischen Quartiersanierung haben wir schon jetzt bundesweit Aufmerksamkeit in Fachkreisen erzielt.

Wo sollte Eschwege noch besser werden?

Wie zuvor im Bahnhofsviertel erfolgreich gezeigt, wollen wir nun auch Brückenhausen aus dem Dornröschenschlaf wecken. Hier muss ein Quartier für Leben und Arbeiten gleichermaßen entstehen. Außerdem würde ich gerne mehr Start-ups fördern und junge Menschen für die Selbstständigkeit ermutigen. Klimaanpassung und Mobilität treiben mich um, auch als Vater. Es sollte mehr in die Fahrradmobilität investiert werden. Mehr Radfahrer und auch E-Bikes werden Eschwege verändern. Wir müssen in Raum und Sicherheit für Radfahrer investieren, mehr Radwege und auch Abstellflächen anbieten.

Wie sieht Eschwege denn in zehn Jahren aus?

Bürgermeister im Wandel der Zeit: Alexander Heppe im Wahlkampf 2009.

Ich möchte, dass die Stadt sich einladend präsentiert, man sich willkommen fühlt und sieht, dass hier eine lebendige Innenstadt beginnt. Dafür muss man das Gesicht der Stadt behutsam verändern, damit sich die Menschen weiter wohlfühlen. Nicht umsonst heißt unsere Stadtumbau-Seite „eschwege-mitgestalten.de“. Außerdem müssen wir darauf achten, dass Eschwege weiterhin wichtiger Wirtschaftsstandort und Einkaufsstadt bleibt und Familien sich willkommen und zu Hause fühlen.

Zur Familienfreundlichkeit gehören Freizeitangebote. Ein Reizthema Ihrer Amtszeit: der Werratalsee. Warum ist es bisher nicht gelungen, das Problem zu lösen? Vorschläge gibt’s ja viele.

Weil in den vergangenen Jahrzehnten in Zeiten des Kiesabbaus Fehler gemacht wurden. Viele Fehler. Durch das Bergrecht wurde die Pegelhöhe zwischen Werra und See zu niedrig angesetzt. Hier herrscht ein Widerstreit der Interessen zwischen einer guten Wasserqualität des Sees und dem Hochwasserschutz für Brückenhausen und Grebendorf. Deswegen können wir jetzt den Pegelstand nicht einfach angleichen. Das Planungsrecht ist ohnehin kompliziert, weil viel zu viele Behörden involviert sind. Außerdem muss auch die Gemeinde Meinhard mitspielen, immerhin liegt der größere Teil des Sees auf Meinharder Gebiet.

Ebenso heiß diskutiert ist das Freibad. Nach dem Abriss wird jetzt doch ein neues gebaut, die Opposition wirft Ihnen zwei Jahre vor der Bürgermeisterwahl Taktik vor. Warum ist jetzt doch ein Neubau möglich?

Weil sich die Vorzeichen geändert haben. Die Technik für ein Naturfreibad, wie es im Eschweger Schwimmbad gebaut wird, hat sich weiterentwickelt. Es ist jetzt möglich, deutlich kostengünstiger zu bauen. Außerdem hat sich die wirtschaftliche Lage der Stadtwerke verbessert. In der Vergangenheit lagen die Prioritäten auf dem Ausbau regenerativer Energien. Jetzt sind Kapazitäten frei geworden. Außerdem ist das Zinsniveau gerade ideal.

Die nächste Bürgermeisterwahl in Eschwege ist 2021. Treten Sie wieder an?

Ich möchte mit den Bürgern dieser Stadt gemeinsam in die Zukunft gehen. Ich will langfristig Verantwortung tragen, habe noch viel vor und spüre den Zuspruch der Eschweger. Die Antwort auf Ihre Frage lautet also: Ja, ich will weitermachen.

Wie hat sich denn der Bürgermeister Heppe in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Bei der ersten Wahl 2009 hatte ich noch keinen Bart (lacht). Nein, Freunde und Familie werden sicherlich bestätigen, dass ich immer noch der gleiche Alex bin, den auch die Eschweger seit vielen, vielen Jahren kennen. Ich habe aber in den zehn Jahren als Bürgermeister viel an Erfahrung gewonnen.

Zur Person

Alexander Heppe (43) hat in Eschwege sein Abitur abgelegt und in Göttingen Rechtswissenschaften studiert. Einige Zeit hat er in Eschwege eine Kanzlei am Nikolaiplatz betrieben, bevor er sich 2009 für die CDU um das Amt des scheidenden Bürgermeisters Jürgen Zick beworben hat. In einer Stichwahl setzte er sich gegen SPD-Bewerber Frank Herbert durch. Sechs Jahre später siegte er mit 62 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gegen seine Herausforderer Jörg Heinz (SPD) und Bernhard Gassmann (Die Linke). Als Vorsitzender der AG Nord und Mitglied des Präsidiums des hessischen Städtetags vertritt er die Interessen der hessischen Städte im ländlichen Raum. Heppe ist verheiratet mit Ehefrau Ina und Vater von den Söhnen Carl und Ludwig.

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