Hohe Intelligenz der Tiere nutzbar machen

Gänse werden am Werratalsee jetzt mit wissenschaftlicher Unterstützung bejagt

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Sie sind schlau und lassen sich deshalb gut vertreiben: Wildgänse, wie hier auf dem Bild die heimische Graugans, meiden Flächen, auf denen sie wo sie bejagt werden. Mit dieser Maßnahme sollen die Tiere vergrämt werden, um Schaden auf Feldern zu minimieren. 

Um den Konflikt zwischen Wildgänsen und der Landwirtschaft zu entschärfen, wollen sich Kommunen, Kreis, Jäger und Wissenschaftler die hohe Intelligenz der Tiere zunutze machen.

Im Zuge des seit 2018 laufenden Projektes „Wildgänse im Werratal“ unter der wissenschaftlichen Leitung der Justus-Liebig-Universität Gießen ist eine Maßnahme die Bejagung der Gänse – und zwar ganz gezielt auf Flächen, auf denen die Tiere Schaden anrichten. „Wenn sie auf einem bestimmten Schlag bejagt werden, bleiben sie dem fern“, weiß der Biologe Johann David Lanz vom Arbeitskreis Wildbiologie, der das Projekt betreut. 

Deshalb haben sich in Eschwege und Meinhard Jäger aus zehn Revieren zusammengetan, die die Tiere bei größeren Ansammlungen bejagen. Die Revierpächter erlauben daher einer Gruppe zwischen 25 und 35 Jägern nach Absprache, in ihren Revieren Wildgänse zu jagen. 

Wildgänse meiden Flächen, auf denen sie bejagt werden

„Das ist ein großer Schritt hin zur Lösung des Konfliktes“, sagt Lanz. Die Jagd habe damit eine lenkende Funktion, die die Tiere von den bejagten Flächen vergräme.

Die Wildgänse treten in Schwärmen von 50 bis 100 Tieren auf und suchen sich am Tage gemeinsam Futterflächen. Besonders mögen sie junges Getreide und Grünland. „Ganz beliebt sind Winterweizen und Raps“, sagt Lanz. Oft werde eine Fläche so lange von den Wildgänsen genutzt, bis sie nicht mehr ergiebig, das heißt völlig abgefressen ist.

Jäger stellen bis zu 120 Lockbilder auf

Mit Unterstützung der Kommunen haben die Jäger inzwischen sechs sogenannte Gänseliegen, schlafsackartige Gebilde, unter denen sich die Jäger tarnen, angeschafft. Zudem stellen sie nachts bis zu 120 Lockbilder auf – das sind verblüffend echte Wildgans-Imitate. Sehen die Gänse auf Futterflächen Artgenossen, stoßen sie dazu.

Wie Jäger Bernd Eichstädt sagte, würden die Jäger pro Jahr zirka 70 Graugänse und ebenso viele Nilgänse erlegen. Das entspreche bei den Graugänsen etwa sechs Prozent der Population, bei den Nilgänsen 30 Prozent. 

Im Winter rund 1.100 Gänse in der Region

Laut den Zählungen, die seit April 2018 jeweils samstags gemacht werden, leben hier im Sommer um die 450 Grau- und Nilgänse. Im Winter sind es eher um die 1.100. Während die Graugans ein heimischer Wildvogel ist, stammt die Nilgans ursprünglich aus Afrika und wurde 2017 von der EU als „invasive Art“ eingestuft, also eine Art, die sich stark vermehrt.

Problematisch ist nicht nur das Fressverhalten der Wildgänse, sondern auch die starke Verschmutzung durch Kot wie zum Beispiel an den Unfern des Werratalsees, aber auch in Städten und Dörfern.

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