Auszeichnung wird seit 1835 vergeben

Eschweges Ehrenbürger: Eine Frau unter 16 Männern

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Ehrengalerie im Rathaus: Das Bild des jüngsten Ehrenbürgers Herbert Fritsche hängt seit wenigen Wochen in der Ehrengalerie. Bürgermeister Alexander Heppe und Abteilungsleiterin Dagmar Schade-Kurz zeigen das Gemälde. 

Eschwege. Die Kreisstadt Eschwege geht alles andere als inflationär mit der Vergabe von Ehrenbürgerschaften um. Ganze 17 Eschweger bekamen die höchste zu vergebende Auszeichnung seit der Einführung 1835 – darunter mit Martha Eberhard nur eine Frau.

"Wir gehen sehr zurückhaltend mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft um“, sagt Bürgermeister Alexander Heppe. Seit der Einführung vor knapp 183 Jahren wurden ganze 17 Eschweger mit diesem außergewöhnlichen Ehrentitel ausgezeichnet. 

Zuletzt wurde Herbert Fritsche geehrt: im Jahr 2015. Fritsche (83) ist der einzige noch lebende Ehrenbürger und der erste seit Fritz Delius, der die Auszeichnung 1980 bekam – vor 35 Jahren. Der frühere Studiendirektor und Leiter der Friedrich-Wilhelm-Schule wurde für seine Verdienste bei der Aufarbeitung der Stadtgeschichte, bei der Realisierung des europäischen Gedankens in der Städtepartnerschaft mit Saint-Mandé sowie für sein Engagement im Sport ausgezeichnet. Sein Porträt hängt seit wenigen Wochen im Rathaus.

Keine Ehrenbürger ernannt während des NS-Regimes

Erst sieben Eschweger wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Ehrenbürger. Während der Nazi-Diktatur wurde nicht eine Auszeichnung dieser Art vergeben – die Stadt Eschwege ersparte es sich so, ausgesprochene Ehrungen nach Beendigung der Schreckensherrschaft zurücknehmen zu müssen. „Das besondere Engagement muss erkennbar sein, die Verbindung des eigenen Lebenswerks mit Eschwege“, sagt Bürgermeister Heppe.

Über die Verleihung dieser höchsten Auszeichnung entscheidet allein die Stadtverordnetenversammlung. Vergünstigungen gibt es übrigens auch für Ehrenbürger nicht. „Das sind Bürger wie jeder andere, die natürlich auch sämtliche Steuern zu zahlen haben“, sagt Heppe. Selbst kostenlose Fahrten mit der Straßenbahn gibt es nicht – das scheitert schon daran, dass es in Eschwege keine Straßenbahn gibt.

Das sind neben Herbert Fritsche die 16 weiteren Ehrenbürger der Kreisstadt:

Friedrich Ernst Möller

Friedrich Ernst Möller ist einer der drei ersten Ehrenbürger Eschweges. Er wurde ebenso wie Carl Adolf Eckhardt und Anton Jakob Spangenberg am 6. Juli 1835 ernannt. Der geheime Regierungsrat wurde für seine Verdienste auf dem Schulsektor ausgezeichnet. Der 1781 in Marburg geborene und 1850 gestorbene Möller tat sich bei der Neuordnung des Schulsystems in Eschwege hervor. Unter anderem wird ihm der Umbau des Hochzeitshauses in ein modernes Schulgebäude zugerechnet.

Carl Adolf Eckhardt

Carl Adolf Eckhardt gehört zu den ersten drei Eschweger Ehrenbürgern, die am 6. Juli 1835 ernannt wurden. 1782 in Orferode geboren, war der Prokurator und Landtagsabgeordnete anwaltlich für die Stadt tätig, ohne dafür Honorare zu berechnen. Eckhardt galt als begabter Redner und setzte sich für die Zollvereinigung Kurhessens mit Preußen ein, er starb 1839. Nach ihm ist eine Straße in der Kreisstadt benannt:

Anton Jakob Spangenberg

Anton Jakob Spangenberg wurde die Ehrenbürgerwürde am 6. Juli 1835 verliehen. Damit gehört er zu den drei ersten Ehrenbürgern Eschweges, die an diesem Tag ernannt wurden. Spangenberg, 1796 in Arnsbach geboren, kam 1819 als Distriktingenieur nach Eschwege. Der Landbaumeister zeichnete die erste Karte von Eschwege und war maßgeblich am Ausbau des

Leuchtbergs zum Volkspark

beteiligt. Dort steht auch heute noch der

Spangenberg-Brunnen

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Johann Christoph Hochhuth

Johann Christoph Hochhuth im hohen geistlichen Rang eines Metropolitan, Dr. der Theologie ehrenhalber und Historiker, tat sich als Heimatforscher hervor. Er wurde 1790 in Eschwege geboren und 69 Jahre später zum Ehrenbürger ernannt. Vier Jahre später starb Hochhuth. Das theologische Examen legte er bereits als Achtzehnjähriger ab, wurde Lehrer und später Rektor der Bürgerschule und Pfarrer der Altstädter Gemeinde in Eschwege.

Christian Gonnermann

Christian Nicolaus Gonnermann, 1803 in Rotenburg geboren, war Pfarrer der Neustadt und der Altstadt, Lehrer und Rektor an der Mädchenschule. Die Ehrenbürgerwürde wurde dem Metropolitan anlässlich seines 50. Dienstjubiläums am 17. Juni 1874 verliehen. Gonnermann starb 1883.

Friedrich Ernst Gebhard

Friedrich Ernst Gebhard

 war in Eschwege von 1855 bis 1887 Bürgermeister. Außerdem war er Gründungsmitglied des Werratalvereins. Gebhard wurde 1823 in Eschwege geboren und starb 1889. Die Ehrenbürgerschaft wurde ihm noch während seiner Amtszeit als Bürgermeister anlässlich seines 25. Dienstjubiläums am 24. Januar 1880 verliehen.

Franz Nitschmann

Franz Nitschmann, geboren 1845, zum Ehrenbürger ernannt am 31. Mai 1877, gestorben 1916, war geheimer Baurat und erbaute unter anderem die Leuchtberghalle. In Königsberg geboren, kam er zum Bahnbau in die Region und wurde mit 32 Jahren jüngster Eschweger Ehrenbürger.

Heinrich Burghard Vocke

Heinrich Burghard Vocke wurde am 14. April 1913 Ehrenbürger Eschweges. An diesem Tag war er 25 Jahre Bürgermeister der Stadt. Noch im selben Jahr starb der 1853 geborene Vocke, dem bedeutende Erweiterungen der Stadt und der Infrastruktur zugutegehalten werden. Zudem war er jahrelang Mitglied im Provinziallandtag der Provinz Hessen-Nassau.

Karl Friedrich Hochhuth

Karl Friedrich Hochhuth, 1852 geboren und 1935 gestorben, war 35 Jahre Stadtverordneter, vier Jahre Stadtverordnetenvorsteher und in der Bürgerschaft hoch angesehener Schuhfabrikant. Er habe sich unentwegt für das öffentliche Wohl eingesetzt, heißt es zur Begründung der am 1. März 1919 verliehenen Ehrenbürgerschaft.

Edward Georg Stendell

Edward Georg Stendell war der zehnte Ehrenbürger Eschweges. Er wurde am 28. Juni 1926 ernannt. Der Lehrer unterrichtete insgesamt 41 Jahre an der Friedrich-Wilhelm-Schule, war von 1899 an deren Direktor und erwirkte den Ausbau zur „Vollanstalt mit Abitur“. Der Stadtverordnete– geboren 1854, gestorben 1937 – fertigte außerdem historische Studien über Eschwege.

Dr. Ernst Gebhard

Dr. Ernst Gebhard wurde wegen seines sozialen Engagements am 7. Mai 1946 Ehrenbürger der Stadt Eschwege. 1869 geboren und 1956 gestorben, war Dr. Gebhard 16 Jahre Stadtverordneter und zwölf Jahre Vorsitzender des Gremiums. Darüber hinaus, so heißt es in der Begründung zur Verleihung des Ehrentitels, habe sich der Sanitätsrat als Arzt den Armen gewidmet.

Friedrich Hoßbach

Friedrich Hoßbach (1877 bis 1971) war Stadtverordnetenvorsteher, Vorsitzender der SPD und sechzig Jahre kommunalpolitisch aktiv. Er leitete das Arbeitsamt in Eschwege. Ausgezeichnet wurde Hoßbach als Stadtältester und am 31. Dezember 1957 zum Ehrenbürger der Kreisstadt ernannt. Nach ihm ist eine Straße in der Kreisstadt benannt:

Otto Lindenberg

Otto Lindenberg wurde am 4. Juli 1964 Eschweger Ehrenbürger. 1945 gründete er die FDP in der Kreisstadt, beteiligte sich an der Entwicklung der Allgemeinen Ortskrankenkasse und am Vorläufer des heutigen Landeswohlfahrtsverbandes. Lindenberg war Fabrikant, Stadt-verordneter und Stadtrat, wurde 1881 geboren und starb 1976.

Ernst Andreas

Ernst Andreas, 1881 geboren und 1970 gestorben, war Stadtrat, Mitbegründer der Feuerwehr und vielfach ehrenamtlich tätig. Wie auch Otto Lindenberg und Martha Eberhard wurde dem Brauereibesitzer am 4. Juli 1964 die Ehrenbürgerwürde der Kreisstadt Eschwege verliehen.

Sie ist die einzige Ehrenbürgerin in Eschwege: Martha Eberhard.

Martha Eberhard

Martha Eberhard ist die einzige Frau, der in Eschwege seit 1835 bis heute die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde. Zwischen 1912 und 1963 leitete Eberhard das Hospital Sankt Elisabeth. Sie wurde 1892 geboren und starb 1976. Nach ihr wurde eine Straße in der Kreisstadt benannt:

Fritz Delius

Fritz Delius (1910 bis 1993) wurde am 2. Juli 1980 Ehrenbürger. Der frühere Dekan des Kirchenkreises und Pfarrer der Altstadt gründete das kirchliche Rentamt und die Familienbildungsstätte. Außerdem war Delius Vorsitzender der Werraland-Werkstätten. In Datterode betreiben die Werraland-Werkstätten heute eine Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderng im Fritz-Delius-Haus. In der Kreisstadt ist eine Straße nach ihm benannt:

Ehrenbürger in Eschwege: Die Messlatte liegt hoch:

„Persönlichkeiten, die sich um die Kreisstadt Eschwege durch außergewöhnliche Leistungen oder in ganz besonderer Weise um die Allgemeinheit verdient gemacht haben, kann das Ehrenbürgerrecht verliehen werden“, heißt es in Paragraph 3 der Ehrenordnung in Absatz 2. Die Ehrenbürgerschaft ist die höchste Auszeichnung, die die Kreisstadt zu vergeben hat. Darunter rangieren die Verleihung der Ehrenbezeichnung „Stadtältester“ und die Auszeichnung mit der Ehrenplakette. 

In Paragraph 2 der Ehrenordnung ist diese Abstufung festgelegt. Danach besteht auch die Möglichkeit, Straßen, Wege, Plätze und Bauwerke nach verdienten Persönlichkeiten zu benennen. In Eschwege wird davon inzwischen abgesehen, nachdem mit viel Aufwand und nicht ohne Widerstand aus Teilen der Bevölkerung erst vor wenigen Jahren zwei Auszeichnungen dieser Art zurückgenommen werden mussten: Eine Straße war bis in die jüngste Vergangenheit nach Nazi-Bürgermeister Dr. Alexander Beuermann benannt.

Hier finden Sie eine Liste von weiteren Persönlichkeiten der Stadt Eschwege.

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