Von den Grimms bis zur Bratwurst

Feuerwehren sagen Osterfeuer ab – Dem deutschen Brauch auf der Spur

Ein großer brennender Holzhaufen im Abendlicht
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Traditionelle Osterfeuer auf dem Land.

Die Osterfeuer werden auch in diesem Jahr komplett ausfallen. Das gilt nicht nur für Hessen, sondern bundesweit. Was es mit der Tradition auf sich hat, haben wir nachgefragt.

Werra-Meißner – Das Feuer lodert, Funken fliegen durch die milde Luft, es duftet nach frischer Bratwurst: Das Osterfeuer läutet nach dem Winter den Frühling ein. In diesem Jahr muss das Event aber ausfallen. Das gilt für ganz Hessen und Deutschland, da sich wegen der Schutzmaßnahmen gegen die Coronapandemie derzeit nur zwei Hausstände und maximal fünf Personen treffen dürfen – privat wie öffentlich.

Dass das Osterfeuer nach 2020 erneut ausfallen muss, sei zwar verständlich aber dennoch sehr schade, sagt Benjamin Kleinpeter, Wehrführer und stellvertretender Stadtbrandinstpektor aus Wanfried. „Viele freuen sich auf ihre erste Bratwurst und es ist immer eine tolle Atmosphäre, wenn alle gemeinsam am Feuer stehen.“ Dem schließt sich auch Henrik Schindewolf an, Wehrführer aus Berkatal. „Es ist immer schön, wenn alle zusammenkommen. Gerade für die Kinder und auch für die Jugendfeuerwehr, die sich bei der Organisation des Osterfeuers mit einbringt“, sagt er.

Ohne Osterfeuer auch finanzielle Einbußen für Feuerwehren

Das Osterfeuer, das in der Regel von den Freiwilligen Feuerwehren organisiert wird, habe auch finanziell eine nicht unwesentliche Bedeutung, erklärt Kleinpeter. Denn durch den Getränke- und Bratwurstverkauf bringt es auch Geld in die Vereinskassen. Vielerorts ist das Osterfeuer ein richtiges Event geworden. Allein in der Stadt Wanfried kämen bei schönem Wetter auf dem Festplatz schon mal 1000 Menschen zusammen, berichtet Kleinpeter. Das Osterfeuer ist seit vielen Jahren eine echte Tradition – bei uns und in ganz Deutschland. Aber seit wann gibt es das Osterfeuer und wie wurde früher im Werra-Meißner-Kreis eigentlich gefeiert?

Tradition der Osterfeuer - erstmals im 16. Jahrhundert

Die ältesten schriftlichen Belege von Osterfeuern in unserer Region stammen aus dem 16. Jahrhundert, sagt Dr. Karl Kollmann. Der 70-jährige Historiker, der bis zur Rente das Eschweger Stadtarchiv leitete und zahlreiche Schriften zur Regionalgeschichte veröffentlichte, hat nachgeschlagen: „Die Geschichte dahinter ist nicht unkompliziert“, sagt der Waldkappler.

Die Brüder Grimm, die den Brauch des Osterfeuers erforschten und in ihrem Werk „Deutsche Mythen“ festhielten, führten das Fest auf einen heidnischen Ursprung zurück, mit dem der Frühling begrüßt und der Winter vertrieben wurde. Im Laufe der Geschichte sei der Brauch nach Vermutung der Grimms mit dem christlichen Glauben verbunden worden.

im 18. und 19. Jahrhundert waren Osterfeuer praktisch verboten

Doch es habe auch Jahre gegeben, in denen die Feuer im Kreis nicht angezündet wurden. „Im 18. und frühen 19. Jahhundert gingen die Regierungen dagegen vor, Osterfeuer als deutscher Brauch waren praktisch verboten“, sagt Kollmann. Denn Deutschland war damals von den Franzosen besetzt und aufgeteilt. Belege auch für den Werra-Meißner-Kreis hat der Historiker, der an der Volkshochschule Kurse leitet, im Hessischen Staatsarchiv in Marburg gefunden. Einzig bei der Westerburg hätte es um 1812 herum noch ein Osterfeuer gegeben, das aber ebenfalls bald verboten wurde. Später im 19. Jahrhundert, nachdem Deutschland nicht mehr aufgeteilt war, wurden auch wieder mehr Osterfeuer als Zeichen des deutschen Brauchtums gefeiert, erklärt Kollmann. Nach 1945 gerieten die Osterfeuer dann aber wieder in den Hintergrund, auch um sich von der NS-Zeit zu distanzieren.

Es dauerte einige Jahre, aber in den 1960er Jahren wurden nach und nach wieder Osterfeuer angezündet. Heute, so Kollmann, ist es ein Event, bei dem in nahezu jedem Dorf die Gemeinde zusammenkommt, Würstchen grillt und gemütlich zusammen feiert. Von Jessica Sippel

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