Restaurants nach Lockdown: Nichts ist wie vorher

Kirschtraum Sontra Corona 
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Erster Restaurantbesuch in Zeiten von Corona: Bettina Mengel-Lingner und Reiner Lingner im Lokal Kirschtraum. Ivana Krenzer (hinten) bedient das Paar mit Schutzmaske. 

Die Gäste kommen gern in die Restaurants zurück nach dem wochenlangen Lockdown durch Corona. Doch nicht ist wie vorher und man bleibt vorsichtig. 

Eschwege/Sontra/Heldra.  Seit gut einer Wochen dürfen Restaurants und Kneipen wieder öffnen. Unter strengen Vorschriften. Gastwirte dürfen wieder das tun, was sie gemeinhin tun: Tisch eindecken, Essen servieren, Getränke ausschenken, Menschen zufriedenstellen. Wir haben mit verschiedene Wirten nach der ersten Woche Bilanz gezogen.

Der Kirschtraum in Sontra 

Der Gasthof Kirschtraum in Sontra hat nach Wochen des Lockdowns den Betrieb wieder aufgenommen. Und viele Gäste ließen nicht lange auf sich warten. Im Gegenteil. Die Gäste freuten sich darauf, ein Schnitzel zu verspeisen und ein Kirschbier zu trinken, so wie es in der Vor-Corona-Zeit üblich war. Aber Gäste und Gastgeber spürten zugleich auch, dass längst nicht alles so ist, wie es vor der Krise einmal war.

Michel Etienne (34, Sontra) war einer der Ersten und freute sich seit Tagen auswärts essen zu gehen, um auch die Gemeinschaft wieder zu erleben. „Die Vorfreude war groß, aber anfangs war es ungewohnt“, so Etienne, „die familiäre Atmosphäre habe ich dann doch sehr genossen, deswegen komme ich immer wieder gern. Ich will auch die heimische Gastronomie in dieser schwierigen Phase unterstützen.“

Auf Umarmung und Handschlag muss verzichtet werden

Auf die liebevolle Umarmung und den so gewohnten Handschlag verzichtete Etienne schweren Herzens beim Verlassen des Lokals – sicher ist sicher. „Es ist eine neue Situation für uns alle“, sagt Wirtin Ivana Krenzer, die vor der Wiedereröffnung mit Kirsten Hartmann ein vierseitiges Hygienekonzept ausgearbeitet hatte. Lokalbesitzer müssen stets darauf achten, dass alles vorschriftsgemäß läuft – und dabei tragen sie jederzeit eine Schutzmaske. Nur maximal zwei Haushalte dürfen an einem Tisch Platz nehmen. Auf fünf Quadratmeter Gastfläche darf nur eine Person bewirtet werden. Bettina Mengel-Lingner (58, Weißenhasel) kommt seit Jahren ins Lokal und fasste ihren ersten Eindruck als „gespenstisch“ zusammen. „Wenn man überlegt, wer hier sonst alles reinkommt“, sagte Mengel-Lingner, die anmerkte, dass sich viele Menschen noch nicht trauen und lieber zu Hause bleiben.

Krone in Eschwege 

„Es ist keine einfache Situation, aber die Menschen sind glücklich, wieder essen und trinken zu gehen“, sagte Benjamin Brill vom Altstadtgasthof „Zur Krone“ in Eschwege. Brill weist die Gäste beim Gang auf die Toilette daraufhin, die Maske aufzuziehen. Am Tisch ist das Tragen der Maske für die Gäste keine Pflicht.

Gemeindeschänke Heldra 

„Jeder Gast muss seinen Namen samt Kontaktdaten auf einem Zettel notieren“, berichtete Stephan Behrndt von der Gemeindeschänke Heldra, der die Anordnung kritisch sieht. „Die Infektionskette kann viel zu groß sein und keiner weiß, ob sich der Gast überhaupt in unserer Gaststätte angesteckt hat.“ Ebenfalls für Kopfschütteln sorgt bei Behrndt die Fünf-Quadratmeter-Regel. „Wenn zwei Haushalte an einem Tisch Platz nehmen, dann bleibt eben viel leer“, so Behrndt, der viele Radfahrer weiterschicken musste, weil die Mindestanzahl von 26 Gäste in seinem Lokal erreicht war. Und das, obwohl der Mindestabstand gewährt worden wäre.

Feste sind alle storniert

Geburtstage, Hochzeiten und Versammlungen wurden storniert. Bis in den Oktober hinein haben die Gäste ihre Reservierungen abgesagt. Und so müssen Wirte und Restaurants weiterhin erhebliche Umsatzeinbußen einkalkulieren. Aushilfen müssen kürzertreten und auf das Entgelt verzichten. „Der Ausfall des Johannisfest und des Open Flairs wiegt beispielsweise schwer“, so Brill, der sich freute, dass eine Reihe von Open-Flair-Gästen an dem eigentlichen Festival-Festwochenende nun doch kommen. „Ein paar Grad mehr Temperatur wären gut, damit das Terrassen-Geschäft besser läuft“, sagte Brill, „doppelt belegen können wir nicht, weil wir nicht für draußen und drin planen können. Die Leute wollen ja rein, wenn es regnet.“

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