Fahrer wirft Kinder bei Niederhone aus dem Schulbus

Niederhone. Weil ein achtjähriger Grundschüler während der Fahrt mit dem Schulbus den Halteknopf gedrückt hat, setzte ihn der Fahrer auf freier Strecke auf die Straße - und seine Klassenkameraden gleich mit ihm.

Weinend steht ihr Sohn vor ihr. „Wir sind aus dem Bus geworfen worden und mussten laufen“, schnieft er und versteht die Welt nicht mehr. Was Petra Bartholomai erst gar nicht glauben kann, hat sich nach Angaben der anderen Schulkinder aus dem Bus, die nach Ende der letzten Stunde alle nach Niederhone gebracht werden sollten, Ende vergangener Woche tatsächlich so zugetragen. „Ein anderer Junge hat mich gezwungen, den Halteknopf im Bus zu drücken“, erzählt der achtjährige Niklas, der die Struthschule in Eschwege besucht. Daraufhin habe der Busfahrer sofort angefangen, die Kinder anzuschreien – und habe am Klärwerk in Eschwege angehalten, um alle Kinder, die nach Niederhone wollten, rauszuschmeißen.

Rausschmiss am Klärwerk

Mutter Petra ist entsetzt. „Es handelt sich um Grundschüler, die nicht einfach irgendwo rausgeschmissen werden können, es besteht eine Beförderungspflicht“, sagt sie – zumal es am Klärwerk nicht mal mehr eine offizielle Haltestelle gebe, was ihr beim Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) bestätigt wurde. Den hatte sie sofort angerufen, um sich über das Vorgehen des Busfahrers zu beschweren. Auch die Schule sei informiert worden.

Denn der Rauswurf war nicht alles: „Der Bus hat dann die Warnblinker angemacht und ist neben uns ganz langsam hergefahren“, erzählt Niklas weiter, der Angst hatte, dass ihn seine Freunde nun nicht mehr mögen würden, weil ja schließlich er den Knopf gedrückt hatte, wenn auch aufgrund der vorausgegangenen Drohung des anderen Jungen. „Dabei hat er die ganze Zeit gelacht und uns mit seinem Handy gefilmt.“ Weil weder er noch die anderen Kinder das wollten, hätten sie sich versucht zu verstecken.

Gut einen Kilometer mussten die Grundschüler letztendlich zu Fuß nach Hause gehen – an der Landesstraße 3403 und später an einer der Hauptstraßen in Niederhone entlang. „Das ist nicht zu verantworten“, beschweren sich die Eltern von Niklas. „Weil die Kinder so spät kamen, waren einige Eltern kurz davor, sie suchen zu fahren.“

Das sagt Frölich

Um Entschuldigung bittet Bernd Frölich vom gleichnamigen Busunternehmen alle Schüler und Eltern. Einer seiner Fahrer ist für diesen „kolossalen Fehler“ verantwortlich, der so nie hätte passieren dürfen. „Es ist definitiv falsch gehandelt worden“, bedauert Frölich, dem der Vorfall äußerst unangenehm ist. „Ich werde den Fahrer, der bereits Einsicht gezeigt hat, dafür arbeitsrechtlich in die Pflicht nehmen.“ In Schulungen werden seine wie auch alle anderen Busfahrer darauf vorbereitet, dass es gerade bei Schulkindern laut im Fahrzeug werden könnte. „Ich kann mir das Verhalten auch deshalb nicht erklären.“ Ebenfalls verurteilt wird das Vorgehen des Busfahrers auch von Horst Pipper, Geschäftsführer des Nahverkehrs Werra-Meißner. In dessen Auftrag ist das Busunternehmen unterwegs. „Das ist ein nicht zu akzeptierendes Verhalten“, betont er, „wir erwarten, dass so etwas nicht passiert.“

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