Porträt

Für diese Frau ist Helfen eine Herzenssache - deshalb hat sie sich dem DRK verschrieben

Neben einer Jacke vom Deutschen Roten Kreuz sitzt eine Frau.
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Die Vorsitzende Helga Gogler und ihr Markenzeichen, die dicke, rote Jacke des Deutschen Roten Kreuzes.

Herleshausen – Sie ist sehr dankbar, die 67-jährige Helga Gogler aus Herleshausen. Dankbar, dass sie, gerade mal vier Wochen alt, als Adoptivkind aus Lübbecke Aufnahme bei ganz lieben Eltern fand, „wo ich eine sehr glückliche Kindheit verbrachte, auch deshalb, weil sie mir viel ermöglicht haben“, sagt sie beim WR-Gespräch.

Nach dem Abitur hat sie in Göttingen Lehramt studiert, was aber holprig vonstatten ging, weil in dieser Zeit ihre Adoptivmama Else Knierim an Krebs gestorben ist.

Und da deren Ehemann Fritz ein Schreibwarengeschäft unterhielt, musste ihm Helga häufig zur Seite stehen, schmunzelt sie noch heute, wenn sie an den Spitznamen „Papier-Fritzchen“ denkt, der in Herleshausen Geschichte geschrieben hat.

47 glückliche Jahre

Ihren Ehemann Klaus, der schon als Kind jeden Tag am Haus der Knierims vorbeigegangen ist, sie aber nicht wahrgenommen hat, lernte sie 1973 durch Zufall beim Grillen kennen. Daraus sind 47 gemeinsame und sehr glückliche Jahre geworden. Durch Klaus, den sie 1977 geheiratet hat, kam Helga Gogler zum Deutschen Roten Kreuz. Und das Helfen ist für sie bis zur Gegenwart zu einer Herzenssache geworden.

Vorsitz übernommen

„Begonnen habe ich den Sanitätsdienst auf dem Sportplatz, aber schon 1985 bin ich zur Bereitschaftsführerin aufgestiegen, was wenig später in Bereitschaftsleiterin umbenannt wurde“, geht Helga Gogler auf die Umorientierung des DRK-Kreisverbandes ein, der bestimmt hat, dass jeder Ortsverein einen Vorstand wählen musste. „So bin ich dann Vorsitzende geworden.

Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt meine erste größere Bewährungsprobe schon hinter mir“, erinnert sie sich an die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl in 1986: „Wir verköstigten die ABC-Truppe, die alle Fahrzeuge, die aus dem Osten kamen, dekontaminierten. Anfangs haben wir selbst gekocht, später fanden wir Unterstützung von der Bundeswehrküche in Sontra“, spannt Helga Gogler den Bogen zur Grenzöffnung.

Gänsehaut noch heute

„Über diese ersten Tage könnte ich ein Buch schreiben. Und wenn ich mich gedanklich zurück in diese Zeit versetze, verspüre ich noch immer Gänsehaut. Es kamen Tausende nach Herleshausen. Ich war damals 37 Jahre alt und eine von zehn Freiwilligen beim Roten Kreuz, die an diesem Wochenende die Menschen aus dem Osten versorgt haben“, erklärt sie, dass sie drei Tage lang kein Bett gesehen hat.

„Die eisige Kälte verlangte uns ebenfalls ganz viel ab. Wir haben aus der Bäckerei die Brötchen aus dem Ofen geholt und den Kindern in die Hand gedrückt, damit sie sich die Hände wärmen konnten“, macht Helga Gogler deutlich, dass diese Situationen sie auch 30 Jahre danach noch bewegen.

Die nächste größere Hilfsaktion verlangte 2002 die Hilfe des DRK-Ortsvereins Herleshausen: „Ich war zwar bei der Hochwasserkatastrophe von Dessau nicht vor Ort, habe aber alle Maßnahmen von zu Hause koordiniert.

Herleshausen ist ein Verpflegungszug, wir haben einen Lastwagen mit Feldküche. Bei uns gingen unzählige Hilferufe ein, und unser Feldkoch Thomas Trenk stand unter Dauerstrom.“

Gottesdienst gehalten

Helga Gogler, das heißt auch Mitglied im Freundschaftsbund. Und die Sonntagsschule der evangelisch-freikirchlichen Gemeinschaft mit ihren 19 Mitgliedern aus Herleshausen und Oberellen hat ihr viel zu verdanken:

„Wir waren lange ohne Pastor, folglich habe ich die Gottesdienstgestaltung übernommen, über 20 Jahre ein Kirchenblatt geschrieben sowie die ökumenische Kirchenarbeit mit Frühstückstreffen oder Weltgebetstag organisiert“, schwenkt Helga Gogler zur Teilnahme an und ihren Beschreibungen über Werralandwanderungen, ihren Berichten über den Werratal-Zweigverein Südringgau, die Mitarbeit am Grenzbuch und der Jubiläumschronik von Herleshausen sowie beim Arbeitskreis Stolperstein, wo ihr Biografien über die Stolpersteine vorschweben.

Zweites Grenzbuch

Mit Ex-Bürgermeister Helmut Schmidt und Christoph Wetterau arbeitet Helga Gogler intensiv am Grenzbuch Nummer zwei mit. Und was die Arbeiterwohlfahrt in Sachen Schüler-Nachhilfe begonnen hat, führte sie auf privater Ebene fort, unterstützte Kinder in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathe.

Und während ihrer Zeit als Verwaltungsangestellte und Standesbeamtin bei der Gemeinde Herleshausen (1990 bis 2017) hat sie nicht nur unzählige Paare getraut, sondern auch die Seniorennachmittage mit großem Engagement ausgerichtet.

Perfekt ergänzt

„Und ich lebe ganz besonders auf, wenn uns die drei kleinen unserer fünf Enkel, Paul (7), Simon (5) und Ida (3), besuchen“, erklärt die 67-Jährige, dass sie natürlich auch die schon erwachsenen Enkel sehr gerne um sich hat.

Auch Ehemann Klaus Gogler (WR-Porträt folgt) hat sich in Herleshausen dem Ehrenamt verschrieben, da ist es klar, dass er sich perfekt mit seiner lieben Frau ergänzt. (Von Harald Triller)

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