Vorgezogener Jagdbeginn soll die Wälder schützen

Frühes Schonzeit-Ende für Rotwild erzürnt Jäger: "Kommt Ausrottung gleich"

Ende der Schonzeit: Seit Dienstag dieser Woche ist die Schonzeit für Reh- und Rotwild vorzeitig aufgehoben. Den Forst freut es, die Jäger laufen Sturm gegen die Verordnung.
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Ende der Schonzeit: Seit Dienstag dieser Woche ist die Schonzeit für Reh- und Rotwild vorzeitig aufgehoben. Den Forst freut es, die Jäger laufen Sturm gegen die Verordnung.

Die Vorverlegung der Jagdzeiten in Hessen für Reh- und Rotwild um einen Monat bringt die Jagdverbände auf die Barrikaden. Eigentlich sollten damit die Wälder geschützt werden.

 Indirekt fordern die Jagd- und Hegeverbände jetzt zum Boykott der Verordnung auf. „Jeder hat es selbst in der Hand, dem betroffenen Schalenwild einen Monat mehr Ruhe zu gönnen“, heißt es vom Hessischen Jagdverband.

Das hessische Umweltministerium unter Priska Hinz hatte in der Verordnung, die am Dienstag dieser Woche in Kraft trat, die Schonzeit für Reh- und Rotwild verkürzt. Ausgenommen von der Regelung sind trächtige Tiere, Kitze und Hirsche. 

"Indirekte Erklärung, Reh und Schalenwild auszurotten"

Schmaltiere (Kälber aus dem vorigen Jahr) sind zum Jagen freigegeben. Das Rotwild darf dafür im Juni und Juli gar nicht geschossen werden, erst ab August wieder – dann auch Ricken und Kitze der Rehe.

„Das ist die indirekte Erklärung, Reh und Schalenwild auszurotten“, sagt der Vorsitzende des Rotwildrings Meißner-Kaufungen Wald, Dr. Wilhelm Kalden. Nicht nur, dass die Tiere im Moment hochträchtig sind und zum Setzen ihrer Kitze Ruhe statt erhöhtem Jagddruck bräuchten. 

Er geht auch davon aus, dass die Schäden für den Wald durch die jetzt stärkere Bejagung deutlich größer statt kleiner werden, „weil die Tiere sich aus Angst nicht aus dem Wald trauen.“ Die Umsetzung der Verordnung sei für das Wild ein „Megastress“. Das könne sich jeder Laie vorstellen.

Naturschutzverbände befürworten Hessische Verordnung

Eine Allianz aus Verbänden, darunter privater und staatlicher Waldbesitzer, Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begrüßt die Verordnung der schwarz-grünen Landesregierung. 

„Damit ist eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Waldumbau geschaffen worden“, sagen Christian Raupach vom Hessischen Waldbesitzerverband und Jörg Nitsch vom BUND. 

Das Vorziehen der Jagdzeit sei erforderlich, weil zunehmende Bestände beim Schalenwild zu einem erhöhten Wildverbiss bei jungen Bäumen, deren Aufwachsen auf den im letzten Sommer entstandenen Waldschadensflächen besonders wichtig ist.

Frühere Jagd für schnellere Wiederbewaldung

Die Neufassung der Jagdordnung, nach der Rehwild ab 1. April und Rotwild ab 1. Mai geschossen werden darf (vier Wochen früher als bisher) begründet das Ministerium mit dem Schutz des Waldes. Die durch Stürme, Trockenheit und Schädlingsbefall geschädigten Wälder sollen aufgeforstet werden. 

Zum Schutz junger Setzlinge, die von Schalenwild gern gefressen werden, sollen die Bestände stark minimiert werden und die Abschusspläne in kürzester Zeit erfüllt werden.

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