100 Zuhörer bei Seniorentag

Franz Müntefering: Bessere Infrastruktur hilft allen Generationen

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Mit dem berühmten Redner: Landrat Stefan Reuß (links) und Myriam Lamotte-Heibrock vom Fachbereich Soziales des Landkreises mit Franz Müntefering.

Mit Ernsthaftigkeit, Pragmatismus und Witz hat Franz Müntefering,  prominenter Gast des ersten Seniorentags im Werra-Meißner-Kreis, etwa 100 Zuhörer aufs Älterwerden eingestimmt.

Franz Müntefering, Ex-Bundesminister für Arbeit und Soziales und nun Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft für Senioren-Organisationen formulierte in seinem einstündigen Vortrag im Kultur- und Kongresszentrum Bad Sooden-Allendorf unter anderem drei Aufgaben für Politik und Gesellschaft, um einer älter werdenden Bevölkerung besser gerecht zu werden.

Bessere Infrastruktur auf dem Land:

Damit die Lebensqualität beim Älterwerden nicht vom Wohnort abhänge, müsste die Infrastruktur für Leben, Wohnen und Arbeiten vor allem im ländlichen Raum verbessert werden, so der 79-Jährige. Nur so würden junge Menschen in Regionen wie dem Werra-Meißner-Kreis bleiben. 

Nur mit ihnen könnten passende Angebote für Senioren gemacht werden. Müntefering stellte zur Debatte, Ärzte zum Einsatz auf dem Land zu verpflichten – das würde der Staat mit festen Dienstorten bei Soldaten, Polizisten und Lehrern schließlich auch tun.

Gesetzliche Aufträge für Seniorenhilfe:

Den Schutz von Kindern und Jugendlichen regeln viele Gesetze, es gibt Jugend- und Sozialarbeit. Für Senioren gebe es nur das Grundgesetz, darüber hinaus seien Kommunen nicht verpflichtet, diese besser zu versorgen und etwa eine ambulante Palliativversorgung vorzuhalten. 

Mit dem Erteilen gesetzlicher Aufgaben müsste der Bund dann auch mehr Geld für die Kommunen zur Verfügung stellen – etwa für eine Sozialarbeit, die alleinstehende Senioren zuhause besucht. Diese würden mitunter vor Einsamkeit „innerlich implodieren“. „Wenn das Kinder wären, würden wir Zeter und Mordio schreien“, so Müntefering.

Offener Umgang mit Demenz:

Jeder dritte 90-Jährige leide an Demenz, dennoch würde die Krankheit auch innerhalb von Familien tabuisiert, kritisierte Müntefering. „Die Leute lassen es darauf ankommen.“ Dabei könnten einige Formen von Demenz behandelt werden – doch aus Scham oder Unwissen zögen Betroffene keine professionelle Hilfe hinzu.

„Pflege ist ein Beruf, das kann man nicht einfach so.“ Es sei für alle Beteiligten besser, frühzeitig Wünsche und Bedürfnisse abzusprechen, sich beraten zu lassen und Vorsorgevollmachten abzufassen.

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