Gleichstellungsbeauftragte des Kreises luden vor der Wahl Kandidaten ein, ihre Programme zu präsentieren

Frauenpolitik auf dem Prüfstand

Diskussion über Politik für Frauen: Die Zuschauerinnen hatten viele Fragen an die Kandidaten für die Landtags- und Bundestagswahl im September. Unter anderem stellte sich Lena Arnoldt (rechts, CDU) den Fragen. Die Kandidaten wie Lothar Quanz (SPD, Bild rechts) hatten in den, vom Gleichstellungsbüro vor Wochen verteilten, Sparschweinen Spenden für Frauenprojekte mitgebracht. Fotos: Weber

Eschwege. Thekla Rotermund-Capar brachte ihr Anliegen gleich auf den Punkt: „Frauen bilden die Hälfte der Weltbevölkerung, leisten jedoch zwei Drittel der Arbeit und bekommen als Lohn dafür allenfalls zehn Prozent des Welteinkommens und besitzen gerade einmal ein Prozent des Weltvermögens.“

Um die Aufmerksamkeit der Politik vor den Wahlen im September noch einmal auf die besonderen Wünsche der Frauen zu lenken, hatte sich die Gleichstellungsbeauftragte des Werra-Meißner-Kreises mit ihren Kolleginnen für einen Infoabend zusammengetan.

Lothar Quanz (SPD) mit seinem Spendenschweinchen.

Unter dem Titel „Wahlen verleihen Flügel“ fühlten Katja Eggert, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Witzenhausen, Bärbel Saur-Rost, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Eschwege, und Gabriele Thomas, Frauenbeauftragte der Stadt Wanfried, der Politik auf den Zahn. Im Café Amelie erhielten die Vertreter der Parteien bei Schnittchen und Musik Gelegenheit, ihre besonderen Programme auf dem Feld der Frauen- und der Familienpolitik vorzustellen. „Frauen fühlen sich nach wie vor oft auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt“, führte Rotermund-Capar aus.

„Die Frauen fordern deshalb unter anderem einen Mindestlohn, Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro und eine verbindliche Altersabsicherung für erwerbstätige Frauen. Gerade alleinerziehende Mütter seien später von Altersarmut bedroht.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war ein Thema, das die Frauen im Publikum beschäftigte. Aber nicht allein Frauen betreffend, sondern vor allem Männer. „Denn auch Männer haben Familie!“, stellte Rotermund-Capar heraus. Es müsse Regelungen geben, dass auch Männer problemlos Elternzeit nehmen könnten, ohne dadurch ihren Job zu riskieren.

Dass die Frauen- und Familienpolitik bei der Regierungskoalition nicht ganz oben auf der Agenda steht, ließ Lena Arnold von der CDU durchblicken. Sie propagierte lieber den Ausbau von Breitband-Internetverbindungen und das Projekt „Mobilfalt“ für den Nahverkehr. Ein Vertreter der FDP fehlte. SPD und Grüne, die ihre Landtagsabgeordneten, Lothar Quanz (SPD), Dieter Franz (SPD) und Siegrid Erfurth (Grüne) geschickt hatten, waren sich hingegen einig, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro her müsse, um die Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. „Auch das Betreuungsgeld ist ein fehlerhaftes Modell, das Familien nicht hilft“, betonte Quanz. Großzügige Angebote im Hinblick auf eine Mindestrente hatten die Linken mitgebracht und auch eine Lösung, um dies zu finanzieren: „Es ist in unserem Land viel Geld vorhanden, es muss nur eine Umverteilung stattfinden“, sagte Dr. Johanna Scheringer-Wright.

Schließlich hatten alle Fraktionen Spendenschweinchen mit bis zu 400 Euro gefüllt, die an Frauenprojekte übergeben wurden wie „Aktiv in den Job“ der Familienbildungsstätte, den Stadtteilladen Heuberg in Eschwege oder das Mütterfrühstück Bad Sooden-Allendorf.

Von Kristin Weber

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