Keiner, der nicht zweifelt

Evangelisches Forum: Journalist Tillmann Prüfer über Glaube und Zweifel 

Beschreibt seinen Weg zum Glauben: Der Journalist und ZEIT-Kolumnist Tillman Prüfer erzählt anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Evangelischen Forums in der Eschweger Marktkirche von seinem Findungsprozess.
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Beschreibt seinen Weg zum Glauben: Der Journalist und ZEIT-Kolumnist Tillman Prüfer erzählt anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Evangelischen Forums in der Eschweger Marktkirche von seinem Findungsprozess.

Der Journalist und ZEIT-Kolumnist Tillmann Prüfer hat am Dienstagabend in der Eschweger Marktkirche über Glaube und Zweifel gesprochen. Eingeladen hatte das evangelische Forum. 

Als der Journalist und ZEIT-Kolumnist Tillmann Prüfer am Dienstagabend ans Pult der fast bis auf den letzten Platz besetzten Eschweger Marktkirche tritt, sagt er: „So eine volle Kirche sieht man in Berlin nur, wenn Weihnachten und Freibier zusammen fallen.“ Das war witzig, und zum anderen erfüllte es die Gemeinde, die am Abend zu der Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Evangelischen Forums zusammengekommen war, sichtbar mit Stolz.

Glaube und Zweifel 

Der Jubiläumsabend, zu dem die Pfarrerinen Sieglinde Repp-Jost und Katrin Klöpfel sowie Pfarrer Johannes Meier eingeladen hatten, stand unter dem Titel „Glaube und Zweifel“ – ein Thema, zu dem Tillmann Prüfer nicht nur das Buch „Weiß der Himmel“ schrieb, sondern einen lange währenden Prozess mit sich selbst widmete. Zunächst ganz launig bis komisch erzählt Prüfer von den christlichen Momenten seiner Kindheit und Konfirmandenzeit, dass Gott für ihn etwas mit Weihnachten zu tun hatte, dass Gottesdienste ihn als 14-Jährigen verstört hatten, wenn der Pfarrer von der Kanzel gegen die Sünde wetterte. „Als 14-Jähriger hätte ich schon gern mehr Süden begangen“, erzählt er. Auch die rigiden Drohungen seiner Oma, dass Gott all seine Taten sieht, führten ihn nicht in den Schoß der Kirche. „Ich war noch nicht mal auf dem halben Weg zur Strafmündigkeit, da lief im Himmel schon der Zähler.“ Also lebt der Journalist und Vater vierer Töchter weitestgehend ohne Gott – wie die meisten Menschen – bis sein bester Freud innerhalb weniger Monate an einem Gehirntumor stirbt.

Die Akteure des Evangelischen Forums: die Pastoren Katrin Klöpfel, Johannes Meier und Sieglinde Repp-Jost.

„Das war so ein Einschnitt, da hat nichts, was vorher geholfen hat im Leben, geholfen, alle Prinzipien, Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten waren wie weggefegt“, sagt er über diese Zeit.

Halt gefunden 

Er geht in die Kirche und findet dort zunächst im Ort selbst, in der Musik und dem Ritual der Gebete etwas Halt. „Ich spürte, das Bedürfnis zu glauben, hatte einen großen Durst danach.“ Prüfer geht auf Reisen, ist in Klöstern und spricht mit Gläubigen. Sein Fazit: „Ich habe keinen gefunden, der nicht zweifelt.“ Die Bibel sei voll von Geschichten von Zweiflern, Saulus, der zum Paulus wird, Judas, der Jesus verrät. „Hätte es Judas nicht gegeben, vielleicht hätten wir das Wunder der Auferstehung gar nicht erlebt.“ Prüfers These: Glaube ist vom Zweifel nicht zu trennen, gar der Schlüssel zum Glauben. Wer zweifelt, setzt sich auseinander. „Ich glaube, denn ich will, dass die Dinge gut sind“, beendet er seinen Vortrag.

Der Festabend wurde musikalisch begleitet vom Duo Lorch aus Großalmerode und moderiert von Sieglinde Repp-Jost. Ausklingen ließen ihn die Gäste beim ungezwungenen Gespräch, Sekt und Häppchen.

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