Meisterpflicht für Fliesenleger wieder eingeführt

Für Fliesenlegerbetriebe gilt jetzt wieder die Meisterpflicht. Die war vor 16 Jahren abgeschafft worden. Das Handwerk begrüßt die Regelung. 

Eschwege. Elke Hupfeld begrüßt die Wiedereinführung der Meisterpflicht im Fliesenlegerhandwerk. „Wunderbar“, sagt die Geschäftsführerin des Eschweger Familienunternehmens, „ist die erneute Reform zurück zur Meisterpflicht.“ Und für den Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner, Stephan Schenker, steht fest: „Der Verzicht auf die Meisterpflicht vor sechzehn Jahren hat nicht mehr Arbeitsplätze gebracht, sondern zu weniger Qualität geführt.“

2004 Aufhebung der Meisterpflicht für eine Reihe von Berufen

2004 war die Meisterpflicht für eine ganze Reihe von Berufen aufgehoben worden. Seit Anfang dieses Jahres müssen verschiedene Handwerker die Qualifikation wieder nachweisen, wenn sie sich neu selbstständig machen wollen. Fliesenleger gehören dazu, Estrich- und Parkettleger ebenfalls. Bestehende Unternehmen genießen Bestandsschutz.

Ziel der Liberalisierung verfehlt 

Schenker geht noch einen Schritt weiter in seiner Kritik: Das eigentliche Ziel der Liberalisierung sei ganz klar verfehlt worden. Statt zusätzlicher Arbeit im Handwerk seien die Ausbildungszahlen im Fliesenlegerhandwerk stark eingebrochen und stattdessen sogenannte Ich-AGs entstanden. In der Folge hätten Beschwerden über mangelhafte Arbeit zugenommen. „Bezahlt hat das der Verbraucher“, sagt Schenker. „Der Kunde kann sich nicht auf Qualität verlassen, wenn der Meistertitel fehlt“, bestätigt Elke Hupfeld die Einschätzung.

Schlechte Arbeit zu Dumpingbedingungen

Michael Hüge, selbst seit 35 Jahren im Baugewerbe tätig, bietet seit zwölf Jahren auch Fliesenarbeiten an, ohne einen Meistertitel zu besitzen. Er befürwortet die Wiedereinführung „weil jeder, der daherkommt, glaubt, er kann das, ohne jede Qualifikation“. Zu Dumpingbedingungen werde schlechte Arbeit angeboten und geleistet, kritisiert der Handwerker aus Witzenhausen, der vor allem Pflasterarbeiten erledigt, die Konkurrenz. „Deswegen ergibt die neue Regelung Sinn“, sagt er.

Katastrophaler Pfusch

Von katastrophalem Pfusch berichtet Michael Bradler vom gleichnamigen Meisterbetrieb in Hessisch Lichtenau. „Wir haben Arbeiten saniert von Betrieben, die nicht qualifiziert waren, da kam das Wasser aus Bädern beim Nachbarn heraus, weil die Abdichtung defekt war, und der Betrieb war nicht mehr greifbar“, erinnert sich Bradler. Gerade in den ersten Jahren nach dem Wegfall seien die Ergebnisse schlimm gewesen. Heute sagt Bradler: „Es ist ganz wichtig, dass die Meisterpflicht wieder eingeführt wurde, wir legen großen Wert darauf, allein schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen.“

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