Integrationsprojekt

Fußball statt Party: Eschweger Jugendliche treiben gemeinsam Sport

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„Soccer with friends“: Das Angebot der Jugendförderung der Stadt Eschwege ist gelebte Integration. Gemeinsam Sport zu treiben, ist die beste Schule für Toleranz. 

Eschwege. Fußball statt Party machen am Feitagabend? Das bietet das Integrationsprojekt "Soccer with friends" der Jugendförderung Eschwege.

Ein steiler Pass wird gut angenommen, der Spieler nimmt ihn mit der Brust an, dreht sich, schießt und trifft. Er klatscht mit seinen Mitspielern ab und konzentriert sich wieder auf das Spielgeschehen, bei dem es eigentlich um nichts geht. Tore werden nicht wirklich mitgezählt und Punkte gibt es auch nicht zu vergeben.

Aber es steht doch so viel auf dem Spiel, wenn sich zumeist 25 ausländische Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren in der Turnhalle der Beruflichen Schulen treffen um, auf Torjagd zu gehen. Das Angebot „Soccer with friends“ der Jugendförderung der Kreisstadt Eschwege und der Schulsozialarbeiterin der Anne-Frank-Schule, das vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ gefördert wird, hat zu einer Entwicklung beigetragen. „Die Jugendlichen sollen sich austoben und ihre Aggressionen abbauen“, sagte Rigobert Gaßmann (61, Sozialarbeiter der Stadt Eschwege). Er schließt im Wechsel mit dem Schulsozialarbeiter Martin Hoffmann zwischen den Herbst- und Winterferien jeden Freitag um 21.30 Uhr die Halle auf. Es ist eigentlich die Zeit, in der die Jugendlichen Party machen oder rumhängen. Er will eine echte Alternative bieten.

Unterdessen wird es auf dem Feld hitziger, weil – obwohl es immer noch um nichts geht – keiner als Verlierer dastehen möchte. Gaßmann geht dazwischen. Ruhig und sachlich wirkt er auf die Jugendlichen ein. Der Ball rollt weiter, als wäre nichts gewesen. „Toleranz zu erlernen ist mir ganz wichtig“, betonte Gaßmann in diesem Zuge, der keinen allein lassen will und ein Stück zu einer gelungenen Interaktion der Jugendlichen beitragen möchte.

Basketball ist ebenfalls im Angebot

Wer nicht Fußball spielen will, der kann mit dem Basketball auf Körbejagd gehen. Die Jungs lernen sich durch den Sport besser kennen, knüpfen Kontakte und es bilden sich Freundschaften. „Einmal wöchentlich Sport, das reicht vielen nicht aus. Sie suchen die Sportvereine auf, testen das Angebot, üben eine Sportart aus und finden ihre Heimat‘ in den Vereinen“, freut sich Gaßmann über die Entwicklung.

Dabei hat ihn neben dem Betreuer Daniel Nessan (32) im vorigen Jahr der 21-jährige Ahmad Ahmadi unterstützt. Vor fünf Jahren ist Ahmadi aus Afghanistan geflüchtet, nun will er etwas zurückgegeben.

Er will die Jugendlichen unterstützen, weil er ihre Probleme versteht und ihr Schicksal teilt: „Ich bin ohne meine Eltern nach Deutschland gekommen und durch solche Treffpunkte habe ich Anschluss bekommen.“ Aus eigener Erfahrung weiß Ahmadi, dass die Verständigung das A und O ist. „Manche sprechen nicht Deutsch. Ich fordere sie dann auf, Deutsch zu sprechen“, sagt Ahmadi fließend, der dabei seine Geschichte als Musterbeispiel heranziehen kann. Dank seiner guten Sprachkenntnisse und seiner sozialen Kompetenz hat er erst ein Praktikum in der Jugendbetreuung absolviert, ehe er nun eine Ausbildung zum Elektriker meistert.

Von Marvin Heinz

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