Wie läufts in den Partnerstädten? Eine Stunde Ausgang in Frankreich

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Frankreich: Eine Pariserin geht an einem Plakat vorbei, auf dem Menschen mit systemrelevanten Berufen mit dem Wort „Merci“ gedankt wird.

Strenge Ausgangsbeschränkungen in Frankreich, schwierige Situation in Ungarn und Österreich - so sieht es in den Partnerstädten des Kreises aus. 

Frankreich – Viele Kommunen des Werra-Meißner-Kreises pflegen Partnerschaften mit Städten und Gemeinden im Ausland. Wie gehen die Menschen mit der Corona-Pandemie um? Ein Überblick:

In Frankreich gehen die Beschränkungen weiter als in Deutschland. Seit März gibt es eine Ausgangssperre. Nur in besonderen Fällen ist das Verlassen der Wohnung erlaubt: Arztbesuche, Arbeitsweg, Einkäufe, der Besuch Hilfsbedürftiger. Spazieren gehen ist täglich erlaubt, aber nur eine Stunde, im Umkreis von einem Kilometer um den Wohnort und nur mit Menschen aus dem eigenen Haushalt. Sport ist alleine erlaubt, Fahrradfahren nur für den Arbeitsweg gestattet. Jeder Ausgang muss dokumentiert werden. Geschlossen sind Schulen, Restaurants, Verwaltungen und Kaufhäuser. Weiterhin geöffnet haben Supermärkte und Apotheken.

Waldkappel: 

Die Stadt pflegt eine Beziehung zur Gemeinde Carhaix-Plouguer in der Bretagne. Bislang gibt es einige Infizierte, aber keine Todesfälle, berichtet Waldkappels Bürgermeister Reiner Adam. Den Samstagsmarkt gibt es für Lebensmittel noch, Wohltätigkeitsorganisationen verteilen Lebensmittelpakete. Wie das Open Flair wurde auch das in Carhaix ansässige Musikfestival Vieilles Charrues abgesagt. Dort wären Lenny Kravitz, James Blunt und Céline Dion aufgetreten. Insgesamt respektierten die Einwohner die Einschränkungen. Schwierig würde es in den Seniorenheimen werden, viele hätten keinen richtigen Kontakt mehr zu ihren Familien.

 

Wanfried hat Partnerschaften mit der Stadt Plouescat (Bretagne) und Altenburschla mit der Gemeinde Villeneuve--les-Sablon, nördlich von Paris. Die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Nicole von Oettingen, berichtet: „In Villeneuve hat man das Glück wie in Altenburschla, dass die meisten Familien in einem Haus mit Grundstück wohnen und nicht in einem Mehrfamilienhaus ohne Balkon.“ Es gibt einen Lebensmittelladen, eine Pizzeria, einen Kiosk und auch der Fischhändler kommt regelmäßig. Es gibt auch in Villeneuve zahlreiche Hilfsangebote für ältere und kranke Menschen. Bislang sind zwei Personen mit dem Coronavirus infiziert. Der für Pfingsten geplante Besuch aus Villeneuve wurde abgesagt.

Meinhard: 

Es besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Courçon d’Aunis an der Westküste. Auf Kreisebene sind dort 82 Personen im Krankenhaus, 27 Menschen gestorben (Stand 15. April), berichtet Bernadette Tancredi, Präsidentin des Städtepartnerschaftsvereins. In Courçon ist mittwochs nach wie vor Markttag mit Metzgern, Fisch-, Obst- und Gemüsehändlern. Die Einwohner hielten sich an die Regeln, telefonierten mit ihren Freunden und Familienangehörigen. In Courçon sei die Ausgangssperre zu ertragen, man könne das Haus verlassen und in den Garten gehen, sei schnell in der Natur. Ende Mai wäre eine Delegation nach Meinhard gereist, um 15 Jahre Städtepartnerschaft zu feiern und den Place de Courçon einzuweihen, der an der Weinberghalle in Frieda gestaltet wird. Das wurde auf 2021 verschoben.

 

Es bestehen zu den vier Partnergemeinden Bellou-en-Houlme, La Coulonche, Saires la Verrerie und La Ferriere aux Etangs in der Normandie Beziehungen. Frank Planner, Betreuer der Freundschaft, berichtet: In den Gemeinden gibt es bislang keine Corona-Fälle. „Unsere Partnergemeinden sind in einer ländlichen Region, wo die meisten Häuser mit Gärten haben. Dort lassen sich die Ausgangsbeschränkungen ertragen“, sagt Planner. In der Normandie, die sehr touristisch ist, hat man festgestellt, dass viele Pariser unerlaubterweise in ihre Zweitwohnsitze gezogen sind. Nun gibt es in der Bevölkerung die Sorge, dass die Krankenhaus-Kapazitäten nicht ausreichen würden. Abgesagt werden mussten ein geplanter Schüleraustausch und eine Fahrt in die Normandie im Sommer.

Gánt – Wehretal: 

 Beide Kommunen unterhalten seit 2006 offiziell eine Partnerschaft zur ungarischen Gemeinde Gánt – westlich von Budapest. Spartenleiter der Freundschaft Jürgen Beck berichtet aus einem Gespräch mit einem örtlichen Gastwirt: Die Situation sei ähnlich wie in Deutschland. Alle Gaststätten geschlossen, Essen dürfe aber ausgeliefert und abgeholt werden. Auch in Ungarn müssten die Gastronomen einen wirtschaftlichen Schaden verkraften. Der Staat bezuschusse die beschäftigungslosen Gastronomiemitarbeiter und entlaste Arbeitgeber bei der Abgabe der Lohnnebenkosten. Zur Zeit gebe es in Gánt noch keinen Corona-Fall, die Menschen hielten sich an die Kontakt-Einschränkungen. Viele Arbeitnehmer seien nun allerdings zu Hause, weil die Betriebe schließen mussten. Die Menschen hofften auf eine Verbesserung der Situation und auf Erleichterungen im gemeinsamen Umgang. Sie hätten im Hinblick auf die Gesundheitsgefahr aber Verständnis. Den für den Juli geplanten Besuch in Gánt hat die Gemeinde Wehretal auf 2021 verschoben. 

Schörling - Wanfried: 

Schörfling – Wanfried pflegt seit 1987 eine Partnerschaft mit der österreichischen Marktgemeinde Schörfling am Attersee – östlich von Salzburg. Laut Bürgermeister Gerhard Gründl sind bislang drei Personen mit dem Coronavirus infiziert, eine davon bereits genesen (Stand 16. April). Auch in Österreich gilt: Abstand zueinander halten. Geschlossen sind Schulen, Universitäten, Kirchen, Restaurants und Hotels. In Schörfling musste auch die Hafenanlage zum Attersee bis vor Kurzem geschlossen bleiben. Allgemein beginnt das Land langsam, die Corona-Beschränkungen zu lockern. Auf die Vorschriften reagierten die Bürger laut Gründl positiv, hielten sich zum Großteil daran. Positiv auch: die Hilfe für Älter

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