Gesundheit

Evangelische Familienbildungsstätte bietet Hilfe für pflegende Angehörige

Eine Person hält die Hand einer anderen Person, die im Bett liegt.
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Pflegende Personen können sich ebenfalls Hilfe holen.

Eben ist man noch Tochter oder Sohn, Ehefrau oder Ehemann – dann kommt der große Rollenwechsel. Nicht immer ganz unerwartet, aber oft von heute auf morgen, werden Eltern oder der Partner pflegebedürftig und stellen damit ganze Familien vor immense Herausforderungen.

Eschwege – „Pflege ist eine 24-Stunden-Aufgabe – das strengt sehr an und nimmt viel Raum im Leben ein“, weiß Sigrid Bommhardt, die sich in Eschwege an der evangelischen Familienbildungsstätte (FBS) seit 2011 um pflegende Angehörige kümmert.

Sigrid Bommhardt von der Evangelischen Familienbildungsstätte.

Doch trotz großer Belastung entscheiden sich gerade auf dem Land, wo familiäre Strukturen enger sind als in der Stadt, der überwiegende Teil der Menschen, ihre Angehörigen zuhause zu pflegen – oft bis zu deren Tod – und gegen die Option einer Pflegeeinrichtung. Nach Auskunft des Landkreises macht der Anteil der Pflegebedürftigen, die im eigenen häuslichen Umfeld betreut und versorgt werden, im Werra-Meißner-Kreis 73 Prozent aus (Stand 2017).

Austausch stützt

Um pflegende Angehörige zu unterstützen, bietet die Familienbildungsstätte einmal im Monat Gesprächskreise in kleinen, miteinander vertrauten Gruppen an. Dort erzählen die Menschen sich von ihrem Pflegealltag, davon, welche Unterstützung sie in Anspruch nehmen, wie sie ihre eigene Familie organisieren, aber auch von ihrem Kummer.

„Manchmal kommen die Leute völlig erschöpft von Zuhause hier an und können dann aber in so einer geschlossenen Gruppe alles loswerden“, erzählt Sigrid Bommhardt. „Das sind Dinge, für die Freunde oder Bekannte oft kein Ohr haben. Hier weiß jeder, wovon der andere spricht.“ Der Austausch erleichtere es, emotionale Hürden zu nehmen.

Für Neupflegende

Für jene, die neu in ihrer Aufgabe als pflegende Angehörige sind, gibt es hier beinahe unentbehrliche Ratschläge und Tipps, sie lernen Strukturen kennen, die wichtig sind, um den Alltag zu bewältigen. „Aus den vielen kleinen Bausteinen, die aus den Erfahrungen anderer zusammenkommen, können die neuen sich ein eigenes Modell bauen“, so Sigrid Bommhardt.

Zu den großen Herausforderungen, die pflegende Angehörige zu meistern haben, gehöre es, „einen guten Blick auf ihre Pflegeaufgabe zu haben und nicht zu verzweifeln“. Es gebe immer Höhen und Tiefen, viel Schmerz und man müsse sich auch mit dem Thema Abschied vertraut machen, sagt Sigrid Bommhardt.

Wenn die sozialen Kontakte schrumpfen und schrumpfen, wenig Zeit für eigene Interessen bleibt, ist es wichtig zu sehen, „dass andere das auch tragen.“

Der Pflegestützpunkt

Eine andere Anlaufstelle für pflegende Angehörige, die aber ebenfalls eng mit der FBS zusammenarbeitet und kooperiert, ist der Pflegstützpunkt Werra-Meißner – eine Einrichtung des Landkreises.

Hier beraten die beiden Frauen Ulrike Mathias und Alexandra Sennhenn Angehörige, aber auch Betroffenen. Die Beratung ist kostenlos und vor allem unabhängig von Trägern der Sozialleistungen. Sie beraten zur Koordinierung von Versorgung und Betreuung.

1200 Beratungen für etwa 500 Menschen im Jahr leistet das Büro. „Davon sind etwa 70 Prozent pflegende Angehörige, der Anteil ist unheimlich hoch hier“, weiß Alexandra Sennhenn. Dass vergleichsweise so viele Menschen Zuhause von Verwandten gepflegt werden erklärt sie so: „Hier auf dem Land macht und tut man das einfach.“

Neben dem Pflegestützpunkt in Eschwege, gibt es weitere in Witzenhausen, Datterode, Großalmerode und Waldkappel. Termine können individuell vereinbart werden, auch Hausbesuche sind möglich.

Ausgleich zum Alltag

Doch bei der Unterstützung pflegender Angehöriger geht es nicht nur um Praktisches und Organisatorisches. Um Ausgleich zum Pflegealltag zu finden, bieten FBS und das Seniorenbüro des Kreises verschiedene Veranstaltungen.

Besonders beliebt sind die Wellness-Tage für pflegende Angehörige, die das Seniorenbüro des Kreises zweimal im Jahr organisiert. Das Programm der Familienbildungsstätte reicht von Stadtführungen, gemeinsamen Museumsbesuchen, Kneippen bis zum Waldbaden.

Demenzbegleitung

Eines der Hilfen, die die FBS für Pflegende anbietet, ist die Demenzbegleitung. Für diese Aufgabe sucht die Einrichtung derzeit aber wieder Ehrenamtliche, die diese Aufgabe übernehmen möchten und ältere Menschen mit demenziellen Einschränkungen von Zeit zu Zeit begleiten.

„Das ist ein schönes Ehrenamt, weil alte Menschen erstaunlich optimistisch sind und lebenserfahren“, sagt Sigrid Bommhardt. „Diese Aufgabe ist keine Einbahnstraße, da kommt viel zurück und man kann sich sehr beschenkt fühlen.“ (Von Stefanie Salzmann)

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