Unterricht bleibt Herausforderung

85 Flüchtlingskinder müssen in Grundschulen im Kreis integriert werden

Werra-Meißner. Seit Beginn des zweiten Halbjahres stehen die Grundschulen im Werra-Meißner-Kreis vor großen Herausforderungen. „Die Zahl der Flüchtlingskinder, die in den Unterricht integriert werden müssen, ist auf 85 angewachsen“, sagt Gerhard Finke, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamtes für den Werra-Meißner-Kreis mit Sitz in Bebra.

Von ihrem gesetzlich verankerten Recht auf den Besuch einer Bildungseinrichtung machen seit Februar allein in der Mittelpunktgrundschule Röhrda sechs Kinder syrischer, irakischer und afghanischer Herkunft Gebrauch. „Gerade für eine so kleine Schule wird das zu einem Problem“, sagt Schulleiterin Martina Beck. Die Kinder, die zum Teil noch nie eine Schule von innen gesehen haben, werden entsprechend ihre Leistungsniveau auf die einzelnen Klassen verteilt.

„Zusätzlich müssen ihnen Grundkenntnisse der deutschen Sprache vermittelt werden“, sagt Beck. Doch weil so genannte Intensivklassen erst ab einer Stärke von zehn Schülern möglich seien, würde jedes Flüchtlingskind zurzeit mit drei Stunden pro Woche gefördert – laut Beck „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Zusätzliches Personal habe sie nicht zur Verfügung. Besserung sei erst in Sicht, wenn das Hessische Kultusministerium und in der Folge das Schulamt beim Zuweisungsschlüssel nachbessere. „Doch dem geht ein langer Prozess voraus“, sagt Beck.

„Kleine Grundschulen sind auf eigene Ideen angewiesen, um die Herausforderung bestmöglich zu stemmen“, bestätigt Waldemar Rescher, Schulleiter der Gelstertalschule in Hundelshausen. Zurzeit unterrichten Eltern die drei Flüchtlingskinder, welche die Grundschule aufgenommen hat, zusätzlich zum Unterricht in deutscher Sprache. „Natürlich hoffen wir weiter auf finanzielle Unterstützung von Schulamt und Werra-Meißner-Kreis“, sagt Rescher.

Der lange Weg zur Schule

Sobald die Flüchtlingsfamilien einer Gemeinde zugewiesen sind, werden die Kinder auch einer Schule zugeteilt, erklärt Awo-Flüchtlingsbetreuerin Sabrina Hoberock. Die jeweilige Schule wendet sich an das Staatliche Schulamt; das wiederum gibt den Antrag an das Gesundheitsamt weiter. Ist beides erledigt, werden die Familien samt ihren Betreuern informiert und die Kinder zur Schuleingangsuntersuchung geladen. Gibt es keine Bedenken, steht dem Schulbesuch nichts im Wege. Insgesamt besuchen im Kreis 200 Flüchtlingskinder eine Schule – die Älteren ab 16 Jahren in InteA (Integration und Abschluss)-Klassen der Beruflichen Schulen in Witzenhausen. (esp)

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