Musik mit Abstand

Evergreens für die Senioren im Garten des Lindenhofes

+
Mit genügend Abstand und Mundschutz verfolgen Otrud Rosenbaum (vorne) und andere Senioren des Lindenhofs in Eschwege die Musik im Freien.

Mit der Band „SoundeXpress“ aus Lauterbach wurde den Senioren des Wohn- und Pflegezentrums Lindenhof in Eschwege eine Freude gemacht.

Mitschunkeln und einmal alle Sorgen vergessen, gemeinsam mit anderen im Garten sitzen – im wohlbemessenen Abstand voneinander natürlich – und Musik hören:

Die Brüder Wolfgang und Stefan Eisenbach hatten sich Verstärkung bei Sängerin Elke Fronapfel geholt und ließen Evergreens wie „Aber bitte mit Sahne“ oder „Aus Böhmen kommt die Musik“ unter den schattenspendenden Bäumen erschallen. Die Musiker sind in Eschwege keine Unbekannten, zum Johannisfest und anderen Zeltfesten in der Region haben sie schon oft mit ihrer Band „The Fairy Tales“ aufgespielt. Geboren wurde die Idee zum Gartenkonzert von Jochen Grüning aus Eschwege, der die Band gut kennt, sowie Nicole Eckert, Mitarbeiterin im Lindenhof. Gemeinsam machten sie es möglich, den Senioren, deren Kontakt zur Außenwelt derzeit eingeschränkt ist, einen schönen Nachmittag zu bereiten. „Es gefällt mir sehr“, sagte etwa Ortrud Rosenbaum, die im Garten platzgenommen hatte. „Es ist schön, dass mal etwas los ist, immer nur drinnen zu sitzen ist schon sehr bedrückend.“ Was sie besonders freut, sie kennt alle Lieder, die von den Musikern angestimmt werden. Aus den Synthesizern ertönt zum Beispiel der schmissige Schlager „Annelise“, und alle Senioren klatschen mit und lachen. Die Musik tut ihnen gut. Anni Börner, die vom Fenster ihres Zimmers aus zuschaut, bekommt schließlich sogar ein Ständchen von der Belegschaft, denn sie feiert an diesem Tag ihren 94. Geburtstag. Auch die Senioren, die angrenzend im betreuten Wohnen in einer eigenen Wohnung leben, sind in den Garten gekommen, wie die 93-jährige Walli Heckmann.

„Mal wegzufahren und einen Ausflug zu machen ist in nächster Zeit nicht mehr möglich“, sagt sie. „Deshalb ist es schön, dass wir wenigstens hier im Garten zusammenkommen können.“ Dass Wehmut über die momentane Situation die Senioren drückt, ist ihnen allen anzumerken. Walli Heckmann seufzt und sagt: „Jetzt ist man so alt geworden und musste so viel durchstehen – und jetzt kommt auch noch DAS.“ Jochen Grüning gibt der derzeitigen Krise mit den Zeilen eines verfassten Gedichts Ausdruck, das er den Senioren vorträgt. „Schmerzlich müssen wir erst lernen, manchmal hilft es, sich voneinander zu entfernen“, liest er darin. Dass man aber auch auf die Entfernung beisammen sein kann, das zeigt der Nachmittag im Lindenhof. Ein paar Zaumgäste bleiben stehen und hören vom Bürgersteig aus zu. Auf eines aber weist Nicole Eckert noch hin: Im Eingangsbereich des Lindenhofs steht eine Box, die man mit Briefen, selbstgemalten Bildern oder sonstigen schönen Aufmunterungen an die Senioren befüllen kann. Die Bewohner des Pflegeheims freuen sich über jede Form des Zuspruchs und der Ablenkung. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare