Mann nach Vernehmung wieder auf freiem Fuß

Fall Lübcke: Medien berichten über Polizeieinsatz auf Nordsee-Fähren

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Ermittlungen im Fall Lübcke: Die Sonderkomission hat die Spurensuche am Freitag abgeschlossen.

Der Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke (65) sorgt weiter für Schlagzeilen. Auf zwei Nordsee-Fähren soll es in Zusammenhang mit dem Fall einen SEK-Einsatz gegeben haben.

Aktualisiert am 10. Juni um 19.00 Uhr -  Im niedersächsischen Harlesiel soll es am Samstagnachmittag auf zwei Nordsee-Fähren zur Insel Wangerooge zu einem Polizeieinsatz gekommen sein, der Medienberichten zufolge in Zusammenhang mit dem Fall stehen soll.

Das Jeversche Wochenblatt hatte berichtet, dass dabei ein Mann in Polizeigewahrsam genommen, zum Fall Lübcke befragt und später wieder auf freien Fuß gesetzt worden sei. Eine Augenzeugin berichtete der Bild-Zeitung, dass zwei Männer und eine Frau weggeführt worden seien.

Die Polizei in Wilhelmshaven hatte am Samstag mitgeteilt, der Einsatz habe für ein anderes Bundesland stattgefunden. Um das laufende Verfahren nicht zu gefährden, könnten keine weiteren Auskünfte erteilt werden.

Bereits am Samstagabend war bekannt geworden, dass ein Mann am Nachmittag vorläufig in Polizeigewahrsam genommen worden war. Der Hessische Rundfunk berichtete am Montag, dabei handele es sich um die Person, die bei dem Polizeieinsatz in Harlesiel festgenommen worden war.

Der Sprecher der im Fall Lübcke ermittelnden Sonderkommission (Soko) „Liemecke“, Torsten Werner, wollte sich am Montag zu den Berichten „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht äußern. Er hatte tags zuvor lediglich bestätigt, dass am Samstagnachmittag ein Mann vorläufig in Polizeigewahrsam genommen und nach eingehender Befragung am frühen Sonntagmorgen wieder entlassen worden war. Bei der Vernehmung bis in die späten Abendstunden habe sich kein Anhaltspunkt ergeben, der eine Tatbeteiligung stütze, so Werner. 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte am Samstag zuerst über eine Festnahme berichtet. Es handle sich um einen jungen Mann, der in einer privaten Beziehung zu dem getöteten CDU-Politiker gestanden haben soll. Auf die Spur des Mannes seien die Beamten nach der Auswertung von Mobiltelefon-Daten Lübckes gekommen. Die Ermittler seien sicher, den Täter identifiziert zu haben, hieß es weiter. 

Unserer Zeitung gegenüber wollte Werner diese Details nicht bestätigen, „um die Persönlichkeitsrechte des Mannes zu schützen und eine Vorverurteilung zu vermeiden“.

In einer Pressemitteilung vom Sonntagmittag baten die Ermittler erneut darum, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen. "Sie schaden den Ermittlungen", heißt es in dem Schreiben. Die Polizei bitte insbesondere mit Blick auf die aktuelle Berichterstattung zur Festnahme darum, "nur validen Informationen der Staatsanwaltschaft Kassel und der im Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel hierfür eingerichteten Außenstelle des Hessischen Landeskriminalamtes zu vertrauen".

160 Hinweise bis Samstagmittag eingegangen

Die 50-köpfige Soko unter der Leitung von Kriminaldirektor Daniel Muth ermittele weiter auf Hochtouren und in alle Richtungen weiter, sagte Werner am Sonntagmorgen. Die bereits eingegangenen Hinweise sowie die zugesandten Fotos und Videos werden demnach kontinuierlich ausgewertet. Dem Ermittlerteam lagen am Samstag nach eigenen Angaben rund 160 Hinweise aus der Bevölkerung vor. Die Spurensuche am Tatort in Istha war bereits am Freitag beendet worden.

Regierungspräsident Walter Lübcke (65) war in der Nacht zum vergangenen Sonntag gegen 0.30 Uhr von einem Familienangehörigen mit einer Schussverletzung am Kopf auf der Terrasse seines Wohnhauses in Istha entdeckt worden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Den Ermittlungen zufolge wurde er mit einer Kleinkaliberwaffe aus nächster Nähe erschossen.

Die Ermittler bitten auch weiterhin um Hinweise, die zur Aufklärung der Tat beitragen können, unter Tel. 0561/910-4444. Hinweise in Schrift-, Bild- oder Videoformat können per E-Mail an wolfhagen@polizei-hinweise.de geschickt werden.

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