Der Himmel ist ihre Bühne

Die Feldlerche ist der Vogel des Jahres 2019

Feldlerche - Vogel des Jahres 2019

Werra-Meißner. Seit 1971 küren der Naturschutzbund Deutschland und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern den Vogel des Jahres. Die Feldlerche hat es 2019 zum zweiten Mal auf das Siegertreppchen geschafft, denn bereits 1998 fiel die Wahl auf das Tier mit der kleinen Federhaube.

Wer den Vornamen Feld trägt, so möchte man meinen, hat schon verloren. Die Feldlerche steht – mit dem Feldschwirl und dem Feldsperling – bereits schon seit dem Jahre 2007 auf der Roten Liste der bedrohten Vogelarten.

Dabei haben die Populationen der genannten Arten allesamt noch den Zusatz eines ungünstigen, unzureichenden Erhaltungszustandes. Durchaus passend ist es in diesem Zusammenhang ebenso, das vom Aussterben bedrohte Rebhuhn in diese Sparte der Vögel der offenen Landschaft mit einzubeziehen, welches in wissenschaftlichen Monografien auch als Feldhuhn bezeichnet wird. Dieser Reigen ließe sich fortsetzen, wenn wir an die Feldgrille denken, an den bei uns schon längst ausgestorbenen Feldhamster oder an den sehr selten gewordenen Feldhasen, der einst, gemeinsam mit der Feldlerche, gerade in den Niederungsgebieten unseres Kreises ein häufiges Vorkommen hatte.

Den Feldarten also geht es schlecht. Daran muss sich etwas ändern, welches nur über eine grundlegend anders ausgerichtete Landwirtschaft zu erreichen ist. Gelingt dies nicht, kommen die Spezies im Feld – und da sind auch die Wildpflanzen mit zu benennen – in eine immer noch größere Bedrängnis. In der Folge werden sich die Roten Listen nicht nur weiter verlängern, sondern die Bezeichnung vom Aussterben bedroht wird als Definition weiter zunehmen, denn in einem biologisch stabilen Zustand sind alle Bestände der anderen typischen Vögel der offenen Landschaft (Kiebitz, Goldammer, Wachtel u.a.) schon lange nicht mehr. Natürlich folgen noch Vorschläge für Verbesserungen, aber zunächst, wie üblich bei der Vorstellung des Jahresvogels, eine allgemeine Beschreibung der Feldlerche, die von der Wissenschaft den lateinischen Namen Alauda arvensis erhalten hat.

Trotz der auch bei uns dramatischen Rückgänge ist der kleine, ungefähr 18 Zentimeter große, insgesamt bräunlich aussehende Vogel jedem naturinteressierten Wanderer bekannt. Steht die Feldlerche am Boden, ist sie relativ unauffällig, durch ihre Färbung ist sie dem Ackerboden optimal angepasst.

Auffallend ist die Feldlerche für uns besonders dann, wenn die Männchen durch lautes, wirbelndes, anhaltendes Tirilieren im aufsteigenden und dann schwirrenden Rüttelflug in großer Höhe die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Das kann schon mal länger dauern, weil selbst beim Ein- und Ausatmen der Vogel keine Pause eingelegt. Es ist ein Gesang aus voller Kehle! Was den Beobachter erfreut, ist für das Feldlerchen-Männchen während der Balz- und Brutzeit ein immer wiederkehrendes geschäftiges Tun.

Durch die Gesänge wird Artgenossen im Umkreis gegenüber angezeigt, dass dieses Revier bereits besetzt ist. Sofern ein solcher Singflug dann ab April festzustellen ist, kann es durchaus sein, dass schon ein Weibchen in einem napfförmigen Nest am Boden mit der Brut begonnen hat. Drei bis fünf braun gesprenkelte Eier werden gelegt, die es auch allein ausbrütet. Nach ungefähr 14 Tagen schlüpft der Nachwuchs, und nun beteiligt sich auch das Männchen an der Fütterung.

Trotzdem verbleibt die Hauptaufgabe der Jungenbetreuung beim Weibchen, wie das Hudern und die Beschaffung von Kleininsekten und Würmchen, da des Partners Aufgabe der Revierabgrenzung und -verteidigung mit dem Schlupf der Jungen keinesfalls beendet ist. Das Habitat und ihr Umfeld wollen sie behalten, denn wenn es die Umstände zulassen (unveränderte Bodennutzung, verträgliche Witterung) wird noch mindestens eine weitere Jahresbrut gezeitigt.

Nach zirka 15 Tagen Nestlingszeit sind die Jungen flügge und imstande, sich die Nahrung selbst zu suchen. Natürlich sind sie noch oft in der Gemeinschaft mit den Altvögeln anzutreffen, die sich auch immer wieder anbieten, unterstützend Futter zu geben. Wenn einmal die Familie weitgehend zusammen beobachtet werden kann – und dies noch mit einem guten Fernglas dazu – wird das erdfarbene Braun der Feldlerchen auffallen, dazu ein hellgelber Überaugenstreifen und die leicht angedeutete Federhaube auf dem Kopf des Männchens. Unverkennbar die Jungen, mit ihrem immer noch nicht ganz ausgewachsenen Schwanz, der sich gegenüber dem ausgeprägten der Elternvögel auffallend kurz, eher stummelhaft, darstellt.

Wenn die Feldlerchen auch sehr wohl auf eine gewisse Revierabgrenzung bestehen, kann es in für diesen Vogel in optimal ausgestatteten Lebensräumen ebenso zu sogenannten Nachbarschaftsbruten kommen. Feld-/Wiesen-Gemengelagen sagen der Feldlerche am meisten zu, wobei Getreideäcker, noch zumal mit Sommereinsaaten bestellt (Weizen, Gerste, Hafer) und dies noch angrenzend an Grünland (Wiesen und Weiden) ihren ökologischen Ansprüchen besonders entgegenkommen. Schüttere Stellen im Raps, vom Landwirt natürlich gar nicht so gern gesehen, haben aber für die Feldlerche jahrweise einen hohen Wert.

Die oftmals propagierten sogenannten Lerchenfenster bringen leider nicht den erhofften Erfolg. Dies sind zirka 30 bis 50 Quadratmeter große Flächen inmitten von Ackerschlägen, wo nichts eingesät wird, aber trotzdem Spritzungen gegen Wildkräuter durchgeführt werden dürfen. Dies bedeutet auch, dass sich beispielsweise Vegetationsbüschel zur Nestanlage und zum gleichzeitigen Schutz für das brütende Weibchen nicht bilden können. Die zu solchen Bereichen führenden, fast vegetationslosen Spritzspuren des Traktors nutzen Fuchs, Waschbär und Dachs zur nächtlichen Beutesuche und werden zwangsläufig direkt zu den Feldlerchenplätzen geführt. Dabei können schon allein die breiten Arbeitsspuren von den Maschinen der Feldlerche zum Verhängnis werden; brütet sie dort, wird das Gelege von den Prädatoren geräubert oder bei der nächsten Feldbearbeitung vom Traktor überrollt.

Natürlich ist das nicht gänzlich zu verhindern. Aber es müssen attraktive Ausweichplätze für die Feldlerchen zum Brüten geschaffen werden, um die Katastrophe – das Aussterben auch dieses Vogels – zu verhindern.

Insgesamt haben durchgeführte Kartierungen in fast allen Offenländern unseres Kreises 1998 und wiederholt im Jahre 2015 ergeben, dass die Brutpaardichte bis zu 30 Prozent – und teils noch darüber – abgenommen hat. Und durch Untersuchungen ist längst belegt, dass sich die Insektenarten in der Feldflur und ihr Volumen rapide verringert haben. Wie drastisch brachte doch ein Göttinger Wissenschaftler die Situation für die Feldvögel zum Ausdruck: „kaum geschlüpft und schon verhungert!“

Von Wolfram Brauneis 

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