Neue Ausbildung startet bald

Vereinen im Werra-Meißner-Kreis fehlen Übungsleiter fürs Kinderturnen

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Der Interessenverband Turngau Werra bietet in der Region eine Übungsleiterausbildung im Fachmodul Kinderturnen an und sucht Interessierte, die sich weiterbilden lassen wollen.

Nach einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation sollen sich Kinder mehr bewegen. Im Kreis fehlen Übungsleiter fürs Kinderturnen - doch der Turngau will nun gegensteuern.

Der Interessenverband Turngau Werra bietet in diesem Jahr eine Übungsleiterausbildung in der Region an. Diese besteht aus einem Grundmodul und einem Fachmodul, insgesamt sind es 120 Stunden Ausbildung. Dabei hat sich der Turngau Werra für das Fachmodul Kinderturnen entschieden. Vorsitzende Magdalena Weidner erklärt, wie groß der Bedarf an Übungsleitern in diesem Bereich ist, warum Kinderturnen die Grundlage für alle Sportarten bildet und welche Voraussetzungen notwendig sind, um Übungsleiter zu werden.

Frau Weidner, wie dringend werden Übungsleiter fürs Kinderturnen gesucht?

Besonders beim Kinderturnen ist der Bedarf unheimlich groß. Wir werden laufend gefragt. In Unterrieden fällt demnächst die Übungsleiterin für sechs Wochen aus und wir finden niemanden, der da die Vertretung macht. Das Kinderturnen läuft in den Vereinen, die es anbieten, sehr gut. Die Gruppen platzen aus den Nähten, aber es sind nicht genug Leute zur Betreuung da, schon gar nicht qualifizierte.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Ich weiß, in Gertenbach haben sie rund 30 Kindergarten- und Kleinkinder im Kinderturnen. Die Stunde hält dort eine Sportlehrerin, die jetzt allerdings in Mutterschutz geht, und eine Mutter, die auch als Tagesmutter arbeitet. Aber eigentlich könnten die noch Leute gebrauchen. 30 Kinder sind wahnsinnig viel. Und dann sind ja auch noch die Eltern da. Es ist gar nicht so einfach, eine Turnstunde so zu koordinieren, dass die Eltern sinnvoll mit einbezogen werden. Da braucht man auch ein bisschen Fingerspitzengefühl. In der Ausbildung wird man für diese Situation geschult.

Warum sehen die Vereine speziell das Kinderturnen als so wichtig an?

Kinderturnen ist die Grundlage für die Motorik und das Sozialverhalten. Es ist die Grundlage für alle Sportarten hinterher. Wir wollen die Kinder zu lebenslangem Spaß an der Bewegung animieren. Es wird ja auch immer geklagt, die Kinder sind übergewichtig. Das fängt immer früher an. Und die Kinder können nicht mehr balancieren, sie können nicht rückwärtslaufen und all diese Dinge. Diese Grundlagen von Motorik und Bewegungslernen werden im Kinderturnen gelegt.

Wenn die Vereine Übungsleiter suchen – wer kann die Ausbildung machen?

Bei uns kann jeder ab 18 Jahren die Ausbildung machen. Bei der hessischen Turnjugend in Alsfeld kann man bereits ab 16 Jahren eine begleitete Ausbildung absolvieren.

Gibt es noch weitere Voraussetzungen, die man mitbringen solllte?

In erster Linie sollte man Spaß am Sport haben und am besten auch bereits Mitglied in einem Turnverein sein, denn die Ausbildung wird vom Hessischen Turnverband (HTV) subventioniert. Es hilft natürlich, wenn man schon Erfahrungen gesammelt hat, zum Beispiel als Helfer in einem Verein.

Wie viele Übungsleiter gibt es bei uns im Kreis?

Bei uns im Werra-Meißner-Kreis haben wir 250 lizenzierte Übungsleiter. Was man hinterher mit der Ausbildung macht, ist einem selbst überlassen. Wir haben auch Übungsleiter, die haben eine Lizenz für Fitness/Gesundheit für Erwachsene und sind im Kinderturnen aktiv.

Was lernt man bei der Ausbildung?

Im Grundmodul bekommt man das Basiswissen – alles rund um Muskeln, Körperaufbau und Anatomie. Dann Didaktik, Methodik, also wie plane ich eine Sportstunde. Dazu kommt Trainingslehre, wie kann ich effektiv trainieren, sodass man besser wird. In Richtung Kinderturnen kommen Themen wie Aufsichtspflicht, Kindeswohl, aber auch Versicherungsfragen dran. Im Fachmodul geht es dann um die sportart- und zielgruppenspezifischen Inhalte.

Wie lang dauert die Ausbildung?

Das Grundmodul findet an zwei Wochenenden statt. Das sind insgesamt 30 Unterrichtsstunden. Die erfolgreich bestandene Klausur berechtigt zur Teilnahme an allen im HTV angebotenen Fachmodulen - nicht nur dem Fachmodul Kinderturnen. Beim Fachmodul hat man 90 Stunden Unterricht und absolviert eine Lehrprobe am Ende: Man plant eine komplette Sportstunde, von der man in der Prüfung einen Teil präsentiert. Und eine mündliche Prüfung gehört auch noch dazu.

Sind Sie selbst Übungsleiterin?

Als ich 2012 in Ruhestand gegangen bin, dachte ich: „Jetzt oder nie“ und habe 2013 meine C-Lizenz gemacht. Ich hatte damals das Thema Training mit Älteren und leite seit November 2013 eine Seniorengymnastikgruppe in Gertenbach, was mir sehr viel Spaß macht.

Arbeitet man als Übungsleiter in den Vereinen ehrenamtlich?

Nein, es ist nicht rein ehrenamtlich. In der Regel gibt es ein gewisses Honorar für die Übungsleiter. Der Landessportbund gibt zu jeder Stunde eines lizenzierten Übungsleiters 1,10 Euro dazu. Das müssen die Vereine natürlich beantragen. Und dann gibt der Verein den Übungsleitern generell eine finanzielle Entschädigung für den Aufwand, sodass es durchaus möglich ist, bis zu 15 Euro pro Stunde zu bekommen. Das ist aber sehr unterschiedlich in den Vereinen.

Die Übungsleiterausbildung

Das Grundmodul findet an den Wochenenden 14./15. März und 28./29. März in Bad Sooden-Allendorf statt (Anmeldung beim HTV bis 14. Februar). Ende Oktober startet dann ein Fachmodul, bei dem man die C-Lizenz Kinderturnen oder Eltern-Kind-/Kleinkinderturnen erwerben kann, in Eschwege. Zu beiden Terminen werden noch Teilnehmer gesucht. Infos gibt es auch der Internetseite des Turngaus.

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