Nächstenliebe verlangt Klarheit

Evangelisches Forum in Eschweger Marktkirche: Klare Haltung gegen Rechts

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Verurteilte Rassismus: Andreas Piontek, Superintendant des Kirchenkreises Mühlhausen.

Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost stellte unmissverständlich fest: „Aus Gedanken werden Taten.“ Wut, Hass und rechte Parolen sind der Nährboden, auf denen rechtsextreme Anschläge gedeihen.

Christen müssten sich darüber klar werden, welche Haltung sie dazu einnähmen und diese klar zum Ausdruck bringen. Unter der Überschrift „Nächstenliebe verlangt Klarheit“ sprach das Evangelische Forum in der Marktkirche in Eschwege über den Umgang mit rechtspopulistischen und nationalistischen Tendenzen aus christlicher Sicht.

Mit Podiumsdiskussion aufklären

Das Forum wollte mit der Podiumsdiskussion aufklären, Orientierung anbieten und überlegen, was jeder Einzelne tun kann. Andreas Piontek, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Mühlhausen, fand deutliche Worte: „Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und rechtes Gedankengut breiten sich aus wie die Arme eines Kraken.“ Sie sickerten schleichend in die Mitte der Gesellschaft ein. „Das gefährliche am Rechtspopulismus ist, dass er versucht, sich unter Deckmäntelchen zu verstecken und die Menschen zu beeinflussen“, sagte er. Als sich in Thüringen der FDP-Politiker Kemmerich von der AfD zu einer Mehrheit hatte verhelfen lassen und die Wahl angenommen habe, sei Piontek schockiert gewesen.

Dialog nicht verhindern 

„Der Vorgang ist mir vorgekommen wie eine Verhöhnung unseres Landes“, sagte er. Landrat Stefan Reuß sprach sich aber auch dafür aus, Begriffe wie Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus differenziert zu verwenden und nicht alle Formen von Unzufriedenheit und Aufbegehren gegen das Gesellschaftssystem darunter zu subsumieren, um den Dialog nicht zu verhindern.

"Christen müssen die Türsteher der Demokratie sein"

„Der Rechtspopulismus hat die Politik in den letzten fünf Jahren orientierungslos werden lassen“, gab er zu. Katharina Franke, Koordinatorin der Initiative „Demokratie leben“ an der Jugendbildungsstätte Burg Ludwigstein, forderte: „Christen müssen die Türsteher der Demokratie sein. Wenn es in unserem Land geistige Brandstiftung gibt, heißt das, dass brennbares Material in der Gesellschaft vorhanden ist.“ In einem Vortrag arbeitete Andreas Piontek heraus, warum rechtes Gedankengut und Christentum nicht zusammenpassen. Das Gebot Jesu zur Nächstenliebe, Menschenwürde gelte für alle Menschen, Jesus sei Jude gewesen, weshalb jegliche Form von Antisemitismus für Christen abzulehnen sei, und Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung gehörten zur Weltverantwortung von Christen. Das Publikum diskutierte darüber und fragte sich, wann diese selbstverständlichen christlichen Werte bei manchen Menschen verloren gegangen seien und warum?

Sozial und politisch Flagge zeigen

Wichtig sei, dass Christen sich zu ihrer Schuld im Nationalsozialismus bekennen müssten. „Man darf seine Werte nicht nur vor sich hertragen, sondern muss sie auch leben“, sagte ein Teilnehmer. Am Schluss der Diskussion stand der Konsens, jeder Einzelne müsse den Dialog mit Menschen, die rechte Gedanken äußerten, suchen. „Wir wollten heute Abend ja auch Orientierung geben“, sagte Sieglinde Repp Jost und ergänzte: „Wir müssen in den Familien offen reden, aber auch sozial und politisch Flagge zeigen.“

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